Münchner Volkstheater

Theater in Zeiten des C-Wortes

Münchner Volkstheater
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Das Volkstheater startet früher in die Spielzeit mit einem Sommerprogramm

Man kann es nicht mehr hören, das C-Wort, aber es hilft ja nichts: Corona krempelt alles um. Und die Kultureinrichtungen, die Clubs, die Theater etc. – so musste man die Signale aus der Politik interpretieren, so ist das auch beim Münchner Volkstheater angekommen – sollten erst mal die Füße stillhalten, nach den Sommerferien sehen wir weiter... Kein Plan? Also machen wir unseren eigenen, haben sie an der Brienner Straße schon Anfang Mai gesagt – und umgesetzt: die Theaterferien wurden vorgezogen, seit Mitte Juni probiert man wieder, und die Spielzeit beginnt diesmal viel früher: schon Ende Juli.

Die letzten Monate waren und sind noch eine Herausforderung, haben aber auch, so gesteht man, die über Jahre etablierte Routine aufgebrochen. Und so präsentiert ein sichtlich aufgekratzter und nicht unstolzer Christian Stückl – er lobt die Flexibilität aller Beteiligten im Haus zurecht über den grünen Klee – den ersten Spielplan der neuen Saison, korrekter: nur den Start bis in den September hinein. Weil der Rest des Jahres noch nicht durchgeplant ist, in dieser doppelt spannenden Spielzeit: C-technisch mit nicht absehbaren Entwicklungen, und dann spielt man ja das letzte Jahr noch in der Brienner Straße, bevor im Sommer 2021 der Umzug ins Schlachthofviertel erfolgt, ins neue Volkstheater (dessen Bau gut im Plan ist).

Weil keines der Stücke im laufenden Repertoire auf die neuen Abstandsbestimmungen umgebaut werden kann, stellen Stückl und seine Mitstreiter innerhalb weniger Wochen fünf komplett neue Produktionen auf die Beine (als sechste kommt im September noch das „Gehörlosen-Hörspiel“ dazu, das im Frühjahr dem Lockdown zum Opfer fiel). Und alles natürlich c-tauglich, auch auf den parallel laufenden Proben, auf der Bühne sind maximal Personen im Einsatz, die Aufführungen haben keine Pause (nicht dass die Leute noch ins Gespräch kommen...). Und weil die Abende so auf eineinhalb Stunden ausgelegt sind, gibt es auch geringere Kartenpreise, und nur zwei Kategorien: 25 und 18 Euro.

Im Haus haben sie jede zweite Reihe ausgebaut, sie spielen aber auch im Garten, maximal 100 Zuschauer sind zugelassen (nach derzeitigem Stand). Nicht ohne Schmunzeln erklärt Stückl den Unterschied zwischen Gastro- und Konzertbestuhlung und verweist auf das Einbahnstraßensystem zum Lotsen des Publikums, das vom eigens installierten C-Konzept-Verantwortlichen des Hauses ausgearbeitet worden ist. Alle C-Bestimmungen, für Künstler und Publikum, werden peinlich genau beachtet, betont Stückl.

Der Intendant selbst startet das Sommerprogramm am 24. Juli mit George Taboris „Die Goldberg-Variationen“, eine Stückwahl nicht frei von Selbstironie, erzählt es doch von einem Regisseur, der nicht weniger versucht als die Bibel auf die Bühne zu bringen. Am 29.7. bringt Sapir Heller die dystopische Collage „Das hässliche Universum“ von Laura Neumann, Thema des 2017 uraufgeführten Textes: Weltuntergang. Franz Kafkas unvollendete Erzählung „Der Bau“ thematisiert Abschottung und den Wunsch nach absoluter Sicherheit (Regie: Mirjam Loibl, Premiere: 7. August). Simon Solberg transportiert Afred Dorfers und Josef Haders längst Klassiker gewordenes „Indien“ um zwei Hotel- und Gastro-Tester in die Zukunft und hält aus der Ferne Rückschau auf unsere Zivilisation. Und schließlich blickt Abdullah K. Karaca ins Leben einer Einsamen, deren einzige Höhepunkte Friseurbesuche sind, nach der Erzählung von Ingeborg Bachmann „Probleme, Probleme“ (ab 26. August).

Abgerundet wird das Sommer-Volkstheater mit Dämmerschoppen (vulgo: Sundowner), Konzerten – u.a. Impala Ray, Hochzeitskapelle, Ami & Matthew und Maxi Pongratz (Kofelgschroa) – und einem Programm für Kinder (aber nicht nur): Stefan Murr und Heinz-Josef Braun bringen einige ihrer schräg-bayerischen Märchenbearbeitungen mit Musik.

Weitere Infos unter www.muenchner-volkstheater.de

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