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Neue Alben von Ryan Adams, Mammoth WVH, The Shins, Anna Ternheim, Lukas Nelson und Sharktank

Neue Alben von Ryan Adams, Mammoth WVH, The Shins, Anna Ternheim, Lukas Nelson und Sharktank
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Neue Alben von Ryan Adams, Mammoth WVH, The Shins, Anna Ternheim, Lukas Nelson und Sharktank

Neue Alben von Ryan Adams, Mammoth WVH, The Shins, Anna Ternheim, Lukas Nelson und Sharktank

Mammoth WVH - Dito

Als Wolfgang Van Halen seinem vor geraumer Zeit an Krebs verstorbenen Vater Eddie den Song „Distance“ glücklicherweise noch zu Lebzeiten vorspielen konnte, meinte dieser nur ebenso knapp wie für den Sohnemann vermeintlich beruhigend: „No matter what the distance is, I will be with you.“ Der Rest ist (eine rührende) Geschichte: Alle anderen Songs des nun erschienenen Debüts von Mammoth WVH, auf dem Wolfgang Van Halen alle Instrumente selbst einspielte, komponierte er während er seinem weltberühmten Vater in dessen letzten Monaten zur Seite stand. Und es ist eine tolle Hardrock-Platte geworden, exzellent gespielt und auch songmäßig relativ stark. Geradezu hymnisch kommt „Epiphany“ daher, riff-rockig der Opener „Mr. Ed“, enorm treibenden die Rhythmussektion bei Don’t Back Down“, die bei „Stone“ wiederum eher solide und getragen agiert. Balladesk dann „Resolve“, mit schöner Akustikgitarrenunterstützung, ein souveräner, fast schon poppiger Midtempo-Schunkler ist „Think It Over“ geworden und „The Big Picture“ kommt mit rumpelig-stampfenden Blues-Touch daher. Alles in allem ein sehr gelungenes Debüt, für das sich Freunde des ebenso klassischen wie aber auch durchaus zeitgemäßen Rock’n’Roll begeistern werden. 

Ryan Adams - Big Colors

Ich bin ja großer Fan von Ryan Adams. Zuletzt erschien im März das formidable „Wednesday“, welches Adams selbst als „Studie über Verfall und Moral“ einstufte. Gemeint war damit wohl sein eigener, hatte er sich doch im Suff und Drogenrausch der sexuellen Übergriffe und seelischen Grausamkeiten gegenüber gleich mehrerer Frauen schuldig gemacht. Was folgte waren Entzug und herzergreifende Entschuldigungen, die man jemandem, der so wunderschöne Musik macht, gerne vollumfänglich abnimmt. „Big Colors“ nun, geht es nach Einschätzung des geistigen Urhebers, „soll sich wie ein Tagtraum anfühlen.“ Dabei gibt er unumwunden zu, dass „ New York, wo dieses Album geschrieben wurde“ ihn immer „in neue, unerwartete kreative Räume“ treibt. Und fürwahr auch „Big Colors“, der zweite Teil seiner mit „Wednesday“ angekündigten 2021er-Trilogie, ist ein ebenso strahlender wie urbaner Americana-Folk-Pop-Rock-Glücksfall wie man ihn sich nur erträumen kann. Kein Wunder also, dass immer wieder auch ganz Große wie etwa Willie Nelson und Jesse Malin Wert darauf legten von Adams produziert zu werden, während Bands wie Weezer, Fall Out Boy oder America ihn regelmäßig um Rat und Tat baten. Wenn nun auch der dritte Teil so grandios wird, könnte es gut sein, dass in meiner Jahresbestenliste gleich mehrere Alben von Adams unter den Top 10 sind, was bisher nur Nick Cave & The Bad Seeds („Push The Sky Away“, „Live From KCRW“) gelang.

Sharktank - Get It Done

Was eigentlich als Soloprojekt des Wiener Rappers Mile im Studio des Produzenten Marco Kleebauer begann, der dort u.a. schon an den Produktionen von Bilderbuch und Leyya schraubte, und dieser dem Wortakkrobaten Mile dort die Sängerin Katrin Paucz (u.a. in der Liveband von Oehl tätig) vorstellte, war eine famose Band-Idee namens Sharktank geboren. Ab sofort verbandelten die drei HipHop und Rap mit Indie-Rock und LoFi-Pop. Erste Outtakes wie das wunderbare „Washed Up“ etwa, welches sich gleich mehrere Wochen auf Platz 1 der FM4-Charts tummelte, zeitgleich die europäischen Radiowellen mit mittlerweile über 5.000 Einsätze im Sturm eroberte und auch auf Spotify derzeit bei etwa 1 Mio. Streams rangiert, ließen viel erwarten. 13 Songs haben sie nun auf ihrem Longplay-Debüt verewigt, wobei für mich nicht alle zwingend sind, jedoch mehrheitlich schon in die richtige Richtung gehen. Die große Entdeckung für mich ist auf alle Fälle die erst 20-jährige Sängerin Katrin Paucz, der man jetzt schon eine großartige Solo-Karriere prognostizieren kann.

The Shins - Oh, Inverted World

Gut, Re-Release, aber hey, immerhin von: The Shins. Und zwar von ihrem sensationellen Debüt aus dem Jahre 2001. Remastert versteht sich und zwar nicht von irgendjemandem, sondern von the one and only Bob Ludwig. Bandleader James Mercer ist ja tatsächlich der Meinung, dass „Oh, Inverted World“ erst jetzt, also 20 Jahre nach Erscheinen, das Album ist, das er schon damals erschaffen wollte, rein soundmäßig versteht sich. Aber klar, er will ja auch ein paar Einheiten davon absetzen und ganz generell ist er sehr dankbar: „This record gave me the life that I never really dreamed I would have. It opened me up to the whole world and gave me validation.“ Und, ganz abgesehen davon ist ein Wiederhören mit Songs wie „New Slang“, „Caring Is Creepy“, „Know Your Onion!“, „Girl On The Wing“ und all den anderen Indie-Dauerbrennern ein ganz großes Vergnügen. Zumal bei der jetzigen, zeitgemäß aufgemotzten Tonqualität…

Lukas Nelson & Promise Of The Real - A Few Stars Apart

Unverkennbar. Sobald Lukas Nelson den Mund aufmacht hört man auch schon seinen Vater, den kiffenden Country-Quergeist Willie. Fluch oder Segen? Eher Letzteres, denn seine Stimme fasziniert genau wie beim Herrn Papa. Mit diesem wie auch dem Rest der Familie hat der ewig reisende Musikant, der mit seiner Band ab und an auch die Backing-Formation für einen gewissen Neil Young gibt, die diversen Lockdowns über sich ergehen lassen und fand das alles in allem dann fast schon wieder gut: „So schrecklich die Pandemie in vielerlei Hinsicht auch war, für meinen inneren Frieden konnte ich aus dieser Zeit viel Gutes mitnehmen. Ich war in der Lage, innezuhalten und zu reflektieren.“ Wichtig ist das allemal, elementar sogar, zumal man die Kraft, die Lukas getankt hat und die innere Ruhe und Ausgewogenheit die er nun ausstrahlt auch auf seinem neuen Album deutlich hören kann. Dazu Nelson: „Es hat wirklich lange gedauert, bis ich in die Heimat meines Herzens zurückgekehrt bin. Im physischen Sinne sind das Texas und Hawaii. Aber auch im spirituellen Sinne – ich denke, ich habe endlich beschlossen, nicht vor dem wegzulaufen, was ich bin und was ich sein soll.“ Gut so, weswegen am Ende auf „A Few Stars Apart“ dann erfrischend kraftvoller und dennoch stets auch traditioneller Country-Rock von der sehr guten Sorte zu hören ist.

Anna Ternheim - A Space For Lost Time (Special Edition)

Um es kurz zu machen: „A Space For Lost Time“ war 2019 ein tolles Album und ist es auch in der „Special Edition“. Vielleicht sogar noch ein bisschen toller, erhabener. Denn, weniger ist mehr, weiß man nicht nur in der Musik und Ternheim macht sich hier mit diversen sogenannten „Naked Versions“, also minimal instrumentierte – gelegentlich auch nur solo zur Gitarre/Klavier – dargebotene Akustikversionen, unglaublich klein und verletzlich und gewinnt dabei enorm an Größe. Was für eine Stimme, was für packende Songs, zuweilen begleitet vom Kaiser (Streich-)Quartett, wahlweise unterstützt von den Herren Lambert und Helgi Jonsson. Die zweite Hälfte gehört dann wieder den bekannten Band-Versionen, aber wie gesagt, die sind ja auch noch immer recht schön anzuhören…

Autor: Gerald Huber

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