Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights zum Monatswechsel

Bernd Regenauer, Hannes Ringlstetter, Roman Weltzien

Mit diesen Anti-Aggressionsprogrammen stellt man das seelische Gleichgewicht und gute Laune umgehend wieder her

Jetzt ist’s also wieder soweit. Der umtriebiggeniale Multifunktionskünstler Hannes Ringlstetter, bekanntlich Musiker, Schauspieler, Autor, Moderator, Bühnenwunder und eben auch Kabarettist in einer Person, hat mit „Aufgrund von Gründen“ mal wieder ein neues Soloprogramm ausgebrütet. Und das hat natürlich auch seine Gründe, seine Ursachen – und Wirkungen. 

Dabei schürft Ringlstetter erst mal tief. Es geht um die durchaus ernste Frage, warum alles und vor allem man selbst so ist, wie man ist. Lag’s an der Kindheit, an der Erziehung, der Herkunft, der Bildung? Und hat das Erwachsenwerden so gedreht überhaupt seinen Sinn? Wo sind die viel zitierten „Werte“ hingekommen? Warum dreht die Welt komplett am Rad? Jetzt werden endlich Antworten erwartet und nicht nur garantiert gescheite. Doch alles Grübeln wirft bei Ringl stetter eben auch neue Probleme auf. Ist ein Besuch in der Therme Erding die wahre Apokalypse? Gibt’s auf der berühmten einsamen Insel überhaupt einen Parkplatz? Und bitteschön auch eine Steckdose fürs E-Bike? Es war nie leicht, es wird nicht leicht. Ringlstetter singt sich neuen Mut an. Gut so. (Circus Krone, 2.5.)

Wer sich jetzt schon wieder leer und ausgebrannt, verängstigt und frustriert fühlt, traumatisiert und wütend, sollte sich retten lassen. Doch wie nur? Man begebe sich eben schnurstracks in die verlässlichen Hände von Anna Piechotta. „Leben leicht gelacht“, lautet ihre Devise. Und das ist doch eine Ansage. Stimmgewaltig kämpft sie für die innere Genese – ohne Einsatz von Psychopharmaka. Dafür mit extra viel musikalischer Hypnose. Jedes ihrer Lieder bricht eine Lanze – für Spinner und Verrückte. Und das Ganze knallt dann fast so gut wie Crystal Meth! (Lach- und Schießgesellschaft, 25.4.)

Wer sich den Ohrwurm eingefangen hat und ihn nicht mehr rauslassen möchte, der schaut wenige Tage später gleich noch bei LaLeLu und dem neuen Programm „Die Schönen und das Biest“ vorbei. Dahinter verbirgt sich der neueste Streich der Hamburger-A-Cappella-Truppe, die nicht nur schön aussieht und schön singen kann, sondern auch noch wirklich lustig ist. Sie rocken das Haus – ohne Instrumente. Dafür arbeiten sie sich an spannenden Alltagsfragen ab, etwa der Grundannahme, dass angeblich Männer und Frauen trotz aller Widerborstigkeiten ja doch zusammen passen sollen. Das führt dann naturgemäß zur Frage, ob man eine Liebeserklärung eigentlich grunzen kann. Und wie Achtsamkeits-Doom-Metal eigentlich klingt. Sachen gibt’s! (Lustspielhaus, 29.4.)

Wo wir schon bei den Fragen sind, die vielen Zeitgenossen nachts keine Ruhe lassen: Auch Maik Martschinkowsky, Autor, Poetry-Slammer und Mitglied der Berliner Lesebühne „Lesedüne“, hat eine Liste mitgebracht, die es in sich hat. Wäre die Sesamstraße wirklich die bessere Regierung, will er wissen. Was ist der Sinn des Lebens – und was kann man damit später einmal machen? Oder aber: Ist Nationalstolz etwa doch nur eine perfide Erfindung der Fahnenindustrie? Martschinkowsky klärt das alles – und zwar „Oben ohne“, wie er androht. Das kann zwar nicht wirklich klappen, wird aber lustig. (Vereinsheim, 2.5.)

Man kann sich eben doch nur auf sich selbst verlassen. Sagt jedenfalls Bernd Regenauer. Und er muss es wissen, ist er als Träger des Deutschen Kabarettpreises doch zur angemessen albernen Ernsthaftigkeit verpflichtet. Im neuen Programm rechnet er mit seinen Lieblingsgegnern ab – Heilsverkündern, Optimierungs-Coaches und Mentaltrainern. Eben mit all denen, die auf dem Rücken einer verunsicherten Gesellschaft einen Reibach machen wollen, wie Regenauer zu Recht schimpft. (Lach- und Schießgesellschaft, 30.4./1.5.)

Tröstliches von Thomas Maurer: Er weiß ganz gewiss, dass das Sichere an der Zukunft ist, dass sie so oder so kommen wird. Muss sich nur weisen, ob später wirklich selbstfahrende Autos durch die Gegend brettern, künstliche Welten vor realen Problemen stehen und die Rechner mit dem Selberdenken ausgelastet sind. Man weiß es eben jetzt noch nicht so genau. (Lach- und Schießgesellschaft, 26./27.4.)

Angeblich immer und auf alles eine Antwort hat Claus von Wagner. Muss er ja auch, gilt er doch als eines von wenigen verbliebenen guten Gewissen der deutschen TV-Satireunterhaltung. An der Seite von Max Uthoff macht er „Die Anstalt“ zum Pflichtprogramm im ZDF. Im gar nicht mehr so neuen, aber immer noch beachtlich bissigen Programm „Theorie der feinen Menschen“ legt er sich mit Wirtschaftsverbrechern und Business Punks an. Vieles vom aktuellen Durcheinander erinnert von Wagner selbst daran, „als hätte Shakespeare ein Praktikum bei der Deutschen Bank absolviert und aus Verzweiflung darüber eine Komödie geschrieben“. Ach so! (Prinzregententheater, 28.4.)

Schon deutlich mehr Sicherungen sind dagegen bei Roman Weltzien durchgebrannt, obwohl er sich zumindest tagsüber ganz gut im Griff zu haben scheint. Dann nämlich vergleicht er brav Stromanbieter, vernetzt sich bis in die Zehennägel, ernährt sich nachhaltig und spielt die Normalo-Rollen als Ehemann, EU-Bürger, Vater, Modeopfer und Gutmensch. Wehe nur, wenn die Dunkelheit kommt: In der Nacht mutiert er schlagartig zum „Rampenstilzchen“, zu „Deutschlands kleinstem Kleinkünstler“, wie er über sich selber sagt. Dann wird er zum „zornig-zotigen Zwerg“ und zum „witzig-wütenden Wichtel“. Stabreimen kann er jedenfalls wie ein ganz Großer. Und natürlich dann eben doch noch ganz viel mehr! (Schlachthof, 27.4.)

Bleibt zum Abschluss mal wieder den Rechner runterzufahren und doch auf die Live-Bühnenenergie zu vertrauen. Die Wundertruppe von Luksan Wunder ist zwar über YouTube rund um Berlin und etwas weiter hinaus weltberühmt geworden. Dort treibt man allerlei Unfug und wunderliches Unwesen. „In echt“ kann sich das aber ebenfalls sehen lassen. Fetzt eben. Und das, obwohl das Kollektiv bescheiden tiefstapelt und behauptet, bei seinen Auftritten würde „qualität eben noch kleingeschrieben“. Nichts da: Angemessen groß! (Backstage, 2.5.)

Autor: Rupert Sommer

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