Kabarett-Highlights

Die ersten Kabarett-Highlights im Dezember

Sargnagel, Rösinger und Bourbon am 15. Dezember im Volkstheater

Mit etwas Humor überlebt man sogar den Vorweihnachtsstress

Vor Frauen muss man sich nicht fürchten. Vor Sargnagel, Rösinger & Bourbon aber lieber doch. Jede der drei so unterschiedlichen Grazien ist in der ihr eigenen Paradedisziplin ein Star. Im Trio sind sie eine Naturgewalt. Und die wird München erschüttern – im besten Sinne. 

Denice Bourbon gilt als der strahlend helle neue Stern am Standup-Himmel. Christiane Rösinger ist die legendäre Berliner Songwriterin. Und in den ganz schmutzigen Wiener Beisln, in dem sie nicht weniger dreckige Gags einsammelt, ist bekanntlich Stefanie Sargnagel zu Hause. Nun reichen sie sich die Hände. Hut ab und Baskenkappe auf! (Volkstheater, 15.12.)

Fast wäre man jetzt geneigt, auch Jürgen Becker als großen wortgewaltigen Feministen zu verstehen. Vielleicht hat es aber auch einfach mit seinem einfühlsamen neuen Programm zu tun. Darin erzählt er von Blattläusen, die eine sehr weibliche Antwort auf die Fortpflanzungsmisere gefunden haben. Wenn ihnen nach Sex ist, schaffen sie das selbst. Und sie gebären ihre Lausmädels ganz ohne Zutun eines Lausbuben – manchmal bis zu zehn Töchter am Tag. Für sie fallen natürlich viele Peinlichkeiten weg. So müssen sie nie die bange Frage stellen: Zu dir oder zu mir? Sie beantworten sie einfach mit: Zu mir oder zu mir! Im neuen Solo „Volksbegehren“ arbeitet sich Becker am Tierhaften unserer Körper ab. Und das wird spannend. (Lustspielhaus, 13.12.)

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Auf der Suche nach der eher klassischen Liebe ist dagegen Franziska Wanninger im neuen „Furchtlos glücklich“- Programm. Darin erzählt sie von einer jungen Frau, die sich binden möchte. Und das ausgerechnet mit ihrem neuen Zahnarzt. Der gilt zwar als kompetenter Bohrer. Aber reicht das? Immerhin sieht er nicht gerade nach dem Typ Mann aus, der erst einmal zur Anbahnung „Ich liebe dich“ in ein Maisfeld mäht. Aber kann man alles haben? Und muss man sich wirklich vor allem fürchten? I wo. (Schlachthof, 6.12.)

An dem altbewährten Mann-Frau-Dualismus, arbeitet sich zunächst einmal auch Anny Hartmann ab. So hat sie sich ein feines Bonmot zum Motto gemacht: Frauen sind erstaunt, was Männer alles vergessen, sagt sie. Männer sind erstaunt, woran sich Frauen erinnern. Genau darum geht’s aber auch, heißt das Stück doch „Schwamm drüber – Der besondere Jahresrückblick 2019“. Darin nimmt Hartmann die Fifa Mafia WM in Russland und never ending Groko-Debatten aufs Korn. Je länger man ihr zuhört, desto stärker staunt man: Das alles haben wir im ablaufenden Jahr doch tatsächlich hinter uns gebracht. Es fehlen einem die Worte. Anny Hartmann nicht. (Lach- und Schießgesellschaft, 8.12.)

Nicht mehr „Prenzelschwäbin“ möchte seit diesem Jahr Bärbel Stolz sein. Jetzt startet sie mit neuem Selbstbewusstsein und einem „Tollen Arsch“ durch. So hat sie das Solo getauft, in dem nicht nur von wohlgeformten Hinterteilen, sondern vor allem von der Zerrissenheit der zeitgemäßen weiblichen Großstadtexistenz die Rede ist. Immerhin muss frau doch angeblich so vieles sein: Mutter, emanzipierte Haus- und doch auch Karrierefrau, Geliebte, beste Freundin, Sex-Therapeutin und Superheldin. Ständig muss sie die PatchworkFamiliendecke neu zusammenflicken und sich mit Modetrends wie dieser verfickten Polyamorie auseinandersetzen. Hossa! (Schlachthof, 14.12.)

Immer wieder neu entdeckt werden möchte der fesche Ösi Christoph Fritz, der sich selbst deswegen nur folgerichtig als „Das jüngste Gesicht“ ankündigen lässt. Im noch immer aktuellen, herrlich lakonischen Jugendrückblick, nimmt er sein Publikum mit in eine Hinterwaldwelt, in der Veganismus noch als Einstiegsdroge in die Homosexualität gilt. Doch auch Fritz ist irgendwann älter geworden, wenn auch nicht glücklicher. Und sein jugendliches Äußeres hinkt ihm weiterhin hoffnungslos hinterher. (Vereinsheim, 6.12.)

Früher oder später führt dann aber doch kein Weg vorbei am Unausweichlichen – den saisonal festlich eingefärbten Satireshows. Sie sollen der Entspannung und dem vorauseilenden Frust-Abbau dienen. Doch aggressiv können sie natürlich auch machen. Besonders schonungslos springt Patrizia Moresco mit den Glühweinseligen um. „Schlimmer die Glocken nie klingen“ heißt ihr Programm nicht ohne Grund. Natürlich ist darin der Braten verbrannt, die Würde verloren und die Laune im Keller. Dazu tobt sie sich in einem wüsten Musikprogramm aus, in dem „Last Christmas“ dann schon mal nahtlos in „Highway to Hell“ übergehen kann. Friede mit Euch! (Lach- und Schießgesellschaft, 15./16.12.)

Immer derselbe Stress: Was schenken wir uns? Ab wann können wir was wieder umtauschen? Auch Sylvia Brécko legt ihren Finger in den Plätzchenteig und warnt vor schlimmen Geschmacksirrungen unter dem Christbaum. Ihre Spezialität dabei: eine messerscharfe Analyse der kommunikativen Störungen zwischen den Geschlechtern in der heißesten Phase des Winters. „Liebling, das schenken wir uns!“ öffnet Herzen, Augen und Ohren. (Schlachthof, 7.12.)

Auch für Veronika von Quast ist Weihnachten nicht nur einfach eins, sondern gleichzeitig besinnlich und derb, süß und herb. „Früher war mehr Lametta“ lautet die Klage, die sie immer wieder gerne anstimmt. Zum Trost hat sie schön skurrile Texte von Erich Kästner und Loriot rausgesucht und singt kracherte Mundartlieder. (Fraunhofer, 6.12.)

Des Kraftbaierischen natürlich mächtig ist auch Sepp Schauer. Er spricht für die Weihnachtszeit eine „Sturmwarnung“ aus. Dabei macht Schauer sich staade Gedanken über die grassierende Scheinheiligkeit und geht auf die Suche nach der perfekten Bratwurst. (Drehleier, 14.12.)

Und dann darf natürlich auch die Warnung vor akuter „Christbaumvergiftung“ nicht fehlen. Mit diesem wohl gemeinten, hinterfotzig präsentierten Rat, stellen sich Beier & Zauner mal wieder dem Weihnachtskrampf entgegen. (Fraunhofer, 14.12.)

Ach ja: Und das eigene Beschenken sollte trotz allen Spotts natürlich nicht zu kurz kommen. Eine schöne Bescherung kann man sich und den eigenen Lieben mit der neuen Reihe der heiter-finsteren Sonntagsveranstaltungen im schönen Wirtshaus am Nockherberg machen. Die Reihe, zusammengestellt von den umtriebigen Alpinconcerts-Machern, geht in den Vorverkauf. Und so kann man sich jetzt schon auf Neujahrsknaller wie Christine Eixenberger (12.1.), Knedl & Kraut (2.2.), Cobario (1.3.) oder Alexander Schelle (5.4.) freuen. Augen auf am Sonntag!

Autor: Rupert Sommer

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