Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights zum Monatswechsel

Faltsch Wagoni ab 29. Oktober in der Lach- und Schießgesellschaft

Bei diesen Programmen wird man es finden. Fast todsicher.

Wer meint, schon alles gesehen zu haben und sich durch fast nichts mehr aus der Bierruhe bringen zu lassen, der muss dringend mal wieder ins Improtheater gehen. Hier regiert der blanke Irrsinn. Die Spielfreude ist mehr als ansteckend. Und fast jeder durchgeknallte Zuruf aus dem Dunkel des Zuschauerraums wird sofort auf der Bühne umgesetzt. 

Das kann dann auch mal zum ziemlich abseitigen Vergnügen werden. Und ganz radikal setzt das Konzept die alten ShakespeareVorgaben um. Bilder entstehen im Kopf. Wer braucht schon Kulisse und Requisiten. Nur Musik sollte nie fehlen. Und das Schönste dabei: Wiederholungen sind hier eben nicht drin. Wer beim abendlichen Weggehen ungern auf Risiko setzt und sich lieber gleich an das Beste der Besten hält, darf daher beim Improvember-Festival nicht fehlen. Über vier Tage hinweg hat man dann die Qual der Wahl aus elf Shows, 13 Workshops und Darbietungen von 150 Impro-Schauspielern. (Diverse Orte, 31.10. bis 3.11.)

Was ist denn nur los mit dieser Welt? Trump-Twitter-Spinnereien im Minutentakt. Schreckensmeldungen von allen Ecken und Enden des Planeten. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stürzen ein oder über einander her. Kann das alles wahr sein? Wird es noch schlimmer? Vielleicht sollte man zur Entspannung wirklich mal wieder an Mehlprimeln schnuppern? Die bayerischen Musikkabarett-Urviecher erzählen von den großen und kleinen Katastrophen des Alltags, über die Liebe, das Alter und das Übermaß an Irrsinn und Heuchelei. Und grad schön ist’s! (Fraunhofer, 26.10.)

Musikalisch auf Zack sowie wirklich witzig ist auch Viktoria Lein, die dieser Tage ihr neues Soloprogramm „Singen Sie mal blond!“ vorstellt. Darin ist vom großen Show-Biz-Zirkus der Talentshows, Galas und öden Firmenevents die Rede. Was man als aufstrebende junge Künstlerin eben alles so mitmachen muss. Und da soll noch jemand behaupten, dass derlei Zwänge nicht auf die Seele drücken! (Iberl-Bühne, 24.10.)

Silvana und Thomas Prosperi haben dagegen den großen Vorteil, dass ihnen schon so viel gelungen ist in ihrem Leben. Und dass sie sich nicht mehr ganz so schnell aufregen. „ZUM GLÜCK kein Ratgeber“, so heißt auch ihr neues, intelligentes Bühnenprogramm. Das nimmt sich ein kerniges altes Hemingway-Zitat zum Vorbild. „Glück ist einfach eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis“, meinte der alte Zausel. Deswegen sollte man kurzerhand verdrängen, was gemeinhin auf die gute Laune drückt und sich mit Haut und Haar auf die Pointen von Faltsch Wagoni einlassen. Die Kraft der Gelassenheit quillt dabei aus jeder Pore. „Erfahren werden wir nicht, wie wir glücklich werden, sondern bestenfalls, dass wir es schon sind – und vielleicht gar nicht wissen“, sagen die beiden. Und das klingt gut so. Zum Glück. Wer dem Braten nicht traut, sollte ein eigenes Hufeisen mitbringen. (Lach- und Schießgesellschaft, ab 29.10.)

Kann man einem Puppenspieler überhaupt trauen? Und dann auch noch einer geschwätzigen Echse, die ihm nicht von der Seite weicht? Sollte man ausprobieren. Michael Hatzius ist zum Glück lange nicht so großmäulig veranlagt wie sein Reptil. Und manchmal kommen aus beider Münder eben doch Weisheiten. Oder „Echsoterik“, um präzise zu bleiben. (Lustspielhaus, 26.10.)

Auch von den schrillen Damen, die Suchtpotenzial verbreiten, kann man was lernen. Etwa, wie man gezielt feministische Anbagger-Sprüche beherzigt. Oder wie man die Kurve von aktuellen Instagram-Trends zu staubigen Wagner-Opern schlägt. Man ahnt es bereits: Die beiden Ladies lassen mal wieder ihren Albernheiten freien Lauf. Und dabei reizen sie ihre Musik-Talente wieder bis zum Anschlag aus. Sie haben ihn einfach drauf, den Alkopop! (Lustspielhaus, 7.11.)

„Das Geheimnis meiner Schönheit“ verrät der sympathische Puschelmikrofranzose Alfons im Programm, das ursprünglich eigentlich ganz bescheiden „No. 5“ heißen sollte. Weil es eben auch sein bislang fünftes ist. „Aber das wollten die von Chanel nicht“, erzählt der Mann mit der Trainingsjacke. „Und deren Anwälte sind verdammt streng“, so Alfons. „Dafür riechen die immerhin sehr gut.“ Nun geht’s also ans Eingemachte und Schönheitstipps. Dafür ergründet Alfons sehr tiefschürfend, so wie man ihn eben kennt, das Verhältnis von Mensch, Natur und Fahrkartenautomaten. (Lustspielhaus, 1.11.)

Tendenziell eher kurzatmig, dafür aber mit weitschweifenden urigen Geschichten, kommt auch Mathias Kellner, der coole Dude aus Straubing, auf die Bühnen. „Irgendwie zu ungefähr“ heißt sein neues Solo, das man wieder mal als Gesamtkunstwerk aus Worten und Akkorden (von der Gitarre nämlich) bezeichnen kann. Nix Großes soll das werden. Dafür aber treffsicher Gefischtes, mitten aus dem Leben im eher platten bayerischen Hinterland. Vieles wirkt dagegen so skurril, dass man es kaum glauben kann. (Paulaner am Nockherberg, 3.11.)

Phänotypisch so ziemlich das Gegenstück ist der Stand-up-Comedy-Star Jan van Weyde aus Köln, den es mit seinem Solo „Große Klappe, die erste“ gen Süden zieht. Darin wird vom zunehmend hyperventilierenden Überlebenskampf eines Jungvaters erzählt, der schon bereut hat, dass er seine titelgebende große Klappe vorzeitig eben auch schon an seinen Nachwuchs vererbt hat. (Schlachthof, 4.11.)

Noch ziemlich jung – hip und wortgewaltig sind auch die Herren David Hain und Robin Blase, die als Lästerschwestern über die Lande brettern. „Lästern in einer Tour“ heißt die, nun ja, aktuelle Tour. Man kennt sie von YouTube, wo sie jeweils den neuesten Klatsch und Tratsch durch den Kakao ziehen. Damit kann man offenbar auch die großen Hallen füllen. (Technikum, 26.10.)

„Kein Firlefanz” war dagegen schon immer die Devise bei der rührigen Poetenstammtisch-Reihe, die – man will es gar nicht glauben – dieser Tage 25 Jahre alt wird. Ins Leben gerufen hatte sie einst der Satiriker Helmut Eckl, der Musikkabarettist Fritz Liebl und Beppi Bachmaier vom Fraunhofer. Nun wird im großen Stil gefeiert – unter anderem mit Michi Dietmayr, der Gruppe Kabarest, Franziska Wanninger sowie natürlich Eckl und Liebl. (Fraunhofer, 28.10.)

Zurückschalten auf Entschleunigung kann man zu guter Letzt mit dem neuen Varieté-Programm Slow aus der GOP-Welt. Darin treibt Claude Criblez seinem Publikum mit alpenländischer Gemütlichkeit Lachtränen in die Augen. Der Schweizer versteht sich zudem auf die hohe Kunst, Katzen und Fische durch den Saal fliegen zu lassen. Zwischendurch jagen knackige Artisten dem guten alten „Höher, schnell, weiter“ hinterher. Es kann eben auch ein wenig aufregend werden, wenn man zur Ruhe kommen will. (GOP Varieté-Theater, 7.11.)

Autor: Rupert Sommer

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