Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights im Oktober

Stermann & Grissemann am 10.10. im Lustspielhaus

Diese Muntermacher rütteln endlich wieder auf

Zuletzt wäre es fast ein wenig eng geworden für die Herren Stermann & Grissemann. Ihr Erfolgsprogram „Gags, Gags, Gags!“ zu ihrer sensationell bissigen TV-Show lief zuletzt ernsthaft Gefahr, von der österreichischen Realität im D-Zug-Tempo überholt zu werden. 

Immerhin schreiben die ganz traurigen, abgründigen Gags derzeit in der Skandalalpenrepublik die Politiker gleich selbst. Und so viel Red Bull Wodka kann man gar nicht tanken, um mit den jeweils neuesten Ibiza-Volten hinterherzukommen. Trotzdem: Ihre feinen Beschimpfungen, die totale Sinnsabotage und Selbstdemontage, ihre bizarren Polemiken, Persiflagen und Satiren sind Schlagobers-Extraklasse. Wer Wien verstehen will, muss sich ihnen zu Füßen werfen. Mehr als nur eine b’soffene G’schicht. (Lustspielhaus, 10.10.)

Extrem spätpubertierend gibt sich seit jeher natürlich auch der geschätzte Allgäuer Kollege Jockel Tschiersch, der schon lange im Wien Deutschlands, im Sündenpfuhl Berlin, wütet. Mit „Jockel Tschiersch – Geiler Titel!“ plündert er sein eigenes Lebenswerk und bricht die schmerzhaft lange Bühnenabstinenz. Er liest, erzählt und spielt Neues neben Erprobtem, skizziert Szenen aus seinem grantigen Leben, stellt Highlights aus Romanen vor, die Filme werden sollten, und aus Drehbüchern, die zu Romanen wurden. Vieles sind einfach nur formlose Frechheiten. Wunderschön! (Lach- und Schießgesellschaft, 22.10.)

Apropos Sündenpfuhl: Wenn ein sinnliches Solo schon „Cumedy – Deeper wird’s nicht“ heißt, darf man Deftiges erwarten. Ines Anioli ist in der Stadt und macht sich mit kesser Ruhrpottschnauze für ihr Lieblingsthema stark: Women’s Empowerment. Soweit der ideologische, radikalfeministische Überbau. Ganz nebenbei bietet der Abend allerdings sehr zupackende praktische Lebenshilfe. So erfährt man allerlei Wissenswertes über Tinder-Fuckboys, Waxing-Praktiken und ausgewählte Dick-Pics, die sie von ihren Freundinnen zur fachfraulichen Begutachtung zugespielt bekommen hat. (Backstage, 15.10.)

Ja sind wir plötzlich wieder in den Neunzigern? Könnte man meinen: Immerhin haben sich auch die Herren John Friedmann und Florian Simbeck aka Erkan & Stefan wiedergefunden, nachdem sie sich zuletzt längere Zeit öffentlich aus dem Weg gegangen sind. Jetzt gibt’s wieder deftig eines auf den Döner! (Circus Krone, 20.10.)

Nie wirklich weg war Karsten Kaie alias der Caveman. Der Komiker mit den urzeitlichen Trieben und den felllastigem Humor ist plötzlich wieder da. Und das ist gut so. (Das Schloss, 18./19.10.)

Orientierung bieten will Markus Kapp, der wohl weiß, dass wir in ziemlich stürmischen Zeiten leben. Das Wasser steht bis zum Hals, die Demokratie geht den Bach runter, wir werden überschwemmt mit Informationen, verlieren uns im Meer der Möglichkeiten. Zum Glück ist allerdings das „Kapp der guten Hoffnung“ – so der Titel seines Solos – doch noch in Sicht. Und Kapp weiß, dass wir zwar permanent am Ausguck stehen, meistens jedoch das Fernrohr verkehrt herum halten. (Fraunhofer, 12.10.)

Dass in einer komplexen Welt eben alles mit fast allem zusammenhängt, lernt man auch im explosiven neuen Programm von Lisa Catena. Sie verzerrt wieder mal die aktuellen politischen Verhältnisse bis zur Kenntlichkeit. Und gleichzeitig leistet sie echte Aufklärungsarbeit. Wer hätte denn vor Besuch ihres neuen „Der Panda-Code“-Programms gewusst, dass ausgerechnet der verfressene asiatische Bär im internationalen Wirrwarr eine tragende Rolle spielt? Es sind Erkenntnisse, die schockieren. Immer nahe dran an den neuesten Verschwörungstheorien. (Lach- und Schießgesellschaft, 10.10.)

Comedy mit Tiefgang. Dafür möchte Martina Brandl, die bundesweit einmalig sonst den „Quatsch Comedy Club“ moderiert, stehen. Als TV-bekannte Entertainerin ist sie genau das richtige Gesicht für den GOP Comedy Club. Sie will nicht belehren, trotzdem aber tief tauchen. Und sie hat sich gute Gäste eingeladen – darunter Michi Altinger und den Kollegen Nagelritz. (GOP Theater, 21.10.)

Alle Blicke gehen zwangsläufig nach unten, wenn sich die kurvige Schönheit Kitty Kokett oder das charmante Häschen Ruby Tuesday auf der Bühne räkeln. Schamhaft nach unten? Nicht immer. Sonst würde man ja die Hälfte vom sinnlich-lasziven Entblätterungsspaß verpassen, den der Magier Markus Laymann mit Gentleman-Fingerspitzengefühl anmoderiert. Glitterama is back. Lasst die Hüllen fallen! (Hofspielhaus, 11.10.)

Gegen die allgemeine Ver-Grauung wollen auch die Herren Igudesman & Joo ankämpfen. Was sie stört: Die Welt versinkt ihrer Ansicht nach nämlich gerade nicht im bunten Chaos. Sondern in grauen Räumen, in grauer Langeweile und grauer Monotonie. Doch Rettung naht: Und sie trägt jeweils ein Clownsgesicht! (Prinzregententheater, 16.10.)

Zur totalen Entschleunigung rät Sarah Hakenberg in ihrem neuen Solo „Dann kam lange nichts“. Während andere noch darüber nachdenken, welches nun die schönste und lebenswerteste Stadt im Lande sein soll, entschloss sie sich zum Wagemut: Hakenberg verlegt sich nach 20 Jahren in diversen Großstädten nach Ostwestfalen. Dort gibt es keine Szene-Kneipen, keine spektakuläre Natur, keine Kita-Plätze. Ist doch mal was radikal anderes! (Lustspielhaus, 19.10.)

Mit seinen Kräften am Ende ist dagegen Stephan Bauer. Und das liegt auch am privaten Partnerschafts-Missgeschick. Jeder kennt sie doch: die Müdigkeit in einer Beziehung. Dann nämlich, wenn man dem trauten Gegenüber ins Gesicht sieht und nur noch stammelt: „Vor der Ehe wollt‘ ich ewig leben.“ (Schlachthof, 19.10.)

Zum Glück gibt’s zu guter Letzt aber auch noch die feinen Liedermacher-Kabarettisten Simon & Jan. Sie lösen im neuen „Alles wird gut“-Programm einfach mal kurzerhand alle Probleme der Menschheit. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger! (Lustspielhaus, 24.10.)

Autor: Rupert Sommer

Auch interessant

Bühnenschau

Mit Schmackes in die Saison

Mit Schmackes in die Saison

Ortsgespräch

Resi-Intendant Andreas Beck im Interview: „Schauspielen ist eine der rätselhaftesten Kunstformen“

Resi-Intendant Andreas Beck im Interview: „Schauspielen ist eine der rätselhaftesten Kunstformen“

Highlights

Die Theater-Highlights im Oktober

Die Theater-Highlights im Oktober

Bühnenschau

Im Strick der Hybris

Im Strick der Hybris