Angespielt

Neue Alben von Fratellis, Kishi Bashi, Foxes, Flock Of Dimes und Shakey Graves

Alben-Tipps: Fratellis, Kishi Bashi, Foxes, Flock Of Dimes und Shakey Graves
+
Fratellis, Kishi Bashi, Foxes, Flock Of Dimes und Shakey Graves

Foxes widmet sich ihrer Oma, The Fratellis herrlich nostalgisch, ein nostalgischer Akustik-Trip mit Kishi Bashi, Shakey Graves für Spezialisten und Indiepop von den Flock Of Dimes

Foxes - Friends In The Corner

Tolle Frau, die Oma von Louisa Rose Allen aka Foxes: Politische Aktivistin, engagierte Umweltschützerin, Feministin, damals in den 70ern. Jetzt widmete die Enkelin ihr die erste Singleauskopplung aus der hier vorliegenden EP. „Kathleen“ (sh. Video), so der Name der Großmutter, habe sie inspiriert, sie ermutigt Gedichte zu lesen, ihr Wege aufgezeigt und Werte vermittelt, an denen sie sich stets orientieren konnte. Ein schöner Song, viel Herz und viel Dankbarkeit kann man da ohne Mühe raushören: „For me, `Kathleen´ closes the chapter of the last year. Focussing on creativity during lockdown has been essential for me – it’s given me so much strength and positivity.“ Foxes scheut die großen Popmomente nicht und erinnert dabei schon mal an Kate Bush, wie etwa im Refrain des Openers „Friends In The Corner“. Funky geht es dann bei „Love Not Loving You“ zur Sache, während man sie mit „Dance“ schon mal in Richtung Kylie Minogue abdriften hört. Zum Ende noch mal die Ode an „Kathleen“, als minimalistische Pianoballade, wobei ihrer Stimme dann dementsprechend mehr Raum zur Verfügung steht, den Foxes erwartungsgemäß gut zu nützen weiß.

Fazit: Ende des Jahres soll ein Longplay-Album erscheinen, auf das man sich jetzt schon freuen darf.

Anspieltipps: sh. Text.

The Fratellis - Half Drunk Under A Full Moon

Starker Auftakt, gleich mit dem Titelsong. Dieser kommt daher, als wäre kurz mal Bert Kaempfert auferstanden und hätte zusammen mit dem ebenfalls ins Diesseits zurückgekehrten Ennio Morricone den Fratellis geflüstert, wie man einen grandiosen Popsong mit hübschen Hooks, Kastagnetten, Pauken und Trompeten und jede Menge Streicher-Schnickschnack 60s-mäßig aufonduliert. Sehr, sehr schön. Und so geht die Easy-Pop-Sause gleich weiter: „Need A Little Love“ ist unwiderstehlich (süß), während „Lay Your Body Down“ fast schon wieder unnachahmlichen 70s-Charme versprüht. Leicht Coldplay’esk – aber immer noch im Retroschick versteht sich – wird’s dann mit „The Last Songbird“ wohingegen sich „Strangers In The Street“ als schmalzig-pompöse Ballade geriert. Um es kurz zu machen: Das neue Fratellis-Album ist ein unverbesserlich gut gelaunter Wonneproppen, der einem jede Menge großartige und unbeschwerte Momente schenkt und obendrein von Tony Hoffer (Beck, Phoenix, Supergrass) in L.A. (wo sonst?) ganz vorzüglich und herrlich nostalgisch produziert wurde.

Fazit: Dringend nötiges Pop-Serotonin. Danke dafür!

Anspieltipps: Auch hier alle erwähnten sowie der getragene Balladen-Rausschmeißer „Hello Stranger“.

Kishi Bashi - Emigrant

„Sonderlust“, das 2016er Meisterwerk des grandiosen US-amerikanischen Multiinstrumentalisten mit dem bürgerlichen Namen Kaoru Ishibashi, war für viele eine Offenbarung. Schwer zu sagen, ob er mit „Emigrant“ daran anknüpfen kann, aber auch in 2021 zeigt er wieder was in ihm steckt. Sei es mit seinen filigranen Eigenkompositionen oder den bezaubernden Coverversionen von Regina Spektors „Laughin With“ oder „Early Morning Breeze“ von Dolly Parton. Mit dieser EP will auch er die Eindrücke der Pandemie verarbeiten, den Stillstand hinter sich lassen und sich thematisch auch wieder, wie etwa in „Cascades“, ein bisschen dem Klimawandel widmen. In „Town Of Pray” wiederum verhandelt Kishi Bashi eine Tragödie von historischem Ausmaß, denn: „I want to understand the history, but also dive in and really try to humanize it. I’m trying to show how we‘re all the same type of human being. We have the same desires and needs, to protect our loved ones and also to celebrate the everyday.” Aktuell changiert bei all dem sein Klangspektrum irgendwo zwischen Country, Pop und Folk (mit schwachem japanischem 60s-to-70s-Bluegrass-Einfluss), all dies immer in Verbindung mit schwerem Saitenzupf-Einschlag, äh, -anschlag.

Fazit: Ein nostalgischer Akustik-Trip für Freunde von Sufjan Stevens bis Andrew Bird.

Anspieltipps: Die Version von Partons „Early Morning Breeze“ (sh. Video) ist schon ganz besonders, aber, sind ja auch nur sechs Titel, von dem her kann man ruhig alle mal anspielen.

Shakey Graves - Roll The Bones X

Fließender Übergang zu Alejandro Rose-Garcia aka Shakey Graves. Der Texaner aus Austin, mit mittlerweile über 400.000 verkauften Alben und etwas mehr als 325 Millionen Streams kein Unbekannter mehr im Americana-Genre, feiert 2021 das zehnjährige Jubiläum seines Debütalbums, welches ihn einst via Bandcamp weltweit bekannt machte. Auch er huldigt einer minimalistischen Akustikvariante des Country’n’Folk und zupft dabei behände seine Stahlsaitengitarre. Der mit brillantem Fingerstyle dargebotene Titelsong (sh. Video) ist dabei besonders hervorzuheben, genauso wie das – der Boss dürfte seine wahre Freude daran haben – harmonisch weitestgehend verfremdete Bruce Springsteen-Cover „I’m On Fire“. Und, auch dies eine wahre Freude, es rauscht und knarzt an allen Ecken und Kanten, vor allem bei den hier zusätzlich angebotenen früheren (Demo-)Aufnahmen und alternativen Versionen von Songs aus seinem späteren Œvre. Vor allem No-Fi-Recordings wie „Georgia Moon“ und „Dusty Lion“ haben dabei, in dieser völlig durchdigitalisierten, ultra sauberen Musikgegenwart, ihren ganz speziellen Reiz.

Fazit: Ein herrlich unzeitgemäßes, ja, völlig aus der Zeit gefallenes und dafür umso liebenswerteres Musikdokument für Spezialisten. Sehr sympathisch.

Anspieltipps: Schwer zu sagen, bei dieser sage und schreibe 25 Tracks umfassenden Doppel-CD. Ein paar habe ich bereits erwähnt, darüber hinaus auch sehr schön: „Word Of Mouth“ und „Bully’s Lament“.

Flock Of Dimes - Head Of Roses

Das Album der Wye Oak- und/oder Dungeonesse-Vorsitzenden Jenn Wasner soll, geht es nach ihr, funktionieren wie ein gut zusammengestelltes Mixtape. Allen, die jetzt nicht mehr wissen, was ein Mixtape ist, sei gesagt, dass man früher – also sehr viel früher, als Musik noch nicht immer und überall in digitaler Penetranz zur Verfügung stand – stundenlang, mit sehr viel Liebe für seine Liebsten (oft auch genreübergreifende) Musikkassetten zusammengestellt hat, die zum einen Ausdruck seiner eigenen Befindlichkeit, aber eben auch den Geschmack des/der Bemixten treffen sollten. So gehört ist „Head Of Roses“ also ganz bestimmt was Besonderes. Die Befindlichkeit der hier Kompilierenden ist dabei eine schmerzliche, auf der es um gebrochene Herzen geht, hüben wie drüben. Dabei geht es Wasner um die Erkenntnis, dass „die Erfahrung des eigenen Schmerzes mit der Einsicht in Einklang zu bringen sei, dass es unmöglich ist, durch das Leben zu gehen, ohne für jemand anderen die Quelle großen Schmerzes zu sein.“ Diese Amivalenz lässt sich, nicht nur, aber eben auch, ganz vorzüglich in solch experimentierfreudigem wie hochmelodischem, stets zwischen elektronisch und akustisch pendelndem Indiepop ausdrücken, wie ihn Wasner hier liebevoll gemeinsam mit Produzent Nick Sanborn (u.a. Sylvan Esso, Made Of Oak) zusammengestellt hat.

Fazit: Haut mich jetzt nicht ganz soooo vom Hocker, hat aber durchaus seine sehr schönen, persönlichen Momente… ganz so wie bei den Mixtapes halt.

Anspieltipps: …wie etwa „Hard Way“ (sh. Video). Oder „One More Hour“. Oder: „2 Heads“. Oder…

Autor: Gerald Huber

Auch interessant

TV-Tipps

Unsere TV-Tipps am 11.05.2021

Unsere TV-Tipps am 11.05.2021

Heimspiele

Neue Alben von LaBrassBanda, Hannes Ringlstetter, Claudia Koreck, Roland Hefter und SiEA

Neue Alben von LaBrassBanda, Hannes Ringlstetter, Claudia Koreck, Roland Hefter und SiEA

Kulturdemo

Aufstehen für Kultur abermals am Königsplatz

Aufstehen für Kultur abermals am Königsplatz

Ortsgespräch

Hannes Ringlstetter im Interview: „Ich versuche nicht durchzudrehen“

Hannes Ringlstetter im Interview: „Ich versuche nicht durchzudrehen“