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Neue Alben von The Wombats, Blood Red Shoes, The National (Soundtrack) und Johnny Cash (Live 1968)

Neue Alben von The Wombats, Blood Red Shoes, The National (Soundtrack) und Johnny Cash (Live 1968)
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Neue Alben von The Wombats, Blood Red Shoes, The National (Soundtrack) und Johnny Cash (Live 1968)

Blood Red Shoes mörderisch, The Wombats trotz Distanz symbiotisch, Johnny Cash zwischen genial und wurschtig und The National romantisch

Blood Red Shoes - Ghosts On Tape

Nichts für Zartbesaitete ist das neue Album von Laura Mary Carter und Steven Ansell aka Blood Red Shoes. Leitmotiv: Serienmord. Dazu Schlagzeuger Ansell: „Das ist unsere Welt, das sind unsere dunkelsten Gedanken und Gefühle - unsere Geister - die wir auf Band festgehalten haben. Ihr seid willkommen, euch uns anzuschließen. Kommt und umarmt das Fremde“. Schön und gut, aber: Warum eigentlich? Das mag für Fans von Psychothrillern und Horrorfilmen erstrebenswert sein, alle anderen sollten die Texte als nötiges Übel verstehen, denn musikalisch ist es wirklich äußerst fein geraten, was die beiden anzubieten haben: düster, geheimnisvoll, berauschend, kraftvoll, mithin also überaus hörenswert. Alternative-Pop wie er sein will und soll: melodiös und packend und herausragend produziert. Kein Wunder, saß doch kein geringerer als Tom Dalgety, ehedem auch für Werke der Pixies, Ghost, Rammstein, Simple Minds und Royal Blood verantwortlich, an den Reglern.

The Wombats - Fix Yourself, Not The World

Entstanden ist „Fix Yourself, Not The World“ in Los Angeles, Oslo und London. An jenen Orten also, wo die Bandmitglieder Frontmann, Sänger und Gitarrist Matthew „Murph“ Murphy, Bassist Tord Øverland Knudsen und Schlagzeuger Dan Haggis jeweils leben. Via Zoom nahmen sie getrennt voneinander ihre jeweiligen Spuren auf und schickten die Daten an die federführenden Produzenten, als da wären: Jacknife Lee (U2, The Killers), Gabe Simon (Dua Lipa, Lana Del Rey), Paul Meaney (Twenty One Pilots, Nothing But Thieves), Mark Crew (Bastille, Rag‘n‘Bone Man) und Mike Crossey (The 1975, The War on Drugs, Yungblud). Ist ja schon mal vorgekommen, dass viele Köche den Brei verdorben haben, nicht so bei den Wombats. Klar, von der romantischen Vorstellung, dass die drei Freunde zusammen im Studio toben und mit viel Spaß bei der Sache einen Indie-Knaller nach dem anderen einspielen, sollte man sich endgültig verabschieden. Dafür aber, dass die Aufnahmen in so einem digitalen und unpersönlichen Kontext aufgenommen und zusammengefügt wurden, klingt das alles in allem doch recht symbiotisch.

OST - Cyrano

Endlich. Neues von The National. Irgendwie, zumindest… Endlich wieder diesen samtigen, ausgewogenen, unaufgeregten Bariton von Matt Berninger hören, ja, fast körperlich spüren. Der National-Sänger, hat mich mit seinem Solodebüt „Serpentine Prison“ schier umgehauen, weswegen es in 2020 mein persönliches Album des Jahres war. Zwei Jahre später ist da zuerst dieses perlende Piano, schon übernimmt Berninger das Kommando und lässt das Ruder nicht mehr los. Zumindest so lange, bis sich dieser grandiose Song mit ein paar Geigen und einer gezupften Akustikgitarre verabschiedet. „Somebody Desperate“ ist mit Sicherheit der Dreh- und Angelpunkt im von den beiden verbrüderten National-Gitarristen Bryce und Aaron Dessner komponierten Soundtrack zu „Cyrano“. Der neue Film des mehrfach ausgezeichnete Regisseur Joe Wright („Die dunkelste Stunde“, „Anna Karenina“, „Abbitte“, „Stolz und Vorurteil“) begeistert Filmfans erneut mit einer einzigartigen romantischen Symphonie der Emotionen. Durch Musik und Eleganz schafft er in dem neuen musikalischen Drama die zeitlose Erzählung einer bewegenden Liebesgeschichte. Auf dem Soundtrack finden sich zudem weitere beeindruckende Gesangsdarbietungen der Musical-Besetzung (feat. Peter Dinklage, Haley Bennett im hemmungslos romantischen und hingebungsvoll dargebotenen „Someone To Say“, Kelvin Harrison Jr. und - man lese und staune - Glen Hansard). Begleitet werden die allsamt herausragenden Stimmen vom höchst inspirierten London Contemporary Orchester. Klar, jetzt erstmal den Film schauen, der startete in Deutschland am 3. März.

Johnny Cash - At the Carousel Ballroom (April 24, 1968)

Ja, mei, keine Ahnung… Klar, Johnny Cash, schöne Live-Aufnahmen, inklusive lakonischer Erzählungen (nicht nur, aber auch bei „Going To Memphis“), verstimmten Gitarren (nicht nur, aber auch bei „Long Black Vail“), kreischender Mundharmonika (vor allem bei „Orange Blossom“) und anderer countryesker Stimmungsaufheller. Sympathisch wurschtig, wie so oft, und auch irgendwie-wo zwischen liebenswert und egal, ist ja schließlich auch der Man In Black höchstpersönlich mit seiner Combo. Für Cash-Heads und Raritäten-Sammler:innen sei noch angemerkt, dass es insgesamt 28 Songs sind, die hier auf „psychedelic colored vinyl“ gepresst wurden, obendrauf gibt’s noch ein Comic-Heftl mit dem Titel „Hello, I‘m Johnny Cash“, das Original-Poster und ein lesenswertes 12-seitiges Booklet mit aktuellen Einordnungen des damals Gespielten und soeben Gehörten von Bob Weir, John Carter Cash, Dave Schools und anderen.

Autor: Gerald Huber

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