Wildes München

Wildes München Spezial: Alligator Gozaimasu – Neues Album und Live-Stream

Alligator Gozaimasu -  Episode 7.
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Alligator Gozaimasu - Episode 7.

Wildes München 3 – Neues aus Münchens Underground: Das Projekt Alligator Gozaimasu um Künstlerin und Musikerin Steffi Müller alias Rag Treasure releast sein 7. Album und feiert das mit einem Streaming-Konzert.

Alligator Gozaimasu ist auf viele Arten einzigartig. Zunächst: Das Musikprojekt führt die unerschrocken Lauschenden regelmäßig durch ungeahnte Klangwelten. Während man über die eine kompositorische Idee und die damit verbundene sonische Abenteuerlust lächelnd staunt, lauert die nächste Überraschung schon hinter dem nächsten Sample. Das ist kein Zufall, denn die Veröffentlichungen, Episoden genannt, von Alligator Gozaimasu, sind das Werk vieler Musiker*innen. Sehr vieler.

In der am Sonntag erscheinenden Episode #7 – Solange Bunte Balken Durchlaufen hört man Kompositionen, Klangfragmente und Einfälle von insgesamt 31 Musiker*innen und genialen Dilettant*innen aus aller Welt. Auf den vorhergehenden Alben verhält es sich nicht anders. So viel sonisches Material will koordiniert, kollagiert und assembliert werden. Herz des Projekts ist die Münchner Künstlerin und Musikerin Steffi Müller alias Rag Treasure, die auch als Teil des dynamischen Duos Beißpony, aus dem Umfeld von Chicks on Speed, aktiv ist. Steffi Müller über die kooperative Ausrichtung des Projekts:

„Erste Begegnungen gab es 2014 und 2015 mit Musiker*innen und Künstler*innen auf Tour in Belgien und in Japan. Aus diesen Begegnungen wurden Freundschaften. Mittlerweile formt sich der Klangkörper, also unsere Band der vielen Stimmen, von verschiedenen Orten aus. Mal wächst er, dann nimmt er sich an anderer Stelle wieder zurück. Diejenigen, die auf machen, Lust haben zuzuhören und Musik als Kommunikation verstehen, auch mit Menschen, die nicht nur nach ihrer Bassline tanzen, die sind dabei. Bei Alligator Gozaimasu verflüssigen die Einzelnen nicht zum Kunst Kollektiv mit einheitlicher Botschaft. Viele verschiedene Stimmen versuchen, miteinander zu kommunizieren, reiben sich dabei auch mal und versuchen es gerade deshalb weiter.“

Und wie funktioniert sowas überhaupt, egal, ob grad Corona ist oder nicht? Digital! Der Künstler Colin Djukic aka Zork Free Arts Lab hat auf seinem Server ein Archiv eingerichtet, auf dem die Teilnehmenden ihre Songideen austauschen. Der Berliner Projektraum Orange ‚Ear wiederum stellt seinen Server für gemeinsame virtuelle Bandproben ohne lästig laggende Latenzen bereit. Dann ist es so, „als wären zum Beispiel Lina Zylla aus München, Cup&Saucers aus Sapporo und Billie Thomson aus Cape Town im selben Proberaum.“

Und wie klingt das alles? Eklektisch großartig! Allein die Vielfalt der Stile auf dem neuen Album haut um. Während im Opener „Las Tong“ die Hegemonie der 4/4-Bassdrum karikiert wird, will man zu „Füße ohne Sohle“ trotz der im Titel beschriebenen Beeinträchtigung konzentriert im Viereck tanzen. „She“ erinnert introspektiv-wärmend an die 80er-Heroen von „Der Plan“ und In „Don‘t look back – Soft Forward“ scheint der Zither-Manä mit Nurse With Wound zu jammen. Generell durchzieht die Tracks trotz Absurdität und Abstraktion immer ein großes Maß an Humor und Menschlichkeit.

Wer mag, kann das Album digital auf Bandcamp (https://alligatorgozaimasu.bandcamp.com/album/episode-7-solange-bunte-balken-durchlaufen) erwerben. Die Einnahmen gehen dabei komplett an Seawatch e.V.

Um den Release des aktuellen Albums gebührend zu begehen, wird es am kommenden Sonntag um 14:00 Uhr einen kostenlosen Live-Stream auf Youtube geben:

Beteiligte des Projekts werden in diversen Konstellationen Songs des Albums und weitere Überraschungen performen. Ich freue mich drauf.

Arigato, Alligator Gozaimasu!

Autor: Franz Furtner

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