Regie-Festival

Radikal Jung Festival: Radikal weltoffen

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Angstpiece am 28. April im Münchner Volkstheater

Das Regie-Festival im Volkstheater hat diesmal so viele Produktionen eingeladen wie noch nie zuvor

Die Welt zu Gast: In Zeiten, in denen neue Mauern hochgezogen werden, sich Nachbarländer vom Kontinent lösen und im Globales-Dorf-Nahbereich der sozialen Netzwerke schnell heftiger Streit ausbricht, ist die radikal weltoffene Tradition des immer wieder extrem spannenden Münchner Theaterfestivals doch wirklich etwas Besonderes.

Bereits zum 15. Mal kommt die hoffnungsfroh stimmende Speerspitze junger Theaterschaffende für das Radikal jung-Fest ans Münchner Volkstheater. Eingeladen vom Intendanten Christian Stückl können sich hier junge Talente selbst ins Schaufenster stellen und sich großer Beachtung sicher sein.

Von 27. Apri l bis 5. Mai sieht man nicht nur in der Brienner Straße, sondern auch im derzeit wohl aufregendsten Zwischennutzungsprojekt Z Common Ground an der Zschokkestraße 15 Stücke aus Amsterdam, Berlin, Dresden, Hamburg, Paris, St. Pölten, Wien, Zürich und München. Erstmalig reist sogar eine Produktion aus New York an – das ultra-gewaltätige Frauen-Diptychon (50/50) old school animation, das Peter Mills und Julia Mounsey in Szene gesetzt haben (Volkstheater, 29.4. bis 1.5.).

Auffällig diesmal: Aus den rund 90 gesichteten Produktionen haben die Juroren Kilian Engels, Christine Wahl und der umtriebige Theaerkritiker C. Bernd Sucher das bislang umfangreichste Festivalprogramm eingeladen – darunter mit 14 regieführenden Frauen wieder mehr Regisseurinnen als Männer (fünf an der Zahl).

Keine lange Anreise hatten dabei Leonie Böhm, die ihre gefeierte Yung Faust-Inszenierung von den Kammerspielen noch einmal auf einer neuen Bühne zeigen darf, und Blanka Rádóczy (Der Mieter aus dem Residenztheater). Und das Volkstheater selbst ist mit der Amsterdam-Arbeit von Sapir Heller vertreten.

Erstmalig in der Stadt – als Uraufführung – darf man sich auf die hautnah berührende Medusa Bionic Rise-Produktion von Regisseurin Yanna Thönnes einlassen. Hinter dem Titel verbirgt sich eine radikale Fitness-Bewegung, die auch vor operativen Eingriffen und technologischen Körper-„Erweiterungen“ nicht zurückschreckt. Man will sich ja optimieren (Z Common Ground, 27./28.4.).

Mit der rasanten Entwicklung der Fotografie und der Frage, was diese über das Konzept von Wirklichkeit erzählt, beschäftigt sich die Uraufführung Durée d’exposition der Regisseurin Camillle Dagen (27./28.4.). Ein rätselhaftes Angstpiece hat Anta Helena Recke mitgebracht. Sie lotet auf der Bühne psychische Störungen und Vermeidungsverhaltensweisen aus (28.4.).

Auf dem vielbeachteten Roman Die Hauptstadt von Robert Menasse basiert die Theaterarbeit von Lucia Bihler vom Schauspielhaus Wien, die sich mit der EU-Tristesse auseinandersetzt (29.4.). Und in die heimliche neue US-Hauptstadt Mar-al-Lago geht’s im wuchtigen Text von Marlene Streeruwitz (3.5.).

Autor: Rupert Sommer

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