Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights zum Monatswechsel

Helge Schneider, Patrick Esume, Helmut Schleich und Teresa Rizos

Allerorten tun sich Abgründe auf – auf dem American- Football-Feld, beim Metzgermeister-Zahnarzt, im fiesen Ehekrieg und bei der Hunderziehung. Wie gut, dass es dann doch noch ein Wurst-Leckerli gibt

Schon klar, für die meisten ist das, was unter dem rätselhaft missverständlichen Namen American „Football“ auf dem mit vielen unverständlichen Linien verunstalteten Rasen stattfindet, über den knackige Männlein mit Helmen und Beißschutzgitter flitzen, ohnehin Comedy. Was wirklich abgeht, versteht hierzulande kein Mensch.

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Doch, Moment: Patrick Esume, 1974 in Hamburg geboren, selbst erfolgreicher Spieler und Europameister-Trainer, weiß, wovon er redet. Der sympathische Hüne, der sich Coach Esume nennt, ist die anerkannte Größe, wenn es um Football-Fachwissen geht. Kein Wunder, dass er bei Sendern wie ProSieben Maxx ein gefragter Moderator ist. Was den Coach unwiderstehlich macht, ist allerdings sein staubtrockener Humor und die Gabe, das, was andere sehr ernst nehmen, auf die leichte Schulter zu hieven. Mit „Believe the Hype! American Football – mehr als nur sein Spiel“ zeigt er nun auch in München, was er Gagmäßig draufhat. (Alte Kongresshalle, 5.3.)

Größer konnte der Kontrast nicht sein zu all dem Irrsinn, für den Helge Schneider steht. Und doch kann auch der alte Zausel streng werden: „Ordnung muss sein!“ heißt sein neues Programm. Darin stellt er dem geneigten Publikum die Katze „Orang-Utan Klaus“ vor sowie Menschen wie du und ich – großartige Verlierer und gelegentlich auch mal Gewinner. Mitten im Durcheinander bieten ihm Peter Thoms am Schlagzeug und Rudi Olbricht am Kontrabass die Wurst. (Gasteig Philharmonie, 4.3.)

„Selten schön“ wird’s im neuen Programm von Teresa Rizos. Leichtfüßig und charmant nimmt sie ihre Besucher mit in eine weißblaue Welt, in der scheinbar noch alles in Ordnung ist. Wirklich, wie schön! Sie lässt dabei ihr Bühnen-Alter-Ego Franzi Riedinger in skurrilen Jugenderinnerungen schwelgen, erzählt von deren einäugiger Mutter, der Jodellegende Resi Riedinger, und vom Aufwachsen im Landkreis Soacherding. Nun tingelt sie als Dozentin für Bayerisches Kulturgut über die Lande und tritt allerorten auf – vorwiegend in Hospizen. Denn: Jodeln soll doch tatsächlich eine angstlösende Wirkung haben. (Lach- und Schießgesellschaft, 4.3.)

Wenn ein Kollege aus Österreich stammt und dort dann auch noch den Österreichischen Kabarettpreis gewonnen hat, dann kann man ihm blind vertrauen. Florian Scheuba zum Beispiel. Obwohl: Selbst gerät der gute Mann, der nicht von dem berichten will, was war, sondern von dem, was ist, derzeit öfter ins Zweifeln. Gibt es zu den gefürchteten „alternativen Fakten“ überhaupt noch eine Alternative, fragt er sich. Und kann man heute überhaupt noch mit Sicherheit sagen, dass etwas ist? Gibt es zwischen Meinung und Lüge Unterschiede? (Lustspielhaus, ab 23.2.)

Martin Rütter ist sich dagegen sicher: Auf den Hund kann man noch setzten. Auch wenn man ihn gelegentlich auch mal streng erziehen muss. Sein aktuelles Hallenprogramm „Freispruch“ hält ein bellendes Plädoyer für die Beziehung von Herrchen und Hasso. Wuff, der Anwalt der Zamperl hat gesprochen. (Olympiahalle, 23.2.)

Ziemlich desillusioniert kommt dagegen Stephan Bauer daher, wie er mit seinem Solo „Vor der Ehe wollt‘ ich ewig leben“ verkündet. Immerhin berichtet er da von einem einst glücklichen Menschen, der mit 25 Jahren einen folgenschweren Entschluss traf. Er heiratet die Frau, die dazu in der Lage war, ihm den Verstand wegzubumsen. Mit 50 war es dann tatsächlich so weit. Oh weh! (Schlachthof, 23.2.)

Ein Leben ohne E-Gitarre ist möglich, aber sinnlos, wandelt Bewie Bauer ein altes Loriot-Bonmot ab. Seine Rockklampfe begleitet ihn durch alle Lebenslagen – zum Zahnarzt mit Metzgermeisterzertifikat und in den Streichelzoo, wo man Hasenkostüme trägt. Im neuen Programm „Host mi, Hipster“ verrät der Wahl-Münchner mit oberbayerischem Migrationshintergrund, was ihm Halt gibt. (Schlachthof, 21.2.)

Radikal grantig gibt sich gern Schwabings Wuchtigster, Helmut Schleich . So natürlich auch im noch immer brandaktuellen Stück „Kauf, du Sau!“. Überall sieht der gute Mann Perspektiven, die keine sind – in Europa, bei der Digitalisierung und bei der künstlichen Intelligenz. Es ist zum Fluchen! (Deutsches Theater, 6.3.)

Mit sich selber hadert Christoph Fritz. Und das, obwohl ihn viele um sein Problem beneiden würden. Es ist „Das jüngste Gesicht“, das dem hinterfotzig witzigen Österreicher immer wieder angedichtet wird. Sein Aussehen hinkt eben dem aktuellen Alter hinterher. Und auch wenn man es ihm nicht so sehr ansieht: Schlimmes hat Fritz schon erlebt. Stammt er doch aus einer Hinterwälder-Gegend, in der man Veganismus immer noch für eine Einstiegsdroge zur Homosexualität hält. (Vereinsheim, 26.2.)

Schön deftig geht’s im neuen Programm „Tschuldigung, war Absicht!“- Programm vom Frauen- Team Die Puderdose zur Sache. Hier erfährt man – ob man’s will oder nicht – alle prickelnden Details über sinfonische Superorgasmen. Vogelwild. Ein zwangloses Programm, das mit viel Bier noch besser schmeckt. (Schlachthof, 1.3.)

Autor: Rupert Sommer

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