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Kabarettist Severin Groebner: „Mit wunderbaren Kollegen Drachen töten“

Kabarettist Severin Groebner
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Severin Groebner als Nibelungen-Held in „Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut“.

Er ist zurück: Am 7. März stürzt sich Kabarettist Severin Groebner wieder ins Getümmel. Der Ur-Held aus „Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut“ meldet sich mit der alten Truppe aus dem Kleinen Theater Haar – per Nibelungen-Stream.

Herr Groebner, man braucht ja wirklich so etwas wie Heldenkräfte, um sich in diesen oft düsteren Tagen zu behaupten. Wie gut schaffen Sie das persönlich, wie steht’s um Gesundheit und Stimmung – und was kann man vielleicht sogar vom Bühnen-Siegfried lernen?
Nun ja, was lernt man von Siegfried, dass auch angebliche Unverwundbare nicht unsterblich sind. Vielleicht wär’ alles anders gekommen, wenn Siegfried Maske getragen hätte und sich die Hände gewaschen?

Wie so viele Kollegen dürften Sie ja die Auftritte, den Kontakt zu den Zuschauern, den üblichen Kleinkunst-Wahnsinn bitter vermissen. Wie reizen die Zeitumstände den Komiker in Ihnen aufs Blut?
Ich versuche mich nicht reizen zu lassen, schon gar nicht von einem Ding, das ohne mich als Wirt gar nicht lebensfähig wäre. Das ist doch ein laufender Nanometer.

Zeit zu haben, war ja zuletzt oft nicht das Problem: Aber kann man im stillen Kämmerlein in Corona-Zeiten auch wirklich gute Programme vorbereiten?
Das stimmt, ich schreib’ zur Zeit sehr viel und - und das ist das Gute -, es gibt sogar Menschen, die mir ab und zu Geld dafür geben.

Sie waren ja bei der Ur-Truppe dabei. Wie kamen Sie eigentlich damals auf die zumindest nicht ganz naheliegende Idee, sich die alten Nibelungen vorzunehmen?
Wir haben ständig überlegt, was wir nach dem Watzmann als nächstes machen sollen. Fest stand nur, dass wir als übernächstes die Nibelungen machen wollen. Und als wir uns auf kein zweites Sujet einigen konnten, haben wir einfach aus dem Übernächsten das Nächste gemacht.

Am Lustspielhaus, wo’s damals losging, kannte man ja schon damals auch Gruppenstücke. Trotzdem: Wie viele innere Schweinehunde muss man als Solo-Kabarettist eigentlich gehen, um sich auf ein Gemeinschaftsspektakel einzulassen?
Gar keinen. Im Gegenteil ist es ein großer Spaß, wieder mit wirklich wunderbaren Kollegen gemeinsam auf der Bühne Drachen zu töten. Als Solist ist man ja ständig alleine unterwegs. Keine Drachen, kein Schatz, niemand der Dich hinterrücks auf der Jagd meuchelt… Nun gut, es hat auch Vorteile. Die Gage etwa.

Das Stück erlangte schnell Kultstatus – mit vielen treuen Fans. Was ist denn das Geheimrezept für den tollen Erfolg?
Ich glaub’, das Geheimrezept ist, Stoff, den jeder in Schule vom Weghören kennt, in einem musikalisch aufgelockerten Gruppenseminar unterhaltsam auf die Bühne zu bringen, so dass jeder versteht: Die Burgunder… auch nicht schlimmer als meine Nachbarn.

Nachdem Sie einst ausgestiegen waren, hat sich die alte Truppe mit Ihnen jetzt wiedergefunden. Was hat Sie zur Rückkehr motiviert?
Die haben mich gefragt. Ich hab Zeit gehabt. Jubel!

Dass überhaupt gespielt und für Fans per Stream übertragen werden kann, ist ja keine Selbstverständlichkeit: Wie kamen denn der „Siegfried“ ans Kleine Theater in Haar und welche Drachen mussten die Hausherren dort bekämpfen?
Das müssen sie die dortigen Hausherren und -Herrinnen fragen. Wir freuen uns auf alle Fälle spielen zu können. Sollten doch noch Drachen auftauchen, zieh’ ich denen eins mit dem Holzschwert über.

Viele Zuschauer dürften sich so sehr auf ein Wiedersehen freuen, eine Selbstverständlichkeit ist es aber nicht. Warum ist es dann doch gar nicht so einfach, eine Bühnen-Produktion ins Internet zu bringen?
Es ist ein großes Experiment, wie und ob und was da funktionieren wird. Und ich meine nicht das Technische. Eher von der Stimmung her. So ein Musiktheaterabend ist ja auch ein Gruppenereignis. Wie das ist, wenn jede und jeder allein vor dem Bildschirm sitzt, wird spannend.

Wie fühlt es sich bei solchen Auftritten eigentlich „auf der anderen Seite“ an, wenn keiner johlt und nur die Kamera surrt?
Etwas verloren. Bisschen so, wie wenn man in einer menschenleeren U-Bahnstation Gitarre spielt. Da schauen auch nur die Kameras zu. Ich glaub, Nachrichtensprecher müssen sich täglich so fühlen…

Viele Kollegen streamen ja, um sichtbar zu bleiben: Wie groß ist Ihre Sorge, in Vergessenheit zu geraten? So richtig vorstellen kann man sich das ja nicht.
So lange ich noch weiß, wer ich bin, gibt es Hoffnung. Und ich hab einen YouTube-Kanal.

Zumindest das Hoffen hält ja weiterhin wach und lebendig: Wie wird denn eigentlich Ihre geplante Backstage-Party aussehen, wenn Sie sich das erste Mal wieder „in echt“ vor Publikum austoben?
Wir werden in Ganzkörperkondomen bei einem Mindestabstand von fünf Metern einander freudig zuwinken, nehm’ ich an.

Interview: Rupert Sommer

Alle Infos zum Stück und wie man den digitalen „Siegfried“-Stream bestellt, erfährt man hier: www.kleinestheaterhaar.de

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