Highlights

Die Theater-Highlights im April

Phädra in den Kammerspielen (rechts/links), Girl from the Fag Machine Factory, ebenda

Nicht jede Premiere drängt sich von selbst auf. Bei diesen Bühnen-Tipps gilt ein dringlicher Marschbefehl

Jetzt muss Donald Trump vielleicht doch kurz mal weghören. Er kann sie gut gebrauchen. Doch tatsächlich laufen die Geschäfte nicht gut für die Nebelmaschinen, die in der kleinen Fabrik am Rande der Stadt hergestellt werden. Die Auftragslage ist äußerst überschaubar. Doch niemand möchte mehr Maschinen kaufen, die im Kern eigentlich doch nicht viel mehr produzieren als feuchte Luft. Doch so schnell wollen die Angestellten in der schön schrägen Produktion Girl From The Fog Machine Factory nicht aufgeben. Und so stellen sie immer Kurioseres aus Nebel her – Wasserfälle, leuchtende Nebelmeere, wabernde Planetenringe, aber auch berühmte Skulpturen von Rodin oder Giacometti aus Dampf. Dann natürlich auch Arnold Böcklins Toteninsel (im Nebel). Doch kann man den Betrieb mit derart flüchtigen Kunstwerken retten? Der Schweizer Bühnenkünstler Thom Luz möchte das herausfinden. Was lässt sich festhalten, wenn alles sich ständig verändert? (Kammerspiele, 12./13.4.)

Vom Nebel zu den Wolken: Kein Schritt sitzt sicher in der Elfriede-Jelinek- Produktion, die buchstäblich zwischen Himmel und Erde zu verorten ist. Fünf Wanderer, die zuvor nichts voneinander wussten und nun nach einem diffusen „Wir“ streben, treffen an einem unbekannten Ort aufeinander, dem titelgebenden Wolken.Heim. Gemeint ist ein Raum zwischen Gegenwart und Vergangenheit, in der der deutsche Geist herumschwebt und sich von „den Fremden“ absetzen möchte – in Zeiten, in denen so etwas wie Heimat ohnehin nicht mehr existiert. Die Waldgänger der deutschen Geistesgeschichte irrlichtern herum. Und Nobelpreisträgerin Jelinek arbeitet sich an aufgeladener Metaphorik ab. (Marstall, 13.4.)

Ganz tief in der deutschen, der bayerischen Geschichte im Speziellen, landet man in der anspruchsvollen, packend arrangierten Geschichtsdokumentation Die rote Republik mit der die Feierlichkeiten zum Jubiläum der revolutionären Rätezeit in Bayern noch einmal einen weiteren Höhepunkt erfahren. Christine Umpfenbach und Denijen Pauljevic präsentierten hier die Biografien mutiger Schrifstellerinnen und Schriftsteller, allen voran Kurt Eisner, der die Republik ausrief und dafür später nach einem feigen Mord mit seinem Leben bezahlt. Doch das Stück will nicht nur Historienschau sein, sondern wagt sich auch an die berechtigte Frage, warum damals Künstler so nah am Geschehen waren und sie es heute so oft nicht sind. (Akademietheater, ab 5.4.)

Gut, in der Metoo-Debatte haben viele Intellektuelle Stellung bezogen und sich oft sprachgewaltig in eine Debatte eingemischt, die lange verdrängt war und daher überfällig wurde. Von der wüsten Theater-Truppe Monster Truck kann man nicht gerade Wortbeiträge für die Goldwaage erwarten. Sie schmeißen sich aber trotzdem mit ihrer sehr speziellen Phädra-Adaption mitten hinein ins aufgeheizte diskursive Getümmel. Das antike Stück, den Mythos von Liebe und Rache, haben sie kurzerhand ins schmierige Ambiente eines 80er-Jahre-Horrorfilms verlagert. Soll heißen: Die Altersfreigabe ab 16 Jahren hat dank der saftigen Splattereffekte seine Berechtigung. (Kammerspiele, 13./14.4.)

Die Perlenfischer im Gärtnerplatztheater

Ums perfide Spiel mit der Macht geht es natürlich auch im Samuel-Beckett- Klassiker Warten auf Godot. Und auf die Rollen, die eine Versuchsanordnung mit Diener und Herr den Beteiligten zuweist. Trotzdem: Dem Iren saß bekanntlich der Schalk im Nacken. Und nichts sollte nur wörtlich genommen werden. Unendlicher Spaß. (Volkstheater, ab 4.4.)

Die Theaterschriftstellerin Beate Faßnacht ist dagegen schon fast so etwas wie eine Signatur-Autorin am TamS. Bereits zum vierten Mal kommt dort nun mit Der letzte Dreck ein Stück aus ihrer Feder zur Premiere - diesmal sogar als Uraufführung. Erzählt wird von einem überschaubaren kleinen Königreich zwischen Teich und Wiese, das eigentlich ein Idyll sein könnte. Wenn nur nicht die rücksichtslosen Bewohner wären, die dem König Summserum, den Faßnacht als „Penner mit Krone“ einführt, auf den Wecker gehen. Aber muss man verstehen, dass er gleich wieder mit der Einführung der Todesstrafe droht? Alles aus den Fugen. So kaputt ist sie, diese moderne Welt. (TamS, ab 6.4.)

So richtig auf einen glücklichen grünen Zweig kommt auch Hans Luckner, mittelloser Lebenskünstler und naiver Romantiker, in der neuen Theaterfarce von Herbert Klocker nicht. Vielleicht hat er sich aber auch nur in die Falsche verliebt: eine erfolgreiche Kickboxerin, die nicht von der Seite eines reichen Rennfahrers weichen will. Die Enthauptung des Glücks steht im Raum. Das kann deftig werden. (Pasinger Fabrik, ab 18.4.)

Wer gedacht hätte, am anderen Ende des Globus, unter tropischen Palmen, wäre die Welt noch in Ordnung: Pustekuchen! Eigentlich waren Zurga, der neue Herrscher auf der Insel Ceylon, und sein Jugendfreund Nadir ja ganz vernünftige junge Männer. Um sich nicht um ihr Glück zu bringen, hatten die beiden einst den Pakt geschlossen, sich niemals in dieselbe Frau zu verlieben. Doch wie jeder fleißige Theatergänger weiß: Auch heilige, ewig gedachte Eide sind nicht zu halten, wenn die Versuchung lockt. Die trägt den Namen Leila. Und sie ist dummerweise auch noch Hohepriesterin. George Bizet hatte mit Die Perlenfischer 1863 seine erste abendfüllende Oper vorgelegt. Damals war sie - trotz des reizvollen exotischen Settings - von keinem großem Erfolg gekrönt. Nun kommt sie als bildgewaltiges Spektakel zurück. Not to be missed! (Gärtnerplatztheater, ab 12.4.)

Autor: Rupert Sommer

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