Dance 2019

Dance Festival 2019: Vom Wunschtraum, endlich dazuzugehören

Crowd am 23. und 24. Mai im Carl-Orff-Saal

Das Dance Festival bringt noch bis 26. Mai nicht nur die Szene, sondern auch Tanz-Fans und -Freunde zusammen

Wer tanzt, hat vermutlich mehr vom Leben. Für den Protagonisten von Toni is lonely, einer der vielen spannenden Uraufführungen auf dem diesjährigen Dance-Festival, gilt das leider nicht. Der Titelheld ist Schauspieler. Genauer gesagt, ein Schauspieler unter Tänzern. Erzählt wird von einem Mann, der dazugehören möchte, obwohl er offensichtliche Defizite hat. Toni ist unbestreitbar anders. Aber irgendwie wird man in der Bühnen-Perfomance der in München lebenden kanadischen Tänzerin und Choreografin Jasmine Ellis darüber hinwegkommen. Eh klar! (Marstall, 18./19.5.)

In der Fúria-Arbeit von Lia Rodrigues aus Brasilien stellt sich schnell Beklemmung ein: Aus Bergen voller Müll, Altkleidern und Plastiktüten schälen sich nach und nach immer mehr Körper. Sie wirken wie Schiffbrüchige, die zueinander finden, sich gegenseitig stützen, Traummarsch-Formationen bilden. Und doch geht es neben allen Assoziationen von Gewalt und Elend um etwas Elementares: um Gemeinschaftsgefühl. (Muffathalle, 20./21.5.)

Sehr real, sehr ekstatisch, sehr sinnlich wird das Miteinander in der Crowd. Auf einer Brachfläche, wie man sie im Berlin der frühen Tage nach dem Mauerfall kannte, erobern sich junge Menschen einen kreativen Freiraum. Rasch setzten wummernde Bässe ein – und der Rave rollt. So schön, so nostalgisch. (Gasteig Carl Orff-Saal, 23./24.5.)

Selbst zum Akteur kann man in der interaktiven, computergestützten Installation BetweenTheDotsBeta des kanadischen Tänzers, Objektkünstlers und Choreografen Peter Trosztmer werden. Gesteuert vom Tablet oder Smartphone aus, findet man hier rasch eine ungewohnte neue Rolle, erobert neue Räume und macht virtuelle Begegnungen. (MUCCA im Kreativquartier, ab 22.5.)

Menschen aus der Ferne, die sich untereinander jedoch selbst ziemlich fremd sind, kommen in der Delta-Produktion, einer Uraufführung von Yang Zhen, zusammen. Während in China noch die Ein-Kind-Politik herrschte, war Macau noch eine portugiesische Kolononie mit ganz anderen Regelungen. Und in Hongkong wehte der britische Union Jack. Das Zusammenfinden auf engstem Raum dauert an. (Schwere Reiter, 24./25.5.)

Hart und roh wird’s dann noch mal in der Richard-Siegal-Inszenierung Roughhouse, in der sich die Tänzer gegenseitig tumbe Satzfetzen, Gestammel, Parolen und garstige FakeBotschaften entgegenbrüllen. Aggression liegt in der Luft. Aber zum Glück auch ganz viel galliger Humor. (Muffathalle, 24./25.)

Wer schließlich selbst noch zum Festival beitragen und angetrieben von Muskelkraft eigene Entdeckungen machen möchte, der schließt sich einer der der tollen Dance History-Touren an. Auf dem Radl geht’s hier an Orte und zu mehr oder weniger vergessenen Protagonisten der Münchner Tanzgeschichte vom turbulenten Anfang des vergangenen Jahrhunderts. (Treffpunkt jeweils am Künstlerhaus, bis 26.5.)

Und dass man bei der großen Abschlussparty mit elektronischer Musik, Live-Acts und einer Performance von Kim Ramona Ranalter alias KIM_Twiddle mittanzt, müsste ohnehin selbstverständlich sein. (Schwere Reiter, 25.5.)

Autor: Rupert Sommer

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