Theater

75 Jahre Kleines Spiel

Zuschauerraum im kleinen Spiel
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Der Zuschauerraum im kleinen Spiel

Seit 75 Jahren zeigt das Kleine Spiel München Figurentheater für Erwachsene. Am 7. Februar 1947 hob sich der Vorhang für die erste Vorstellung. 

Seither spielte das Ensemble des ältesten privat geführten Theaters Münchens ununterbrochen ein breites Repertoire an Dramen, von Shakespeare bis Brecht, ebenso wie selbst entwickelte Bühnenstücke. Doch seit März 2020 muss der Spielbetrieb ruhen – und das in einer Zeit, in der sich die Münchner Bevölkerung wieder sehr nach Kultur sehnt. Zu intim ist das Ambiente des Theaters, um hier ein sinnvolles Corona-Konzept durchsetzen zu können.

Die Geschichte des Kleinen Spiels

Im April 1946 hatte die amerikanische Militärregierung dem Kleinen Spiel als erster Münchner Bühne eine Spiellizenz verliehen. Die Initialzündung stammte von dem Studenten und Puppenspieler Peter Auzinger, der bereits in den 30er Jahren mit Freund*innen das „Marionetten-Kammerspiel München“ gegründet hatte. Nach den Kriegsjahren wollte er diese Aktivität wieder aufnehmen und fand eine Handvoll Gleichgesinnter:

„Wir sind alle zwischen 20 und 25 Jahre alt und sind betrogen worden, betrogen um die Ideale des Lebens. (…) Noch steckt ein kleiner Funke von Liebe zu Musik, Kultur und zum Leben in uns. (…) So haben wir angefangen, unsere alte Liebe, unser kleines Marionettentheater wieder aufzubauen.“

In einer ausgebombten Atelierwohnung in der Ainmillerstraße wurden die ersten Stücke vor einem kulturhungrigem Publikum aufgeführt. Die erste Generation der Kleinen Spieler*innen war hochproduktiv und zog immer mehr kreative Köpfe an. Tankred Dorst schrieb dort ab 1951 einige seiner ersten Stücke, schon bald gemeinsam mit seiner Mitspielerin und Frau Ursula Ehler, Wilhelm Killmayer komponierte Musik. 

Bühnenkunst auf Spendenbasis

Um allen Menschen den Zugang zur Kunst möglich zu machen, wurde im Kleinen Spiel nie Eintritt verlangt. Bis zum heutigen Tag steht nach der Vorstellung lediglich ein Hut für Spenden bereit. Seit 75 Jahren werden in der Werkstatt des Kleinen Spiels alle Marionetten und Bühnenbilder selbst gefertigt. So konnte sich das Theater, inzwischen in der Neureutherstaße 12, als Ort der kreativen Freiheit jenseits des Mainstreams erhalten.

Seit März 2020 jedoch hat Corona jede Vorstellung in dem kleinen Kellertheater unmöglich gemacht. Auch wenn dem Ensemble die Begegnung mit dem Publikum derzeit sehr fehlt, ist es immer noch inspiriert von demselben „kleinen Funke von Liebe zu Musik, Kultur und zum Leben“. Deshalb entstehen aktuell gleich zwei neue Stücke, die das Kleine Spiel dem kulturhungrigen Münchner Publikum so bald wie möglich zeigen möchte.

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