Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights im Mai

Matthias Matuschik, Stefan Kröll, Anna Mateur

Mit diesen kreativen Unruhestiftern lässt sich die schon wieder extra dicke Fettschicht an Selbstverliebtheit abarbeiten: Das sind Ausgeh- und Aufklärungstipp, die es zu beherzigen gilt

Von Neukölln aus in die große weite Welt. Und vornehmlich natürlich auf die großen, vom kleinen Mann liebevoll zugerümpelten Bühnen: Kurt Krömer hat eine Mission. Er liebt das gute Leben. Und er liebt es, so vielen Menschen wie möglich auf den Zeiger zu gehen. 

Dafür ist er immerhin gut gerüstet – mit der gefürchteten Berliner Schnauze etwa und mit ganz viel Unerschrockenheit. Jetzt drohen also neue „Stresssituationen“, auch fürs Münchner Publikum, auf das Krömer natürlich keinerlei Rücksicht zu nehmen gedenkt. So hat er sein mittlerweile sechstes Programm nicht ohne Grund stressig genannt. Er ist ein gnadenloser Einpeitscher. Ein Punk im Sparkassenangestelltenanzug. Schlechter Geschmack hat eben auch Stil. So sehen selbstbewusste Unruhestifter aus. (Circus Krone, 3.5.)

Deutlich geschmeidiger geht dagegen Matthias Matuschik zur Sache. Kein Wunder, als Radioprofi ist er natürlich aufs Smooth Talking geeicht. Wenn er neben den Radiowellen surft, darf es bei „Matuschke“ allerdings gerne auch mal direkter, greller werden. „Gerne wider“ lautet nämlich sein Motto. Und so heißt nun auch das dritte Solo-Programm. Was er diesmal vorhat: Matuschik möchte „allen möglichen Nichtigkeiten kabarettistische Züge“ verleihen. Und dafür ist er selbstverständlich dazu bereit, auch unangenehme Themen anzupacken. Gern wiederkommen. (Fraunhofer, 4.5.)

Richtig was zu sagen hat zum Glück Andreas Vitásek aus Wien, der immerhin ja auch schon auf sein 13. Programm verweisen kann. Er ist ein Großer, ein Geschickter, einer, der seinen Grant gut und genüsslich kanalisieren kann. „Austrophobia“ nennt er seine kabarettistische Generalabrechnung mit dem derzeit so überstrapazierten Heimatbegriff. Es geht um das Fremdsein (natürlich auch im eigenen Land), um die Ängste (begründet wie unbegründet), das schmerzhafte Junggewesensein und das noch schmerzhaftere Älterwerden. Und natürlich auch um die untote Vergangenheit. In Österreich und überall. (Lustspielhaus, 14.5.)

Mit bayerischen Mythen, Geschichtsklitterungen und Fälschungen beschäftigt sich Stefan Kröll recht souverän. Mit seinem „Gruam“-Solo hat er es vorgemacht, wie er vielbelesen und geschichtskundig historische Irrungen und Wirrungen, aber auch Volkssagen und anders Tradiertes analysiert, um erhellende Querbezüge zur Gegenwart herzustellen. Nun hat ihn der „Goldrausch 2.0“ in seinen Bann gezogen. Kröll versteht darunter den höchst fragwürdigen Zwang zur Selbstoptimierung – für mehr Glanz, Erfolg und Aufmerksamkeit. (Schlachthof, 8.5.)

Kurt Krömer am 3. Mai im Circus Krone

Nicht lamentieren, machen! So ticken die rührigen Initiatoren des deutschlandweit beachteten Willkommens- und Miteinanderprojekts in der Müllerstraße. Von Beginn an hatte das Bellevue di Monaco starke Unterstützer. Doch es gibt immer Neues zu tun. Aktuell gilt es, die Finanzierung des Dachsportplatzes auf der Hausnummer 6 zu stemmen. Und dabei helfen diesmal die Spider Murphy Gang, Wortmagier Willy Astor, Piet Klocke und unter anderem Amy Warning, die alle beim großen Benefizabend unter dem Titel Lass es fliegen auftreten. (Kammerspiele, 8.5.)

Thomas Reis zum Beispiel ist jeder Flüchtling willkommen, gerne auch mit der ganzen Familie. Mit seinen staatsbürgerlichen Mitmenschen hat er dagegen weitaus größere Alltagsprobleme. Seine Devise lautet daher: „Wo Wahn zu Sinn wird, wird Witz zur Pflicht“. Im neuen Schock-Programm, das vor den vielen bösen Jahrestagen warnt – 14 Milliarden Jahre Urknall, 5 Milliarden Jahre Klimawandel, 5 Jahre AfD – spielt er das gekonnt durch. „Das Deutsche reicht!“, sagt Thomas Reis wütend. Und vermutlich hat er damit Recht. (Lach- und Schießgellschaft, 6.5.)

Aus einem ganz anderen Holz ist da schon Michael Buchinger geschnitzt. Der selbsternannte „Lügner aus Leidenschaft“ hat kein Problem damit, ein ganz schlechtes Vorbild abzugeben. „Lange Beine, kurze Lügen“ nennt er sein erstes Soloprogramm, in der er sich mit Menschen anlegt, die nach all den Jahren noch immer nicht die „Rechts stehen, links gehen“-Regel kapiert haben und sich auch noch erdreisten, den jungen Mann zum „spaßigen Spieleabend“ einzuladen. Buchingers Probleme müsste man haben. (Lustspielhaus, 3./4.5.)

Ebenfalls vom Alter her kommende Verständnishürden überwinden, muss man vermutlich beim Gastspiel von Bernard Paschke. Der Junge mit der Kinderschokoladenvisage hält sich für den „unangefochten jüngsten Kabarettisten Deutschlands“. Seit 2018 ist er immerhin Ensemble-Mitglied der Leipziger Pfeffermühle. Nun kommt er in die Stadt – zum „Tag des jüngsten Gesichts“. Na prima. (Schlachthof, 3.5.)

Und dann wäre da noch Anna Maria Scholz, 1977 in Dresden geboren, die sich auf der Bühne Anna Mateur nennt. Perfektes Tarnung eben! Sie lässt sich in ihrem neuen „Mimikri“-Programm ganz unverblümt über „die ideologische und ästhetische Erziehung des Menschen durch Unterhaltungsmusik“ aus. Und zwar dezidiert „am Beispiel von Liedern aus dem Spamordner“. Ihre Warnung sollte man ernst nehmen: Der Abend kann Spuren von Jazz enthalten. Kenner wissen: Ihr kongeniales Zusammenwirken mit Andreas Gundlach, Zauberwürfelbezwinger, Pianist, Jongleur und Komponist, haut wirklich um! (Lustspielhaus, 5.5.

Autor: Rupert Sommer

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