Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights im August

Nepo Fitz, Robert Griess, Werner Koczwara

Für diese Humorbemühungen benötigt man gute Nerven, ein recht unerschrockenes Gemüt und reichlich Stress-Resistenz. Aber der Aufwand lohnt sich natürlich mal wieder sehr.

Mit Ärger über den EU-Bürokratenwahnsinn hat man dieser Tage Gesellschaft. Keine Frage. Bleibt nur zu überlegen, ob es wirklich die ganz feine (Brexit-Boris! Seeteufel Salvini!) ist. Werner Koczwara ist der Erbsenzähler unter den deutschen Erfolgskabarettisten. Und so hat er ganz penibel nachgerechnet. 

Zehn Gebote: 279 Worte. Amerikanische Unabhängigkeitserklärung: 300 Worte. Und die EU-Verordnung über die Einführung von Karamellbonbons. 25.911 Worte! Da kiekste, wa? Was man also jetzt weiß: Die Zehn Gebote und der US-Gründertext sind deutlich kürzer, allerdings enthalten beide kein Sterbenswörtchen über Karamellbonbons. Es sind eben doch alles Abwägungsentscheidungen. Und die überlässt man am besten dem Jura-Experten der witzelnden Zunft. „Am Achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ ist der Dauerbrenner unter den Koczwara-Klassikern. Und bewährt hat sich die Mühe auf jeden Fall. Über 1000 Auftritte vor über 170.000 Fans hat der gute Mann mit der Peter-Zwegat-Mimik schon absolviert. Auf einen mehr kommt’s jetzt also auch nicht mehr an. Und das auch noch am Achten Tag – im August. (Lach- und Schießgesellschaft, 9.8. und 10.8.)

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Ein Bühnen-Vieh ist bekanntlich auch Passaus Grantigster: Sigi Zimmerschied. Musste er sich zuletzt manches Mal (hinter seinem Rücken, man ist ja nicht lebensmüde) den Vorwurf anhören, er variiere in den lang laufenden Erfolgssolos oft mehr oder weniger das bereits vorher Gesagte, ist das neue eine echte Schau: „Heil – vom Koma zum Amok“ hat einen denkbar unheimlichen Protagonisten. Einen ehemaligen Kammerjäger und Kampftrinker, der nun in der Sicherheitsbranche tätig ist. Für den anstehenden halbrunden Geburtstag – und die Pensionierung – steigert er sich noch einmal in eine Rage mit ordentlich Schaum vorm Mund. Die Geistlichkeit kriegt ihr Fett ab, die Würdenträger – und natürlich werden auch kleine Fliegen zerquetscht. Gruselig gut! (Fraunhofer, ab 22.8.)

Apropos sinnvolle Gewalt: Natürlich sollte man dann auch Kritikern Glauben schenken, die Nepo-Fitz-Programme schon mit Quentin-Tarantino-Splatter-Filmen verglichen haben. „Saumensch – Bist du gut oder böse?“ heißt der neueste Streich, der angeblich den Adrenalin-Spiegel (des Vortragskünstlers, aber auch seines Publikums) hochschießen lassen soll. Der Solo-Schachtelteufel aus der berühmten Künstler-, Schauspieler- und MusikerDynastie ist derzeit seelisch, geistig und körperlich durchtrainiert wie nie. Bämm! (Lach- und Schießgesellschaft, 20./21.8.)

Einen gut gefüllten, möglicherweise ebenfalls durchtrainierten Magen sollte man auch für die Absonderlichkeiten des neuen Schwarze Grütze-Programms haben. Das nimmt die Zuschauerschaft nämlich direktemang mit in die „Notaufnahme“ (so der Titel). Dort diagnostiziert das unerschrockene Kabarett-Duo keine Hals- und Beinbrüche. Es geht ihm um das ganz allgemein Ungesunde des menschlichen Miteinanders. Um die mentalen Schonhaltungen und die geistigen Blutergüsse. Die Anwendung kommt dabei ohne Narkose daher. (Lach- und Schießgesellschaft, 22./23.8.)

Bleibt zum Schluss noch ein lauter Weckruf: „Hauptsache, es knallt!“ behauptet Robert Griess im gleichnamigen neuen Bühnenstück. Er zündet Pointen und Gags und schießt Sketche über die Widersprüche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den Nachthimmel. Auf dass es böllert! Er stellt dabei die zündenden Fragen: Warum sind ausgerechnet die Superreichen gegen die Mindestlöhne, lassen sich aber auf Charity-Galas als Menschenfreunde feiern? Weshalb bekommen Top-Manager Boni-Zahlungen, Krankenschwestern aber nicht? Und letztlich: Steht BWL wirklich für „Bescheißen wir Leute“? Fragen über Fragen! (Lach- und Schießgesellschaft, 24.8.)

Autor: Rupert Sommer

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