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Neue Alben von Oasis, Elbow, Beach Fossils und Sissi Rada 

Neue Alben von Oasis, Elbow, Beach Fossils und Sissi Rada 
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Neue Alben von Oasis, Elbow, Beach Fossils und Sissi Rada 

Oasis live in Knebworth (1996), Elbow verträumt, die Beach Fossils jazzig und Sissi Rada experimentell

Elbow - Flying Dream 1

Mögen noch tausende solcher fliegenden Träume folgen. Ja, und fertig ist die Plattenkritik, denn was gibt’s schon schöneres als mit dem Resümee zu beginnen. Und schon der dem Album seinen Namen gebende Titelsong zu Beginn, nimmt dich fest in seine molligen Arme, schaukelt dich sanft mit getragenen Pianoakkorden, summt dir eine hübsche Melodie ins Ohr und legt dich sachte wieder ab. „After The Eclipse“ beginnt dann mit einem stimmlich angerauten Einstieg von Maestro Guy Garvey, bis er auch hier wieder in samtigen Singsang verfällt und sich auch hier ein souliger Ohrenschmeichler entfaltet, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Und man könnte hier auch schon beruhigt entschlummert sein und durch seine Träume fliegen. Hach, so schön, all das… Und auch Songs wie „It’s A Bird“, „Six Words“, „Calm And Happy“, „Come On, Blue“ und „Red Sky (Radio Baby Baby Baby)“ tragen ihre Titel nicht zum Spaß und sind allesamt hochwertiges Balsam für die (nicht nur aber auch) von der Pandemie arg ramponierten Nerven. Erst zum Ende hin wagen Garvey und Konsorten in „What Am I Without You“ ab einer Laufzeit von 1:17 Minuten, eine Art Weckruf, nicht zu aufdringlich freilich, aber immerhin so, das man gut erholt wieder an den Start gehen kann, respektive könnte… Denn Vorsicht, beim spieluhrmäßigen Piano-Outro könnte es durchaus passieren, dass man sofort wieder wegpooft.

Sissi Rada - Nanodiamond

Die Fallhöhe wird ja bekanntlich umso größer, je mehr im Umfeld getrommelt wird. So auch bei Sissi Rada, deren Musik, laut Info, „…man so wahrscheinlich noch nie gehört hat.“ Zugegeben, mit Lena Platonos (als Gastsängerin und Freundin), Brian Eno und Andi Toma (Mouse On Mars), hat sie ganz schön Prominenz um sich versammelt, die hier mitgewerkelt hat. Aber gerade die drei, stehen ja schon seit Jahrzehnten genau für diese Art von Ambient, der aus Elementen der Klassik, der Weltmusik, des Neojazz und der Electronica zusammengereimt wird. Von dem her haben Menschen mit einem Faible für eben diese KünstlerInnen wahrscheinlich schon mal etwas ähnliches wie das hier gehört. Wohl wahr ist, dass die in Athen geborene, mittlerweile In Berlin ansässige Rada, eine der besten Harfenistinnen in der zeitgenössischen klassischen Musik und zudem eine hervorragende Electro-Produzentin - mit zugegebenermaßen besten Kontakten - ist. „Nanodiamond“ ist freilich ein experimentelles Rundumerlebnis, gespeist von gespenstischer Melancholie, abstrakten Kompositionen, unterkühlten Maschinen-Beats, subtilen impressionistischen Vibes und einer ebenso soliden wie atmosphärischen Lo-Fi-Electro-Basis. Interessant ja, aber „…so wahrscheinlich noch nicht gehört“? Ich weiß nicht recht, irgendwie/irgendwo, zumindest ansatzweise, wahrscheinlich schon … meine ich zumindest.

Beach Fossils - The Other Side of Life: Piano Ballads

Außer, dass das Klavier von Ex-Beach Fossils-Member Tommy Gardner, welchem hier - dem Titel entsprechend - eine zentrale Rolle zukommt, gelegentlich etwas undynamisch agiert, machen die durch und durch sympathischen und liebenswerten Beach Fossils, die ja bekanntermaßen eher aus dem shoegazigen Chamber-Indie-Pop-Segment kommen, sehr viel richtig. Dazu Bandleader und Sänger Dustin Payseur: „Die Inspiration zu `The Other Side of Life´ beruht auf meiner Liebe zu Künstlern wie Lester Young, Chet Baker, Bill Evans und Coleman Hawkins - im Speziellen auf deren Balladen.“ Und, so Payseur weiter, „wenn ich ihre Musik höre, schmilzt der Rest der Welt dahin und ich versinke in einem glückseligen Dunst. Ich habe regelmäßig versucht, das Gefühl, das ich beim Hören von Jazz habe, zu nutzen und in meine Songs einfließen zu lassen.“ Da geht es ihm wohl ähnlich wie dem ehemaligen Giant Sand-Mastermind Howe Gelb, der seit geraumer Zeit auch seinem Faible für Jazz freien Lauf lässt. Nun haben sich die Beach Fossils, allen voran freilich Dustin Payseur, also ein paar ihrer selbstkomponierten Liebelingssongs geschnappt und diese in der Tradition des klassischen Piano-Jazz (mit verstärktem Saxophon-Einsatz) noch einmal zur Brust genommen und diese zu ebenso gefälligen wie berührenden Rotwein+Zigaretten+Kerzen+Mondschein-Sonaten umgestaltet. Ebenso mutig wie bezaubernd.

Oasis - Knebworth 1996

Oasis waren damals die größte Rockband der Welt. Punkt! Dass wir mit unserer Band Cat Sun Flower damals am 12. Januar 1996 im Wappensaal als Supportact spielen durften ist eigentlich nicht von Belang, auch nicht, dass ich Oasis ein paar Monate später, als sie dann im ebenfalls ausverkauften Terminal 1 spielten, als Fahrer im Hotel abgeholt habe und den Tag über ihr Runner war… Aber, es verbindet mich doch auf ganz spezielle Weise mit einer der größten britischen Bands aller Zeiten, die ich persönlich Blur immer vorgezogen habe. Heute sehe ich das etwas differenzierter, auch wenn „(What’s The Story) Morning Glory“ in meinem Herzen nach wie vor der Meilenstein des sogenannten BritPop ist. Eins vorneweg, die Gallagher-Brüder waren (und sind es wahrscheinlich auch heute noch) überwiegend unsympathische, mit zunehmendem Erfolg auch größenwahnsinnige Prolls, auch wenn sie sich mir gegenüber ordentlich benahmen, wenngleich etwas maulfaul. Die anderen drei (Paul „Guigsy“ McGuigan, Paul „Bonehead“ Arthurs und Chris Sharrock) erwiesen sich tendenziell eher als zurückhaltende und freundliche Zeitgenossen. Aber ja, auch ich krieg immer noch Gänsehaut, wenn ich an all das zurückdenke, erst vor etwa einem Jahr, als „Supersonic“ auf ARTE ausgestrahlt wurde. Eine wahrlich meisterhafte Dokumentation, nicht nur für Fans, denn mit einem hatte, ich glaube Liam kommentierte sinngemäß aus dem Off, während sie mit dem Hubschrauber über den Menschenmassen von Knebworth rotierten, dass Oasis die letzte große analoge Rockband war, womit er wahrscheinlich sogar Recht hat. Jetzt also erscheint nach dem Konzertfilm, welcher unter dem selben Titel zum 25-jährigen Jubiläum Anfang September diesen Jahres in die Kinos kam, das Album zu den beiden Konzerten die am 10. und 11. August 1996 vor insgesamt 250.000 ZuschauerInnen stattfanden, auf 3-LP, CD-Set und - ja - auch digital.

Autor: Gerald Huber

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