Ortsgespräch

Altinger/Liegl/Lindner: „Grandioser Irrsinn - mit 17 Rollen“

Michael Altinger, Constanze Lindern und Alexander Liegl
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„Große Teile der Bevölkerung verunsichern“: Michael Altinger, Constanze Lindern und Alexander Liegl.

„Ratatata! Die wirklich wahre Geschichte von Bonnie & Clyde“: Constanze Lindner, Michael Altinger und Alexander Liegl drehen voll auf. Irre lustig!

Liebe Frau Lindner, lieber Herr Altinger, lieber Herr Liegl, dass in Ihrer neuen Produktion scharf geschossen wird, hört man ja schon dem „Ratatata“-Titel an. Wie viel aufgestaute Spielfreude, aber auch Rampen-Aggression steckt eigentlich dahinter?
Die aufgestaute Spielfreude ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es wäre tatsächlich kein anderer Titel denkbar gewesen. Außerdem sind wir strenge Antimilitaristen, mit einem großen Faible für Spielzeugknarren.

Grob geschätzt: Wie viele Hunderte Mal haben Sie sich den alten Gangsterfilm eigentlich schon angesehen und zuletzt immer wieder hervorgekramt?
Es gibt tatsächlich unzählige Filme über dieses Gangsterpaar. Und natürlich haben wir jeden Film angeschaut. Aber am interessantesten fanden wir die Dokumentationen. Auf der Basis dieser Dokus haben wir die ganze Geschichte nochmal neu erfunden.

Was fasziniert sie am Bonnie-und-Clyde-Stoff so sehr und warum drängte er mit Ihnen so leidenschaftlich auf die Bühne?
Da ist einfach alles drin. Liebe, Schießerei, Tod und die große Hoffnung. Außerdem interessiert uns die Frage, wie das Leben der beiden wohl weiter verlaufen wäre, hätten sie ihren Showdown überlebt. Und die Idee, dass ein Paar, das einmal richtig berühmt war, noch einmal das ganze große Ding durchziehen will.

Sie erarbeiten ja Ideen und Stoffe oft im kreativ-turbulenten Miteinander: Wenn Sie zurückblicken, ab wann nahm das Ganze so langsam eine Form an, mit denen man sich vor die Leute wagen darf?
Ab dem Zeitpunkt, an dem der Alex das Stück vorgelesen hat und wir uns sofort einig waren: ein grandioser Irrsinn! Mit insgesamt 17 Rollen, und jede einzelne ist uns auf den Leib geschneidert.

Wie muss man sich Ihren Arbeitsprozess überhaupt vorstellen: Ist es nicht gefährlich, wenn Lagerkoller droht und überall (Theater-)Knarren rumliegen?
Zum Glück kennen wir uns schon sehr lange und wissen immer relativ schnell, wann mal eine Pause oder ein kurzer Ortswechsel angesagt sind. Natürlich droht uns manchmal trotzdem der Lagerkoller. Und da sind wir sehr froh, dass es kein Stück mit scharfen Messern, Schwertern und Wurfgeschossen ist.

Sie kennen sich – und man darf unterstellen: schätzen sich – ja alle schon ein wenig länger: Trotzdem, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie heftig fiel der Streit um die jeweiligen Rollen aus?
Es war Michis Wunsch, in dieser Konstellation ein Theaterstück zu machen. Der Alex hat das Stück dann geschrieben, die Constanze hat das Bühnenbild gebaut und seit drei Monaten haben wir ein Stück, an dem wir mit Gabi Rothmüller proben. Gabi hat die Rollen sehr gerecht verteilt. Welche Gelder da genau geflossen sind, dürfen wir an dieser Stelle nicht sagen.

Hand aufs Herz: Wie befreiend wirkt es, wie viel vielleicht sogar rettende Selbsttherapie ist im Spiel, wenn man nach so langer Zeit endlich wieder auf die Bühnen stürmen kann?
Am meisten befreit uns, dass wir ein gemeinsames Projekt auf die Bühne stellen, mit unglaublichen Frisuren, Tänzen und geradezu verbotenen Kostümen.

Theater im Open Air – heute fast schon selbstverständlich, früher nicht unbedingt alltäglich. Wie war eigentlich Ihre eigene erste Reaktion, als Sie das Stück für Auftritte im Freien anlegen mussten?
Zunächst sind wir tatsächlich erschrocken, weil wir dachten, wir müssen unsere Boulevardkomödie irgendwo in Gummistiefeln vor Autos spielen. Aber man hat uns versprochen, dass es so schlimm nicht kommen wird. Trotzdem ist natürlich vieles anders, als wir es gewohnt waren: Früher hat man wochenlang irgendwo geprobt, um dann im Lustspielhaus spielen zu dürfen. Jetzt dürfen wir wochenlang im Lustspielhaus proben, um dann irgendwo zu spielen. Hoffentlich.

Sie spielen ja gleich mehrere Aufführungen hintereinander über eine vergleichsweise sportliche Strecke: Wie hält man das durch, wie hält man sich fit?
In erster Linie werden wir viel Ruhe brauchen, wenn wir nicht auf der Bühne stehen. Die nötige Fitness eignen wir uns gerade bei den Proben an. Das ist jeden Tag zu spüren. Die Pfunde purzeln und unsere Körper werden neu geformt. Schade, dass nach der letzten Vorstellung die Badesaison vorüber sein wird.

Letzte Frage: Wie viel Knallerei und nicht immer komplett jugendfreies Gedankengut nimmt man nach einem langen turbulenten Auftritt eigentlich noch mit in den verdienten Feierabend und in die Nachtruhe?
Sicher sehr viel. Wahrscheinlich werden viele Gedanken und Knallereien noch im Schlaf weiterarbeiten. Jede weitere Information könnte große Teile der Bevölkerung verunsichern.

Jetzt Karten sichern: Die Premiere steigt am 30. August. Alle Termine der Produktion finden sich hier: www.michael-altinger.de

Interview: Rupert Sommer

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