Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights im Februar

Braucht wenig, das aber mit Tasten: Axel Pätz

Was hält die Welt denn nun wirklich im Inneren zusammen? Es wird doch nicht etwa wirklich dieser elende, vielbeschworene Selbstausbeutungstrieb sein. So wappnet man sich gegen Gefühlskälte...

Es waren nur sechs mehr oder weniger glückliche Monate, in der der alte Traum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erstmalig auf Münchner Boden verwirklicht wurde. Schnell wurde die von Kurt Eisner geprägte Räterepublik als „Wintermärchen“, „Literatenputsch“, „Schwabinger Revolution“ oder als „Strizzirepublik“ verspottet. Dann schlugen die Freikorps brutal zurück.

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Es war ein kleiner Rausch vom großen Glück, den viele aufrechte Bayern mit ihrem Leben bezahlten. 100 Jahre später blickt der Schauspieler, Theaterintendant und Kabarettist Michael Lerchenberg noch einmal zurück auf die „Revolution in Baiern“ Er lässt dabei Opfer und Beobachter, Täter und Adabeis zu Wort kommen, darunter Ernst Toller, Thomas Mann, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer, Eisner, Erich Wollenberg und den Stabsadjudanten der Bairischen Roten Armee. Bei allem gebotenen Ernst kommt hierbei auch noch Unernst dazu. Sowie freche Lieder für und wider die Revolte – mit der Revolutionskapelle. (Altes Rathaus, 20.2.)

Immerhin ging’s damals um etwas. Heute sind die Dinge weitaus verworrener, meint zumindest der alte Tasten- Grantler Axel Pätz, der noch immer an der Suche nach einer Weltformel, der sogenannten „RealiPätztheorie“, laboriert. Sein finsterer Befund: Das Leben heutzutage ist ein Mühsal, weil wir so viele Dinge anschaffen müssen, die den Alltag erleichtern. Und unter Phantasie können sich doch die meisten Menschen gar nichts mehr vorstellen. Pätz steuert gegen. (Lach- und Schießgesellschaft, 18.2.)

Ein eher stiller Typ ist eigentlich auch Till Reiners. „Bescheidenheit“ ist sein Anliegen. Und deswegen hat er auch sein neues Programm so genannt. Er zieht darin die Charakterbremse, wenn er verkündet: „Bescheidenheit ist Großkotzigkeit für die, die es geschafft haben“, so Reiners. „Sie haben nicht mal mehr nötig anzugeben.“ Charmant gibt er darin die bösesten Dinge bekannt. Etwa das hochkontroverse Bekenntnis: „Kapitalismus? Kommt drauf an!“. Eben. (Vereinsheim, 20./21.2.)

Nicht ganz so wohl in ihrer Haut fühlt sich dagegen Corinna Binzer im neuen Solo „Aus. Therapiert“. Sie stimmt das alte Klagelied an: Frau will gefallen. Den Männern. Den Eltern. Der Verwandtschaft. Den Freundinnen. Der ganzen Welt. Und schließlich sich selbst. Das ist bekanntlich keine leichte Aufgabe. Ihr Therapeut war bei ihr mit seinem Latein am Ende. Höchste Zeit, auf die Bühne zu ziehen. (Drehleier, ab 21.2.)

Ganz bei sich sind die vier verrückten Frankenvögel vom Gankino Circus. Sie widersetzen sich wacker störrisch dem Diktat der biederen Popsternchen und seichten Comedians. Sie sind nämlich – behaupten sie zumindest selbst – „Die Letzten ihrer Art“. Schräger Humor, rasante Musik und charmanter Unfug sind die Waffen, mit denen sie zurückschlagen. So schön verrückt ist sie eben, die Anarchie. (Lustspielhaus, 21.2.)

Wer sich rein optisch vom Krawall der zotteligen Käuze erholen möchte, der kann seine Sinne ja wieder beim Besuch der The Petits Fours schärfen. Die hochsinnlichen Burlesque- Künstlerinnen begeistern mit lasziv dargebotener, sittsamer Bühnenerotik und mit dem feinen Spiel der Verführung. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 17.2.)

Ein Hauch von großer weiter Welt weht durch den Saal, wenn uns Joko & Paul von ihrem aufregenden Leben da draußen erzählen. Der eine rühmt sich, Deutschlands schillerndster Fotograf zu sein, der seinen Finger nie vom Abzug lässt. Allerdings: Wichtiger als Pauls Talent, die wirklich Wichtigen vor die Linse zu bekommen, ist sein Gabe, der Welt Spaß zu bereiten. Diese Mission hat ihn mit Joko Winterscheidt, der quasselnden Moderiermaschine von ProSieben, zusammen - gebracht. Ulkigerweise freundeten sich die beiden an. Und mit ihrem vierzehntäglichen Podcast „Alle Wege führen nach Ruhm“ erlauben sie schräg-absurde Einblicke in ein Leben, das sich zum Glück immer wieder Zeit nimmt für ein Telefonat vom deutschen Küchentisch aus in die kalifornische Garage. Überraschend gut! (Deutsches Theater, 17.2.)

Bleibt zum Abschluss noch ein schöner Tusch für das efa-Improtheater, hinter dessen Kürzel sich der hehre Anspruch „Ecstasy für Arme“ verbirgt. 20 Jahre besteht sie nun schon die genial einfallsreiche Truppe. Und das muss gefeiert werden. (Fraunhofer, 21. bis 23.2.)

Autor: Rupert Sommer

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