Residenztheater

Der Juni im Residenztheater

Roland Schimmelpfennigs „Der Kreis um die Sonne“ in der Inszenierung von Nora Schlocker
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Roland Schimmelpfennigs „Der Kreis um die Sonne“ in der Inszenierung von Nora Schlocker

Im Juni fährt das Residenztheater sein Programm wieder hoch und hat auch zwei Premieren im Spielplan.

Am gestrigen Sonntag fand die Premiere von „Dekalog“ (auch 12. u. 26.6.) nach dem gleichnamigen Drehbuch von Krzysztof Kieślowski und Krzysztof Piesiewicz, in der Inszenierung des spanischen Opern- und Schauspielregisseurs Calixto Bieito, statt. In einem gesellschaftlichen Panorama wird von universellen, zutiefst privaten und persönlichen Situationen erzählt, die fiktiv sind, aber in jedem Leben eintreten können: Momente, in denen plötzlich Lebensentwürfe infrage und das Verhältnis zu den Mitmenschen radikal auf die Probe gestellt werden. Die ökonomische Rezession, die soziale Spaltung und die sich formierende Protestbewegung sind dabei genauso Hintergrund des Geschehens wie die Abwesenheit einer Gottheit, die den Menschen angesichts der großen Rätsel des Lebens beiseitestehen könnte.

„Was der Butler sah“ von Joe Orton, in der Inszenierung von Bastian Kraft, der in der Spielzeit 2019/2020 mit „Lulu“ zeigte, wie sich audiovisuelle Technik und lustvolles Spiel miteinander verbinden lassen, kommt am Sa 19. Juni, 20.00 Uhr, zur Premiere im Marstall (weitere Vorstellung: 27.6.): In der Nervenklinik des Psychiaters Dr. Prentice geht es zu wie im Irrenhaus. Alles beginnt mit einem Bewerbungsgespräch, während dessen Dr. Prentice der Sekretärin Geraldine mehr als #MeToo-verdächtige Annäherungsversuche macht. In flagranti ertappt werden sie von seiner Frau, die allerdings eine eigene Affäre zu vertuschen sucht. Es entspinnt sich eine atemberaubende Jagd von sechs Figuren nach passenden Kleidungsstücken, passenden Ausreden und dem passenden Geschlecht, bei der beinahe ein Polizist ermordet wird und alles mit Winston Churchills Penis endet.

Was wie eine furios boulevardeske Verwechslungskomödie wirkt, in der kein Klischee und kein Seitensprung ausgelassen werden, entpuppt sich schnell als eine bitterböse Farce, in der bürgerliche Moralvorstellungen unterwandert und Tabus gebrochen werden. Orton, der in den 1950er- und 1960er-Jahren in Großbritannien offen schwul lebte, schreibt aber nicht nur über queere Themen, sondern spottet auch wortwitzig über die zwanghafte Pathologisierung von Lebensentwürfen jenseits der gesellschaftlichen Norm.

Doch auch abseits der Premieren gibt es mit Hamlet (11., 20., 24., 25.6.) in der Inszenierung von Robert Borgmann, Der Kreis um die Sonne (13., 18., 19.6.) von Roland Schimmelpfennig in der Inszenierung von Nora Schlocker und Erinnerung eines Mädchens (13. u. 26.6.) von Annie Ernaux (Regie: Silvia Costa) vielseitiges, anspruchsvolles Theater zu bewundern.

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