Programm

Der Juni in den Kammerspielen

Alles Gold, Nichts glänzt von Anne Sophie Kapsner
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Alles Gold, Nichts glänzt von Anne Sophie Kapsner

Auch die Münchner Kammerspiele haben diesen Juni erstmals in diesem Jahr ganz analog viele Premieren und weitere Highlights im Programm. 

Da ist zunächst mal das Stück mit dem klingenden Titel „COLD LOVE (seelenstahlbaden)“ (Premiere 17.6.; 18., 19.6.), eine nō-Phantasie von Anatol Boyd in einer Inszenierung von Lennart Boyd Schürmann. Leopold von Sacher-Masochs Novellenzyklus Das Vermächtnis Kains war als poetisches Panorama der Kälten und Klüfte menschlicher Naturgeschichte geplant. Vollendet wurden allerdings nur zwei von sechs Teilen, die Bände zur Liebe und zum Eigentum. COLD LOVE (seelenstahlbaden) setzt das unfertige Opus magnum in einer Reihe von Stück-Miniaturen spekulativ fort. Dabei werden der Struktur eines japanischen nō-Theater Festspiels folgend je unterschiedliche performative Perspektivierungen auf die Risiken moderner Freiheitsprojekte gewählt und diese in ihren Frustrationspotentialen modellhaft erkundet – als therapeutische Seelenkur für Liebeswillige.

Etwas näher an der Münchner Lebenswelt angesiedelt ist „Bayerische Suffragetten – Eine Stückentwicklung zur Geschichte der Münchner Frauenbewegung“ (Premiere 27.6.; 30.6.) von Jessica Glause und Ensemble. Hier wird die Frage beleuchtet, wie München heute aussehen würde, hätten mehr Leute auf die titelgebenden Vordenkerinnen gehört: Vor 120 Jahren war München eine absolute Hochburg der Frauenbewegung. Viele Künstlerinnen standen an ihrer Spitze, darunter Anita Augspurg und Sophia Goudstikker und ihr legendäres Fotoatelier Elvira, aber auch viele Schriftstellerinnen wie Gabriele Reuter, Carry Brachvogel oder Helene Böhlau. Diese Frauen stellten die bisher gültige Ordnung radikal in Frage, wollten berufstätig sein (und Mutter), kämpften für „Bildung, Gesundheit und Recht“, obwohl es ihnen verboten war, sich politisch zu organisieren. Sie trafen sich trotzdem, rauchten und tranken, führten alle möglichen Formen von Beziehungen, und schufen eine politisch wirksame Bewegung. Zehn vergessene Protagonistinnen werden vorgestellt und in Verbindung zu heute gebracht. Der erste bayerische Frauentag 1899 war ein Höhepunkt und zugleich ein Wendepunkt. Immer wieder stockte die Bewegung, wurden Errungenschaften vergessen. Die Nazis vernichteten das Erbe der ersten Frauenbewegung gründlich, aber auch im kollektiven Gedächtnis der Stadt heute haben diese Frauen keinen Platz. „Bayerische Suffragetten“ hat es nie gegeben, aber mit diesem Stück wird die Freundinnenschaft von gestern erfunden und erforscht, um Netzwerke und Role Models für morgen zu befeuern.

Doch auch für Kinder ist was geboten. In „Abtauchen & Auftauchen - Kapitel 1: Ein Regenbogenfisch / Zwei Oktopusse“ (12.6. Premiere, 13.6.) nach dem Bilderbuch Der Regenbogenfisch von Marcus Pfister geht es um den schön leuchtenden, aber eben auch eitlen Regenbogenfisch, der eine wertvolle Lektion lernt und so neue Freunde gewinnt. Auch ein zweites Kapitel, in dem es etwas philosophischer und düsterer zugeht, wird dargeboten (An den gleichen Tagen wie Kapitel 1, nur später am Tag.)

Weitere neue Stücke sind unter anderem Who cares – Können Roboter pflegen? (10.6.) von Gesine Schmidt in einer Inszenierung von Robert Frick und Alles Gold, nichts glänzt (15., 16.6.) von Anne Sophie Kapsner. Daneben gibt es diverse Zoom-Performances und Stücke, die schon länger auf dem Plan stehen. Auch ein Besuch im neuen Habibi Kiosk sei wärmstens empfohlen.

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