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Münchner Opernfestspiele 2022: Hexen, Teufel, schlaue Füchse

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Von: Andreas Platz

Frisches Freiluft-Glück: Oper für alle
Frisches Freiluft-Glück: Oper für alle © Staatsoper / S. Dittrich

Vom Sonntag, den 19.Juni bis 31. Juli verwandelt sich die Gegend um die Oper in die schönste Flanier- und Vorführbühne bei den Münchner Opernfestspielen

Der „Monaco Franze“ wusste schon, was er an der elegantesten Zeit im Jahr so schätzte: Plötzlich wird auf allen Plätzen, in den Arkaden, auf den warmen Theaterstufen und in Straßencafés rund um den Max-Joseph-Platz ganz große Oper gespielt. Die Hauptdarsteller: beschwingte Münchner sowie von nah und fern anreisende Musikgäste.

Die Spielfreude und der Sommer-Esprit schwappen einfach von den Opernfestspielen aus dem Nationaltheater herüber. Die Vorfreude steigt. Nun sind es die ersten Schaufenster-Wochen, vom 19.6. bis zum Spielzeitfinale Ende Juli, mit der Intendant Serge Dorny die ganze (Opern-)Welt auf sein Haus aufmerksam machen kann. Und weil er weiß, was die Münchner lieben, hat er mit den großen Werken von Richard Strauss Ausrufezeichen ins Zentrum gerückt. Es geht bei dem berühmtesten Münchner Komponisten-Sohn der neueren Zeit ja stets über die Kunstform Oper hinaus. Strauss reflektiert über sein Medium – und über die Zeit.

Was könnte besser zu den Opernfestspielen passen, die sich ja ebenfalls nicht aufs Nationaltheater allein beschränken lassen. So hebt sich im schönen Prinzregententheater der Vorhang für die erste Strauss-Oper Cappriccio als Festspiel-Premiere (ab 17.7.). In einer Neuinszenierung von David Marton, der sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper gibt, wird man Diana Damrau, Pavol Breslik und Michael Nagy in den Hauptrollen erleben. Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters steht Lothar Koenigs.

Zudem umfasst der Strauss-Schwerpunkt Der Rosenkavalier (21./24.7.) in Premierenbesetzung und Die schweigsame Frau (22.7.) mit Brenda Rae und Franz Hawlata in den Hauptpartien.

Die überbordende Musikfreude darf man diesmal natürlich auch wieder wörtlich nehmen: Im Rahmen der traditionellen „Oper für alle“-Nacht wird dieses Jahr Leoš Janáčeks Das schlaue Füchslein in der Inszenierung von Barrie Kosky am 11.7. live auf den Max-Joseph-Platz übertragen.

Die erste Premiere der Opernfestspiele bietet am 27.6. äußerst Aufregendes: Es geht im Nationaltheater mit Krzysztof Pendereckis Die Teufel von Loudun los - unter der Musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski, inszeniert von Simon Stone. In den Hauptrollen sieht man Ausrine Stundyte, Wolfgang Koch und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke. Es ist ein bestürzendes Stück, basierend auf dem Roman von Aldous Huxley, in dem es um religiösen Fanatismus, Ausschweifungen eines Priesters und eine Teufelsaustreibung im frühen 17. Jahrhundert geht.

Ein wenig durchatmen kann man dagegen beim eher Star-zentrierten, nicht ganz so teuflischen Kammermusik- und Liederabend-Programm. Dort darf man sich unter anderem auf Auftritte von Sonya Yoncheva, Anja Harteros, Christian Gerhaher und Jonas Kaufmann freuen.

Und natürlich zieht auch das Bayerische Staatsballett mit, das in der Reihe Heute ist morgen neue Kreationen zeigt. Die Premiere für die Leistungsschau zeitgenössischer Choreografien steigt am 24.6. im Prinzregententheater.

Autor: Rupert Sommer

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