Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights im April

Andrea Limmer, Holger Paetz und Nessi Tausendschön

Von diesen Therapeuten kann man sich ziemlich unbesorgt auf Herz-, Nieren- und Lachfell-Funktionen testen lassen

Jetzt hat man’s amtlich, was viele Spötter schon länger ahnten. Es gibt sie eben doch, diese Bühnenkomiker, die sich vor allem deswegen dem Publikum aussetzen, um sich jeweils live und mehr oder weniger ungeschminkt selbst zu therapieren. Helene Bockhorst macht jedenfalls kein Hehl daraus. 

Mit ihren Auftritten legt sie sich selbst und andere auf die Therapeuten-Couch. Ihr Rezept: Sie spricht einfach alles aus, was schon immer gesagt werden musste. Und noch einiges darüber hinaus – sicher ist sicher. Die Hamburgerin, Autorin, Bloggerin und Poetry Slammerin, ließ erst kürzlich das Netz aufglühen mit ihrem „Unfreiwillige Jungfräulichkeit“-Video. Nun meldet sie sich mit dem neuen Solo „Die fabelhafte Welt der Therapie“ zurück. Darin versucht sie bohrende Fragen wie jene zu klären, welche positiven Auswirkungen eine schlechte Kindheit haben kann. Außerdem gilt es herauszufinden, wie exhibitionistisch eine Frau veranlagt sein darf und was Sex und Kartoffelsalat miteinander zu tun haben. Letztlich will Bockhorst aber vor allem eines wissen: Warum beteiligt sich niemand am Crowdfunding für ihre Brustvergrößerung? (Hofspielhaus, 12.4.)

Für „mondän kultiviertes Schabrackentum“ will Nessi Tausendschön stehen. Über sich selbst darf sie das ja sagen. Ihre Therapieansatz: Menschen wollen lachen. Menschen wollen glücklich sein und nicht immer nur hadern. Scheitern ist für sie Schanze, Erfolg kommt durch Zufall, Glück ergibt sich als Resultat kontinuierlichen Strebens. Seit 30 Jahren ist sie nicht von der Bühne zu bomben. Nun gilt es zu feiern! (Lach- und Schießgesellschaft, 12./13.4.)

Fast schon unerhört anständig kommt im Vergleich der liebenswerte Kollege Ole Lehmann rüber. Er bezeichnet sich selbst als einen der letzten Vertreter einer aussterbenden Gattung: Er ist ein fröhlicher Mensch. Nun will er wissen, wie so manche Großtante übrigens auch, was aus dem guten alten „Bitte“ und „Danke“ geworden ist. Und warum nur, zefix, gibt’s so gut wie keinen fröhlichen RapText? Außerdem möchte er sich – „Homofröhlich“ heißt das neue Programm – nicht als Homo beschimpfen lassen, nur weil er als Mensch fühlt. Und dass „gay“ im Englischen eben auch einfach nur „fröhlich“ hieß, möchte er auch noch loswerden. Es ist ein unbeschwertes Vergnügen, für das man sich Zeit nehmen sollte. (Deutsches Theater, 7.4.)

Ole Lehmann am 7. April im Deutschen Theater

Mit Stil, Charme und Methode“ geht Nicolai Friedrich vor und spielt dabei auf den noch immer rattenscharfen britischen Serienklassiker mit Patrick Macnee an. In seiner aktuellen Magie-Show mischt er verblüffende Zauberkunst, knifflige Mentalexperimente mit ziemlich mitreißender Comedy. Zum Staunen, nicht zum Zurücklehnen. (Circus Krone, 13.4.)

Nicht ins neurotische Elendshäuflein verwandeln lassen will sich Andrea Limmer. Deswegen hält sie sich mittlerweile ganz fest die Ohren zu, wenn sich alle elf Sekunden mal wieder jemand verliebt in Deutschland, wenn das Navi sie an der Nase herumführen möchte, die Bahn sich für irgendeine Art von Verständnis bedankt oder Tinder die Frage stellt: „Zum Mitnehmen oder Abwinken?“. Da haut’s ihr doch glatt den Vogel raus. Soll heißen, es verschlägt ihr die Sprache. Davon erzählt das neue Programm „Das Schweigen der Limmer“ recht viel. (Iberl-Bühne, 10.4.)

Gut möglich, dass Holger Paetz solchen Störenfrieden gleich noch viel leidenschaftlicher einschenken würde. Bei ihm ist’s Jahreszeit-bedingt mal wieder höchste Zeit für die grantige Fastenpredigt unter dem angemessen angstförderlichen Titel „Fürchtet Euch!“. Praktischer Servicetipp: Wer noch nicht alle Todsünden durch hat, kann sich hier inspirieren lassen. (Fraunhofertheater, 10. bis 13.4.)

DIe altbayerische Wucht der Strafpredigt sollte man vielleicht durch eine kritische Selbstbefragung flankieren. Für den Wissensdurst sorgt Thomas Grasberger aus Altötting, der dem legendären „Grant“ schon ein kluges Buch gewidmet hat. Er will’s jetzt wissen: „Wia samma? So samma! Samma so?“. Zusammen mit der kongenial guten Ensemble Kegelmaier/ Öllinger sowie dem Duo Winkler/Kloiber kreist er heiter-hintersinnig um die bayerische Wesensart. (Altes Rathaus, 10.4.)

Mit seinen Mit-Deutschen beschäftigt sich Paul Weigl. Und seine Beobachtungen stimmen ihn natürlich sorgenvoll. Pünktlich - keit, Ordnungsliebe, Präzision: All das sind Eigenschaften, für die man die Teutonen land läu fig schätzt. Leidenschaft steht allerdings nicht auf der deutschen Agenda. Es sei denn, man könnte sie von der Steuer absetzen. Unordnung wird minutiös vorbereitet, wenn der lange angekündigte Spontanbesuch ankommt. Dann schmiert man sich Haargel mit dem „Out of bed“- Look auf dem Kopf, um ein wildes Leben zwischen Tupperboxen und Krawattennadeln zu suggerieren. So sind sie eben, die „Passionsfrüchtchen“, von denen Paul Weigl erzählt. (Schlachthof, 5.4.)

Christoph Sieber am 4. und 5. April im Lustspielhaus

Schonungslos satirisch blickt Christoph Sieber aufs Welt- und banale Alltagsgeschehen. Seit 20 Jahren steht er damit fest auf allerlei Kleinkunstbühnen. Doch auch er weiß: Freizeit muss sein. Und in selbiger ist er gern und ausgiebig Mensch. Naheliegend, dass sein neues, das mittlerweile sechste Solo nun also auch „Mensch bleiben“ heißt. (Lustspielhaus, 4./5.4.)

Und zum Schluss kann man natürlich noch mutig ins Wortspielbecken hüpfen – im neuen „Veganissimo“-Programm mit dem Tastenderwisch und Stimmimitationswunder André Hartmann. So nennt er seine „vollwertige Solo-Koch-Show ohne Abzugshaube“. Dafür hat er auf seinem Klavier gleich auch noch eine zusätzliche Taste einbauen lassen – die „Bad Taste“. Hartmann hat „das große Fleischlos“ gezogen, behauptet er stolz. Und schließt mit der rhetorischen, schnell zu beantwortenden Frage: „Vegan ist das denn?“. Ja nu. (Fraunhofer, 18./19.4.)

Autor: Rupert Sommer

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