Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights im Februar

Gerhard Polt, Jan Philipp Zymny und Hosea Ratschiller

Humor ist Kunst und sie braucht ein anständiges Zuhause. Auf diesen Bühnen wird man fündig

Eine Stadt reich an Veranstaltungsorten und Museen. Eine Heimat für eine der lebendigsten Kabarett- und Kleinkunstszenen der Republik. Und doch: Noch immer eine Stadt ohne ein Forum für Humor. Der komischen Kunst ein Zuhause bieten, möchte schon seit längerem eine Gruppierung, die sich rund um Fürsprecher Gerhard Polt versammelt hat. So langsam sieht es auch tatsächlich gut aus, dass diese Vierte Pinakothek tatsächlich entstehen könnte - auf dem Gelände des ehemaligen Viehofs nämlich. Doch bis zur Eröffnung ist es noch ein langer Weg. Und Geld wird benötigt. Mit drei Benefizveranstaltungen soll es nun einen wichtigen Schritt nach vorn gehen. Und natürlich macht sich dafür auch Polt selbst – in der leider schon ausverkauften – Matinee „So lacht der Russ!“ stark (Lustspielhaus, 23.2.).

Karten gibt es allerdings noch für das humorige bayerische Märchen vom „Bayerischen Tapferen Schneiderlein“, für das sich Stefan Murr und Heinz-Josef Braun ins Zeug legen. Gedacht ist das Stück für „Kindsköpfe bis 99“ (Lustspielhaus, 15.2.)

Dritte Benefiz-Veranstaltung für das geplante Forum für Humor ist der Auftritt von Raffaello Converso mit seinem Programm „Ironia e canto die Napoli“. Wie sagt Meister Polt so schön zum Geleit: „Der Humor ist eine eigenständige Kategorie. Er geht wie ein Akkord durch die Gesellschaft, im Wohlstand wie im Elend, im Banalen wie im Intellektuellen. Er ist weit wie ein Ozean und dem Menschlichen vielleicht die wichtigste Quelle für Gemeinschaftssinn und Trost, aber auch ein Faktor, an dem sich die Geister scheiden“, so der Antreiber hinter dem Humor-Museum-Plan. „Dem Humor muss man eine Heimstatt geben, in der die riesige Palette der komischen Künste und ihre Interpreten besucht werden können, wo sich junge Menschen in Werkräumen auf die Suche nach diesem Spektrum aus der Froschperspektive machen können, wo humorresistente Ältere vielleicht noch umgestimmt werden und lernen, dass Fundamentalisten, Demokrattler und Populisten ohne Humor arme Schweine sind, weil sie es nie für möglich halten, dass selbst unser Himmelvater lacht.“ Wahre Worte. (Lustspielhaus, 8.3.)

Mit dem zutiefst menschlichen Ansatz kann sich sicher Jan Philipp Zymny gut anfreunden. Immerhin hat er sein neues Solo unter die Frage „How to human?“ gestellt. Basierend auf messerscharfen Beobachtungen will er herausfinden, was es heutzutage heißt, ein Mensch zu sein. Außerdem will er wissen, ob das möglicherweise nicht auch anders geht – als Roboter zum Beispiel. Schön surreal. (Lustspielhaus, 15.2.)

Von Frauen an der Karrierefront und Männern ohne Wahlrecht wissen Katharina Greve und Miriam Wurster zu berichten. Und natürlich auch von plötzlichen Papst-Rücktritten sowie von Umrührstäbchen. Ihr Programm zielt eben aufs große Ganze. Und dabei gilt es auch, Fake News zu entlarven. Immerhin leben wir – leider – im postfaktischen Zeitalter, in dem es schlicht die Wahrheit ist, dass wir meist gar nicht mehr wissen, was die Wahrheit ist. Zum Glück sind Greve und Wurster Spezialistinnen für Lüge und Wirklichkeit, schon allein des- wegen, weil sie toll zeichnen können. Ihre Cartoon-Lesung „Nichts als die Wahrheit“ präsentiert clevere Zeichnungen und eben auch unbequeme Wahrheiten. (Vereinsheim, 13.2.)

Die Spezialität von Hosea Ratschiller ist angeblich das „Eintheatern“. Er ist Wiener, spricht Österreichisch. Also muss man übersetzen: Gemeint ist, dass sich der gute Mann schnell mal in Sachen hineinsteigert. Und aufregen kann man sich ja über vieles. Etwa darüber, dass quasi unlängst erst der Sex entdeckt – und dann ganz schnell wieder abgeschafft – wurde. So geht das nicht weiter, meint Ratschiller. Die Großen wissen das – und reden sich raus. Am besten geht das mit Witzen. Da muss er natürlich auch mitmachen. Ratschiller verspricht seinem Publikum nichts weniger als ein Programm, das prophetisch „Der neue Mensch“ heißt. Und er selbst stellt sich damit in die großen Ein-Mann-Kabarettgeschichten von Qualtingers „Herr Karl“ bis Haders „Im Keller“ oder „Privat“. Keine schlechte Gesellschaft. (Lach- und Schießgesellschaft, 18./19.2.)

David Kebekus hat das Glück schon gefunden. Und er hat sich mit dem eigenen Versagen abgefunden. Vielleicht lief’s deshalb zuletzt so gut für ihn. Im neuen Solo „Aha? Egal“ beschreibt er, wie sich sein Leben nach der Studentenzeit verändert hat. Und das muss man einfach zitieren: „Früher habe ich mich darüber geärgert“, erzählt Kebekus, „dass mein Vater als Rentner oft vor der Glotze hängt und mit dem Laptop auf dem Schoß auch noch im Netz rum surft.“ Immer wieder wollte er ihm zurufen: „Mach doch was Sinnvolles aus deinem Ruhestand.“ Heute weiß er: Fernsehen plus Inter- net – „He is living the fucking dream“. Wie schön, wie generationenversöhnend! (Vereinsheim, 11.2.)

Immer schon mit sich im Reinen waren bekanntlich ja auch die Herren Ulan & Bator, die schönsten Strickmützenträger der Republik. Im neuen Programm „Zukunst“ berichten sie von frischen Forschungsreisen nach Absurdistan. So lernt man etwa Pina-Bausch-tanzende Fabrikarbeiter kennen. Ein mutierter Käse verlangt sein Bleiberecht. Und im Großraumbüro fährt die Achterbahn. Das ist Dada! (Lach- und Schießgesellschaft, 12. bis 15.2.)

Zum Abschluss sollte man noch ganz viel Farbe in den tristen Februar lassen. Ein Besuch im neuen „So wie jetzt!“-Solo von Verwandlungskünstler Chris Kolonko wirkt wie Balsam. Pure Lebensfreude! (Hofspielhaus, ab 13.2.)

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