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Neue Alben von Noga Erez, Neil Young, ELDA, Ben Howard und Death From Above

Noga Erez, Ben Howard, ELDA, Neil Young und Death From Above
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Noga Erez, Ben Howard, ELDA, Neil Young und Death From Above

Noga Erez über politische Unwuchten in ihrer Heimat Israel, Neil Young solo, gemischte Gefühle bei Death From Above, Ben Howard auf Bon Ivers Spuren und ELDA sind eine deutsche Indiepop-Verheißung

Noga Erez - KiDS

Das Wahlergebnis in Israel dürfte nicht dem Geschmack von Noga Erez entsprechen. Und obwohl sich abzeichnet, dass sich Benjamin Netanjahus Position erneut verschlechtert hat, ist dessen konservativ-nationalistische Likud-Partei offensichtlich erneut stärkste Kraft geworden. Die Musikerin, Produzentin, Sängerin und Rapperin aus Tel Aviv ist eine bekennende Netanjahu-Gegnerin, wie sie im Interview mit der Deutschen Welle kund tat: „Man muss nur die Posts der Regierung auf Twitter und Facebook lesen und versteht, dass sie das Ziel haben, die Gesellschaft zu spalten, um an der Macht zu bleiben. Es existiert eine Art Lexikon des Hasses gegenüber der Linken. Jeder, der sich auf der linken Seite der politischen Landkarte befindet, wird zum Feind aus dem Inneren gemacht. Höchste Regierungsmitglieder, Netanjahu selbst, reden genau so.“ Und so handelt auch ihr neues Album „KiDS“ von „politischen Unwuchten“ in ihrer Heimat. Aber auch andere Themen bestimmen ihren atemberaubenden Mix aus Electro und Pop, HipHop und Rap, Avantgarde und Clubsounds, als da wären Beziehungsprobleme, der Tod, Außenseiter, die absurden Auswüchse des täglichen Social Media-Wahnsinns u.a.

Fazit: Spannend. Bewegend. Ja, mitreißend.

Anspieltipps: Ohrwurmqualität hat ganz gewiss „End Of The Road“, während die Lockdown-Hymne „NO News On TV“ ebenso depressiv verstimmt wie tanzbar-beschwingte daherkommt. Stark auch die toxischen Beziehungsdramen „You So Done“ und „Story“ (sh. Video).

Neil Young - Young Shakespeare

Im Hause Young wird seit geraumer Zeit offensichtlich das Archiv gesichtet und alles, was für gut und wichtig erachtet wird, wird nun auch der breiten Öffentlichkeit nicht länger vorenthalten. Letztens erst hatten wir das große Vergnügen eines dreistündigen Livemitschnitts der unter dem Titel „Way Down In The Rust Bucket“ erschien. Hier wurde Young von seiner ihm angestammten Begleitband Crazy Horse begleitet. Nun also „Young Shakespeare“, ebenfalls ein bis dato unveröffentlichter Live-Mitschnitt und Konzertfilm, der, so heißt es, offensichtlich die frühesten Filmaufnahmen von Young enthält. Hierbei handelt es sich um ein Konzert in Stratford, Connecticut, aus dem Jahr 1971 welches ihn in klassischer Singer/Songwriter-Manier zeigt, aufs absolut Wesentliche reduziert mithin also lediglich mit Akustikgitarre, Piano und Mundharmonika ausgestattet. Demzufolge ist das natürlich alles sehr minimalistisch und intim und ein Zeitdokument, dass sich Neil Young-Fans keinesfalls entgehen lassen sollten.

Fazit: Erstaunlich guter Sound, die Aufnahmen sind ja immerhin 50 Jahre alt. Dazu Neil Young: „An meine Fans sage ich: das ist das Beste überhaupt... klanglich eine der pursten Akustik-Performances, die wir im Archiv haben.“

Anspieltipps: Ein Konzert, demzufolge einfach mal alle.

ELDA - Golden Bowl

Alessa Stupka und Leila Antary sind ELDA, unterstützt von Annelie Schwarz am Schlagzeug und Quotenmann Daniel Hertel. Bei den Aufnahmen zu ihrer aktuellen EP hat sie zudem der über jeden Zweifel erhabene Produzent und Klez.e- und The Golden Choir-Mastermind Tobias Siebert maßgeblich unterstützt, was den von Haus aus schon ausgeschlafenen Indiepop der vier definitiv in internationale Gefilde hievt. Klar, Boy fallen einem ein, Cari Cari und auch Hundreds, wobei ELDA aber immer eine Spur progressiver und auch düsterer wirken. Und dabei setzen sie voll auf Understatement, Ecken und Kanten, und scheuen sympathischer Weise den großen Poptrubel wie der Teufel das Weihwasser. Erfrischend eigenständig und eigensinnig klingt das dann demzufolge auch, weswegen die Frankfurter*innen definitiv eine Entdeckung sind, von der man in Zukunft bestimmt noch einiges erwarten darf.

Fazit: Weiter so. Große deutsche Indiepop-Hoffnung.

Anspieltipps: Ist ja nur eine 6-Track-EP, von dem her eigentlich alle, wobei mich „Ringtone Remedy“ und „8 Meters“ (sh. Video) ganz besonders angesprochen hat.

Death From Above - Is 4 Lovers

Mit ihrem relativ einfach gestrickten, dynamisch äußerst linearen und auch sonst eher gradlinigen Electro-Punk-Dance-Rock haben es die beiden Kanadier Sebastien Grainger und Jesse F. Keeler verhältnismäßig weit gebracht: Support-Tourneen für Nine Inch Nails und The Queens Of The Stone Age etwa, Festival-Slots bei allem was Rang und Namen hat (inkl. SXSW, Lollapalooza, Coachella, Glastonbury, Reading, Lowlands u.a.) sowie TV-Auftritte bei David Letterman, Conan O‘Brien und Jimmy Fallon trugen dazu bei, dass die beiden nun schon seit geraumer Zeit in der ersten Liga spielen. Dann war jetzt mal vier Jahre Pause, weswegen man schon gespannt sein durfte, was sie uns nun 2021 mitzuteilen haben. Es ist, nun ja, nicht viel Neues dazugekommen, ehrlich gesagt. Straight und verzerrt rockt das nach wie vor sehr direkt daher, was auf den weltweiten Festivals, wenn sie denn dann irgendwann wieder stattfinden dürfen, dann durchaus zu tobenden Moshpits (vorne) und allgemeinem gefälligen Kopfnicken (ab dem Mischpult) goutiert werden dürfte. Auf Platte oder – schlimmer noch – im Stream allerdings, kommt das aber eher etwas anstrengend (in den besseren) bis nichtssagend (in den weniger guten Songs) daher. Nicht falsch verstehen bitte, die geben schon Vollgas und das packt einen schon auch, dann und wann, aber Bands wie die Viagra Boys, Sleaford Mods, Idles, Shame u.a. sind mir da momentan einfach näher.

Fazit: Gemischt.

Anspieltipps: Die erste Single „One + One“ wurde durchaus mit Bedacht ausgewählt, auch noch ganz gut gelungen sind „Modern Guy“, die völlig untypische und somit sympathisch herausragende Piano-Ballade „Love Letter“ und der epische Rausschmeißer „No War“.

Ben Howard - Collections From The Whiteout

Da, wo Aaron Dessner (Taylor Swift, Sharon Van Etten) – um den sich derzeit so ziemlich alle reißen – draufsteht, ist dann in der Regel auch immer jede Menge gute Musik drinnen. In dem Fall hat der The National-Tausendsassa aber eben auch nur produziert und zwar die oftmals auch abseitigen Geschichten von Ben Howard, der dann von zerstückelten Leichen, von toten Amateurseglern, deutsch-russischen Betrügerinnen, Flugzeugdieben und allerhand anderer dolldreister Gestalten, sowie privaten Anekdoten aus seinen Wahlheimaten Paris, Devon und Ibiza erzählt. Musikalisch ist das fein verpackt, in elektronischen Singer/Songwriter-Indieprogpop (unter gelegentlichem Lagerfeuergitarren-Einsatz) versteht sich, bei dem diesmal nicht nur der Streicher-Arrangeur von Bon Iver und Laura Marling (Rob Moose) sondern obendrein auch noch Kollegen von Big Thief und This Is The Kit sowie der rhythmisch ebenso grandios verzwickt, wie überraschend lässig auftrommelnden Jazz-Schlagwerker Yussef Dayes mitwirkten.

Fazit: Nicht immer leicht zugänglich, definitiv aber hoch interessant.

Anspieltipps: „Follies Fixture“ (sh. Video), „Far Out“, „Rookery“, „Sorry Kid“ und „Metaphysical Cantations“

Autor: Gerald Huber

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