Deutsch-polnischen Dialog: Tu i tam – hier und dort

Deutsch-polnischen Dialog - Betroska“ eine künstlerische Collage vom Teatr Węgajty
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Wer sind wir eigentlich?: „Betroska“ eine künstlerische Collage vom Teatr Węgajty

Künstlerische Positionen im deutsch-polnischen Dialog vom 21. bis 25. Oktober im PATHOS Theater

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft München in Co-Produktion mit dem PATHOS München laden im Oktober Kulturschaffende aus verschiedenen Disziplinen ein, um miteinander in Dialog zu treten. Fragen nach einer künstlerischen Zivilgesellschaft, globale Themen wie die Klimakrise, aber auch Momente der Vergangenheitsbewältigung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität werden im Fokus der unterschiedlichen Positionen aus Theater, Videokunst, Film und Literatur stehen.

Zukunftslose Individuen oder doch etwas mehr?

Los geht’s am 21. Oktober mit „Betroska“ einer Theaterperformance des Teatr Węgajty über die, so wörtlich, „Sorglosigkeit“ unserer Zeit. „Wer sind wir eigentlich?“ ist darin eine der zentralen Fragen. Sind wir wirklich diese „in den Strudel der Zeit gezogenen zukunftslosen Individuen, die sich der Wirklichkeit durch Protest, den Weg nach innen, politische Verzweiflungsakte, irrsinnige Hoffnung oder Trauer zu entziehen versuchen? Oder doch etwas mehr?“ Diesen und anderen Fragen sind sieben Schauspieler*innen aus Polen, Deutschland und Tschechien auf Reisen und Expeditionen nachgegangen. In Konfrontation mit Menschen, die sonst nicht ins Theater kommen – Inhaftierten, konservativen Dorfbewohnern, Psychiatrie-Patienten – ist eine künstlerische Collage entstanden. In ihr verbinden sich Demokratiearbeit, zivilgesellschaftliches Engagement mit der Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen. Dafür nutzt das Ensemble ein breites Repertoire von Ausdrucksmitteln wie Maskenspiel, Poesie, Storytelling, Songs und Journalismus. (2. Vorstellung am 22.10., ebenfalls 19:30 Uhr)

Widerstand leisten: Weronika Zalewska

Krieg, Umsiedlung, Vertreibung

Kriegstraumata sowie die psychologischen Folgen von Umsiedlung und Vertreibung sind Thema des neuen Romans von Brygida Helbig. In „Kleine Himmel“ verarbeitet sie literarisch die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern und nimmt uns mit auf die Suche nach den Wunden und verborgenen Schätzen ihrer Wurzeln, eingebettet in die Nachbeben mitteleuropäischer Geschichte. Die Lesung wird musikalisch begleitet vom Saxophonisten Leszek Żądło. Er gilt als europäische Jazzlegende und spielte weltweit in namhaften Formationen. Sein Repertoire setzt sich aus polnischer Folklore, Filmmusik und Eigenkompositionen zusammen. Leszek Żądło ist Professor an der Hochschule für Musik Würzburg, lebt seit 1975 in München. Er versteht sich selbst als aktives Mitglied der europäischen und vor allem deutschen Auslandspolen. 2012 ehrte ihn Polen mit der „Gloria Artis Medaille“, der höchsten Kulturauszeichnung des Landes. (23.10., 19:30 Uhr)

Die Verschmelzung von Kunst, Aktivismus, Philosophie und Wissenschaft

Volles Programm auch am Sa. 24. Oktober. Los geht’s dann bereits um 16:30 Uhr mit einer Videoinstallation und anschließender Artist Lecture mit der Künstlerin Weronika Zalewska. Diese setzt sich in ihren Arbeiten mit Themen wie urbaner Landschaft, Zukunftsforschung, Ökologie und Anthropologie auseinander. Ihr besonderes Interesse gilt der postkünstlerischen Verschmelzung von Kunst, Aktivismus, Philosophie und Wissenschaft und deren Potenzial, polyphone, feinfühlige Perspektiven und Praktiken jenseits der institutionellen, marktorientierten Kunst zu etablieren. Zalewska war bereits im Winter 2019/2020 zu Gast in München und stand in der Inszenierung „10 Vaterunser“ (Regie Christiane Huber) an den Münchner Kammerspielen auf der Bühne. Seit Kurzem lebt sie wieder in Warschau. Hier praktiziert sie alltägliche Formen des (künstlerischen) Widerstands, von denen sie in ihrer Artist Lecture erzählen wird. Zudem präsentiert sie eine neue Videoinstallation, die bereits ab Freitagabend im PATHOS zu sehen ist.

Ab 19 Uhr wird dann der Film „Impreza“ (Das Fest) gezeigt: Bei den Vorbereitungen zu Danutas und Maciejs goldener Hochzeit hilft die ganze Familie mit. Ihre deutsche Nichte Alexandra ist aus diesem Anlass eigens nach Warschau gereist. Kaum hat sie sich an den Küchentisch gesetzt, wird auch schon heftig diskutiert. Ob es um Europa, Abtreibung oder Migration geht: Bald wird Alexandra klar, dass sie mit ihren „liberalen“ Ansichten völlig allein dasteht und von ihren Verwandten als „Opfer“ westlicher Propaganda belächelt wird… Filmemacherin Alexandra Wesolowski – die im Anschluss gerne Rede und Antwort steht – nimmt das Familienfest als Anlass, ein Portrait ihrer eigenen Familie zu zeichnen, das uns hochinteressante Einsichten in die polnische Gesellschaft, aber auch in den europäischen Rechtspopulismus der Gegenwart erlaubt.

Tu i tam – hier und dort – 21. bis 25. Oktober 2020 PATHOS Theater München, Dachauer Str. 110 D

Weitere Infos unter: www.pathosmuenchen.de, Tickets unter: www.pathosmuenchen.de/ticket

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