Kabarett-Highlights

Die Kabarett-Highlights zum Jahreswechsel

Django Asül spielt im Lustspielhaus und Deutschen Theater

Die anstehende Festtagssaison ist nur mit einem kräftigen Schluck aus dem Satire-Humpen blessurenfrei zu überstehen

Es ist wieder Zeit für die schrecklich nette Familie. Glühweinschwaden wabern durchs Wohnzimmer, Opa Hoppenstedt marschiert im Fernsehen, und im Ofen verkokeln die Plätzchen. Eigentlich spielt sich ja Live-Kabarett in fast jedem deutschen Haushalt ab. Aber trotzdem sollte man noch einmal vor die Tür – etwa für einen therapeutischen Paarbesuch bei Beier & Zauner sowie Beier & Hang.

Unter dem irreführenden „Frohlocket“-Motto tischen sie das ganze Grauen auf, das sich unter dem Baum bietet. Zusammengehalten wird das von satirischen Lamettafäden. Und dank derer hat sich die Suche nach dem perfekten Geschenk schon mal zur blutigen Todesfalle entwickelt. Das Quartett geht da weiter, wo andere den letzten Schritt scheuen: Sie legen unbarmherzige Weihnachtsschlager auf, servieren Makaberes sowie zum Biegen Lachhaftes. Das wird das irrwitzigste Weihnachtsfest, das man rechtzeitig vor Ostern noch zu sehen bekommt. (Pasinger Fabrik, 20. bis 22.12.)

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Höllisch familiär geht’s übrigens auch beim Höllerbauer Erich über die Feiertage zu. Und das, obwohl er mit diversen Tierseuchen und seiner irren Großmutter eigentlich schon alle Hände voll zu tun hat. Doch in der Silvesternacht verschwindet dann auch noch seine Tochter Nora. Höchste Zeit für einen Entschluss, derweil Sturmtief Vladimir sibirische Schneemassen um den Hof bläst und religiöse Fanatiker mal wieder dem Weltende entgegenfiebern: Im nächsten Jahr muss sich etwas ändern! Dem kann dann sogar Stefan „Der Billi Jean is ned mei Bua“ Leonhardsberger zustimmen. Er liebt die Schrecken der „Rauhnacht“. Dahinter verbirgt sich ein wilder Ritt – zwischen Kabarett und Live-Kino, musikalisch virtuos umrahmt. (Deutsches Theater, 4./5.1.)

Fantasievoll fürchten kann man sich in den langen Nächten natürlich auch mit den skurrilen Puppen von Josef Pretterer, der den (Bühnen-)Schalk seit 20 Jahren im Nacken hat. Seine schaurig-schönsten Pappmaché-Kreationen nimmt er natürlich mit zur Abschlussfeier des Jubiläumsjahrs, zum Silvester im Wirtshaus. Und da spielt dann auch Honky Tonk Five mit Boogie-Rockabilly auf. (Fraunhofer, 31.12.)

Intelligent unterhalten ins neue Jahr kommt man garantiert mit Silvana und Thomas Prosperi von Faltsch Wagoni. Ihr Aufbruch „Auf in den Kampf, Amore!“ reißt verlässlich mit. (Pasinger Fabrik, 29./31.12.)

Und, keine Frage, auch mit der Presley Family, die alle Ablebe-Gerüchte quietschfidel auf ihrem Hausboot ausgesessen hat, kann man eine anständige „X-Mas Show“ feiern. Für selbige intonieren die 14 Musiker der durchgeknallten Truppe Alltime-Hits der 60er und 70er Jahre und lassen die etwas altersmüden Hüften kreisen. (Schlachthof, 22.12.)

Die Schneeflocken tanzen übrigens auch mit den drei Sängerinnen und ihrer bezaubernden Pianistin von den String of Pearls. „Jingle Pearls“ verspricht ein launiges Wiedersehen mit den genialen Grazien, die sich zuletzt etwas rar gemacht haben. (Lustspielhaus, 23.12.)

Nach den vielen Festen gilt es selbstverständlich, selbstkritisch Rückschau zu halten – auch auf die privaten Sauereien unterm Baum. Den Satire-Blick weitet dagegen Django Asül, der niederbayerische Osmane, in seiner traditionellen „Rückspiegel“-Revue. Dabei watscht er die Söders und Seehofers dieser Breiten noch mal gewaltig ab. Und es werden die wirklich wichtigen Fragen noch mal durchgekaut: Wer muss sich stärker integrieren – der DFB in die Weltspitze oder Özil in den DFB? Die CSU in den Freistaat Bayern? Oder sogar Bayern in ein verunsichertes Deutschland? (Deutsches Theater, 7.1., Lustspielhaus, 25./26. und 31.12.)

So richtig genervt von diesem Jahr ist auch Simon Stäblein , der dem Abschlusschaos ein trotziges „Heul doch!“ entgegenschleudert. Tatsächlich hat das Schicksal ihm 2017 übel mitgespielt: Ein Sturm riss ihm das Verdeck vom Cabrio, dann gab’s plötzlich nur noch harte Avocados im Supermarkt. Und nun passt die Magnum-Champagnerflasche nicht in den Altglas-Container. Höchste Zeit, sich die Frage aller Fragen zu stellen: Ist mein Smartphone wirklich smarter als ich? Wenn man das nur so einfach wüsste. (Schlachthof, 27.12.)

Etwas unangestrengter lässt der gefeierte Wiener Hosea Ratschiller das neue Jahr angehen. Er remixt für „Heute“ zugegebenermaßen leicht schamerfüllt das Beste aus rund 20 Komikerjahren – in einer völlig neuen Rolle: als sich selbst. Dabei bedient er sich aus fünf Soloprogrammen, Funk- und Fernseharbeiten und das Abgefeimteste aus seinen Texten für Wiener Lesebühnen. Ein Hochgenuss gleichwohl! (Lach- und Schießgesellschaft, 2.1.)

Bleibt zum Schluss der etwas dickliche Zampano: Chris Tall, eher kleingewachsenes Comedy-Phänomen, bekannt unter anderem aus dem RTL-Gaudiprogramm, will die ganz große Halle füllen. Und dafür knöpft er sich diesmal seinen Erzeuger vor – im neuen „Und jetzt ist Papa dran“-Programm. Selbiger zieht sich an, wie Oliver Kahn an einem besonders schlechten Tag, jagt am Sonntag noch Pokemons im Stadtpark und verschickt ungerührt 25-teilige Sprachnachrichten. Trotzdem hat der Papa einen Plan: Er möchte aus Sohnemann Chris einen knackigen Olympiasieger machen. Doch der träumt schon wieder vom Heringshappen aus der Fischhalle. Beim La gerfeuer kommen sich die beiden dann aber doch näher. Genau dann nämlich, wenn Papa seinem Sohn die Dinge des Lebens erklärt – angefangen beim nicht ganz unwichtigen Unterschied zwischen Domina und Domino. Man ahnt schnell: Hier könnte man was lernen! (Olympiahalle, 22.12.)

Autor: Rupert Sommer

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