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Freischwimmen meets Rodeo - Mut zum Miteinander

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Einfach eintauchen: Deep Dancing
Einfach eintauchen: Deep Dancing © Dorothea Tuch

Doppelbelichtung: Erstmalig vereint verändert das Gemeinschaftsfestival vom 7. bis 15. Oktober die Bilderwelten in der Stadt. 

An einem Strang ziehen, tanzen, feiern: Erst- und einmalig zusammengeführt bringt das Doppelfestival Freischwimmen meets Rodeo beeindruckende neue Produktionen der Freien Szene in die Stadt – mit vereinten Kräften. Schon seit 2010 gilt Rodeo als die wichtigste Plattform der freien darstellenden Künste in München, ermöglicht Einblicke in die Vielfalt der hiesigen Tanz- und Theaterszene und vernetzt die Künstler enger. Das Freischwimmen Festival versteht sich alle zwei Jahre als Austausch-, Residenz und Produktionsplattform für junge Gruppen und Solisten, in der acht freie Produktionshäuser aus dem deutschsprachigen Raum organisiert sind – darunter brut Wien, FFT Düsseldorf, die Gessnerallee Zürich, die Schwankhalle Bremen, das Theater Rampe Stuttgart und das HochX München.

In Zeichen der Krise und knapperer Kulturetats zeigen beide Feste nun gemeinsam Flagge. Und auch thematisch geht es um den Austausch und Annäherung. Leitfrage: Wie kann die Gemeinschaft geöffnet, überschrieben, komplett neu gedacht werden?

So nähert sich das Performance-Kollektiv Chicks* aus Berlin im Stück Deep Dancing dem Paartanz monogamiekritisch (Schwere Reiter, 7. bis 9.10.), lädt aber auch zum Mitmachen ein. Die Tänzerinnen Kassandra Wedel und Rosalie Wanka wollen mit ihrer Perfomance Visual Vibrations Passanten einfangen und aus ihre medialen Reizüberflutung befreien – auf öffentlichen Plätzen. (7./9. und 14.10.) Bei der Parotia-Produktion von Léonard Engel drehen sich zunächst die Tanzenden – und dann der ganze Raum. (Schwere Reiter, 14./15.10.) Noch phyischer wird es, wenn die Hard Art Workers im Luft!!-Stück die Lungenkapazität vermessen. Augenzwinkernd allerdings. (MUCCA, 10.10.)

Ebenfalls der Schalk im Nacken steckt dem Syndikat Gefährliche Liebschaften aus Leipzig, das spielerisch die Fleischeslust aufspießt: „Grilling Me Softly soll ein bunter Abend der Genüsse werden. (MUCCA, 13./14.10.) In die Welt der Gerüche und die Frage, was an ihnen politisch sein kann, taucht Sandra Chatterjee mit Shame you What!? ein. (Einstein Kultur, 11./12.10.)

Besonders persönlich wird die Erinnerungsreise Innuendo von Lea Ralfs. Die Regisseurin hat sich mit dem Autor Jan Geiger zusammengetan, um mehr herauszukriegen über ihren Großvater, den sie nie kennengelernt hat. Sie will wissen, wer der Mann, den sie lange fälschlicherweise für Freddie Mercury hielt, tatsächlich war. Er selbst verschanzte sich hinter vielen Identitäten, als Nazi, aber auch als Linker, als Familienvater und als frei-liebender Homosexueller. (Schwere Reiter, 11./12.10.)

Rupert Sommer

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