Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights zum Jahreswechsel

Moses Wolff am 31. Dezember im Fraunhofer

Humor hilft immer. Auch über die vielen Feiertage hinweg

Eigentlich ist die Festtagshochsaion mit ihren angetrunkenen Familienvätern, dem Geschenkeirrsinn, dem Glühwein- und Musikterror sowie den schauerlichen Themenpullovern ohnehin schon Kabarett genug. Und eigentlich bräuchte es keine Schlauberger, die allen Leidenden noch einmal die Nase darin reiben. 

Die Herren BlankWeinek braucht es aber definitiv doch. Zum einen wäre da natürlich der fesche, beliebte „Dahoam is dahoam“-Darsteller Harry Blank, der zu den festen Stützen des BRProgramms gehört. Zum anderen kann auch der Steierer Andreas Weinek hintersinnig granteln. Beide erzählen sie im Saisonprogramm „Oh, Du gruselige Weihnachtszeit“ von boshaften Weihnachtsmännern, die auf genervte Eltern treffen. Und von betrunkenen Nikoläusen, die sich mit noch nervigeren Vätern anlegen. Weinek hat dafür eine Textschlacht vorbereitet, die es mit jeder erbitterten Schneeballschlacht aufnehmen kann. Und gemeinsam vertreiben sie nicht nur mit Gesang die staade Zeit. BlankWeinek haben auch neue Schmankerln aus dem aktuellen „A neue Zeit“-Album dabei, die jetzt noch politischer zubeißen. (Heppel & Ettlich, 21.12.)

Was die Bissigkeit angeht, können es die beiden fast mit Sigi Zimmerschied aufnehmen, der weiterhin mit seinem Erfolgsprogramm „Heil – Vom Koma zum Amok“ zu sehen ist. Der urwüchsige Passauer schlüpft darin in die gar nicht so schlecht sitzende Verkleidung eines still beginnenden, dann immer aufbrausenderen Psychopathen, der einem ganz persönlichen Jahresendfest entgegensieht: seiner Pensionierung. Höchste Zeit, wie dieser Tage üblich, eine persönliche Lebensbilanz ziehen. Und die fällt natürlich katastrophal aus. (Fraunhofer, 27.12. bis 31.12.)

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Lag’s am vielen Weihnachtswein? Jedenfalls verspürt Felix Oliver Schepp akutes „Hirnklopfen“. In seinem zweiten Soloprogramm überhaupt nimmt er sich zwei Privilegien vor, die in dieser Ausprägung wohl doch nur dem Homo Sapiens gegeben sind – der Verstand und das Gefühl. Allerdings geraten beide natürlich stets in den Dauerstrudel des Digitalen. Und da fragt sich Schepp besorgt, ob das Hirn nicht längst überhitzen muss. Immerhin gilt es täglich, rund 20.000 Entscheidungen zu treffen und dabei ständig zu tippen und zu liken. „Aber ist dieses pausenlose Geklicke und Gemöge nicht eigentlich eine Ersatzhandlung für echte Herzensangelegenheiten?“, sagt der gute Mann. Felix Oliver Schepp lindert die Angespanntheit mit schrägen Chansons, oder mit „Scheppsons“, wie er sie nennt. (Lach- und Schießgesellschaft, 5.1.)

Höchstens über Harmlosigkeiten kann man dagegen in den kinderfreundlichen Solos von Willy Astor stolpern. Aktuell ist er mal wieder mit seiner Familie Bröselböck auf Abenteuerunternehmungen unterwegs. Zuletzt waren sie auf dem „Kindischen Ozean“. Nun geht’s in den Tierpark. Aber siehe da: „Der Zoo ist kein logischer Garten.“ Ach so. (Lustspielhaus, 21.12. und 2.1.)

Deutlich erwachsener ist der Humor von Martin Puntigam und seinen Wiener Wissenschaftsspezis. Sie lassen im neuen Programm „Jesus war ein Fliegenpilz“ Grippewellen anrollen und drohen mit akutem Zuckerschock. Und selbstverständlich wird bei den Science Busters natürlich auch Alkohol missbraucht. Und dann tauchen die Fragen auf wie: „War Rudolf, the Red-Nosed Reindeer, ein Alkolenker?“. Oder aber: „Wie geil macht Weihrauch?“ Und dann müssen sich Josef und Maria auf dem Weg nach Ägypten mit der Sorge konfrontieren lassen: „Schläft er schon durch?“. (Lustspielhaus, 22.12.)

Ein Hochamt für „aufgekratzte Geister im musikalischen Irrenhaus“ möchte Ringsgwandl über die Feiertage zelebrieren. Sein Auftritt im Volkstheater bedient dabei Musikfans genauso wie Kabarettfreunde. Es wird auf jeden Fall ein heftiger Radau. Und garantiert keine Oldie-Andacht. (Volkstheater, 27.12.)

Immer für Radau zu haben ist natürlich auch Der Tod, der personifizierte, wohlgemerkt. Im neuen Programm „Zeitlos“ widmet sich der beliebteste Sensenmann Deutschlands, Erfinder der „Death Comedy“, der absoluten Mangel - ware der Menschheit – der Zeit. Jetzt gilt es herauszufinden, was die Menschen nur immer haben, mit ihrem Wunsch nach Ewigkeit. (Schlachthof, 4.1.)

Auf die Suche nach dem „verlorenen Witz“ macht sich der Kollege Timo Wopp. Er hat – das neue Jahr hat da erst wenige Tage gesehen – schon wieder die Lust verloren. Er hat jetzt einfach keinen Bock mehr, heftiger zu sein als die Realität. Stattdessen möchte er sich jetzt wieder den schönen Dingen widmen: auf den Gefühlen unschuldiger Mitmenschen herumzutrampeln. (Lustspielhaus, 8.1.)

Mit gekonnten Grobheiten kennt sich auch der Mann, der sich Flowsi nennt, ziemlich gut aus. Er nimmt die Hektiker aufs Korn, die in der Früh schon wieder 150 ungelesene Mails im Postfach haben, zwischen Homeoffice und Yoga noch kurz mit dem Mops durch den Stadtpark dackeln müssen und die unterwegs Latteto-go schlürfen. Kennt man. Worte treffen nicht immer den richtigen Ton. Wie gut, dass Flowsi also seine Gitarre dabei hat. (Vereinsheim, 9.1.)

Direktheit ist übrigens auch die Sache von Moses Wolff nicht. Er liebt die ständig wechselnden Verkleidungen – intellektuell wie textil. In seinem Silvesterprogramm schmeißt er dem rasant ablaufenden Jahr noch einmal eine Auswahl seiner besten schrägen Nummern hinterher. Und so sieht man ihn als betrunkene Tante Ingrid und als morgenländischer Weiser Moses Shanti. Wie immer gilt: Bitte kommen Sie nackt! (Fraunhofer, 31.12.)

Und dann wären zum Abschluss noch die guten Vorsätze. Einer sollte jedenfalls lauten: wieder mehr ins Kabarett gehen. Wie gut, dass die ortsansässige Musik- und Kabarettagentur Südpolmusic dafür einen neuen Spielort aufgetan hat, der durch das alljährliche Politikerderblecken schon bestens vorgewärmt ist. Sonntags am Nockherberg heißt die Reihe, die dafür durch den stimmungsvollen Bavaria Saal tobt. Los geht’s dort schon bald mit Christine Eixenberger (Nockherberg, 12.1.). Später kommen unter anderem Martina Schwarzmann (26.1.), Knedl & Kraut (2.2.), Cobario (1.3.) und Alexander Schelle (5.4.).

Autor: Rupert Sommer

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