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Neue Alben von Cornelius Claudio Kreusch, Web Web x Max Herre, All My Monsters und der Krohn Band

Neue Alben von Cornelius Claudio Kreusch, Web Web x Max Herre, All My Monsters und der Krohn Band
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Neue Alben von Cornelius Claudio Kreusch, Web Web x Max Herre, All My Monsters und der Krohn Band

Hochklassige Piano-Transformationen von und mit CCK sowie ein grandioser Spiritual-Jazz-Jam mit Roberto Di Gioia & Web Web feat. Rap-As Max Herre

Cornelius Claudio Kreusch - Transformer

Ja, sind jetzt auch schon bald drei Jahrzehnte, in denen ich bekennender CCK-Fan bin. Zum ersten mal habe ich ihn vielleicht Anfang/Mitte der 90er-Jahre live erleben dürfen. Damals war es ein Nachwuchs-, respektive Bandwettbewerb im Nachtwerk, von wem auch immer ins Leben gerufen, bei dem damals so hoffnungsvolle Talente wie Lustfinger, die No Goods und eben Cornelius Claudio Kreusch ihr Talent zeigten. Und es war augenscheinlich, dass alle, so unterschiedlich die musikalische Ausrichtung auch gewesen sein mag, was können und drauf haben und es deswegen keinen Grund gibt, warum die nicht schon alsbald ganz groß im Pop-Geschäft sein sollten. Nun, es kam anders… Lustfinger erinnere ich mich noch, sind damals in einer weißen Stretchtlimo angereist, ganz die Punkrock-Stars, die sie halt heute auch noch sind, wenn sie als Support in der Glocke spielen… Nun, und die No Goods, glaube ich sind derzeit auch nicht mehr so arg aktiv, aber CCK macht in aller Regelmäßigkeit auf sich aufmerksam und das ganz ohne viel Aufhebens um sich und seine Person. Dafür besticht er immer wieder mit filigraner Grandezza am Klavier, mit hoher Fingerfertigkeit, ohne gleich weltmeisterlich zu wirken und besticht immer wieder auch mit sehr viel Gefühl und hoher Emotionalität. Ein Könner seines Fachs, ein Meister seines Instruments, ein Hauch von Genie, nun auch wieder auf „Transformer“. Ein fantastisches Solo-Piano-Vergnügen ist dieses geworden, eine zutiefst berührende 88-Tasten-Transformation irgendwo zwischen sehr viel Jazz, ein paar freien Improvisationen und einigen wenigen, dafür umso betörenderen romantisch-poppigen Klassik-Schlenkern, eines, von dem man sich gerne bei Kerzenschein und einem schönen Glas Rotwein verzaubern lässt. Da capo, maestro!

Web Web x Max Herre - WEB MAX

Schau mal einer an, der Max Herre. Der schwäbische Rapper, Singer-Songwriter und Produzent, zudem A&R beim Label Nesola, welches er zusammen mit seiner Frau Joy Denalane betreibt, ist bisher nicht als dezidierter Jazz-Afficionado in Erscheinung getreten. Wurde also Zeit, aber dann gleich so? War nicht zu erwarten… Aber der Reihe nach: Web Web ist in allererster Linie der in Mailand geborene Roberto Di Gioia. Seines Zeichens seit einer halben Ewigkeit passionierter Münchner Musikgott und Kollaborateur von allsamt Begnadeten wie The Notwist, Klaus Doldinger’s Passport, Till Brönner, Max Mutzke, Udo Lindenberg, Helge Schneider, Johannes Enders, Console und und und… Auch er ein Meister seines Fachs, zumal dann, wenn es ums Jazzpiano geht, welches dann im Gesamtbild auch noch der Klangästhetik der 70er-Jahre entspricht. So auch bei diesem gar wunderbaren Nostalgie-Flash namens „WEB MAX“. Kennengelernt haben sich der Stuttgarter Herre und der Münchner Di Gioia als sie gemeinsam 2014 für ein paar Shows als Gäste des genialen Gregory Porter geladen waren. Porters Herangehensweise mit einem Jazz-Quartett inspirierte Herre, selbst darüber nachzudenken, wie man als Rap-Musiker in einem freieren musikalischen Konzept arbeiten könnte. Di Gioias daraus hervorgegangene Eingebung war derweil schon gleich etwas direkter und konkreter: Der Pianist hatte die Jazzbühnen seiner frühen Jahre weitgehend hinter sich gelassen, auf denen er bereits in den 80er Jahren mit Jazz-Größen wie Woody Shaw, Johnny Griffin und/oder James Moody gespielt hatte. Ein beiläufiger Jam während des Soundchecks mit Porters Musikern ließ die alte Leidenschaft aber aufs Heftigste neu entflammen. Kurze Zeit später rief ihn Herre an und meinte: „Lass uns eine Spiritual Jazz-Session auf die Beine stellen.“ Sechs Jahre später erscheint mit „WEB MAX“ nun das Album zur Eingebung, welches sich stilistisch nirgends so richtig zuordnen lässt, dennoch aber orientalische, arabische, asiatische und afrikanische Einflüsse mithin also Ethno mit dem ver- und berauschten 70s-Barjazz in New York und London verbindet. Es ist eine wundervolle, ach was, geniale Hommage an die kosmische Weltoffenheit des Früh-70er-Jazz und, laut Info, „an die transzendente Erhabenheit des spirituellen Sounds.“ Und fürwahr, dieses Album - mit dabei sind selbstverständlich auch Di Gioias langjährige Weggefährten Tony Lakatos (sax), Christian von Kaphengst (b) und Drummer Peter Gall sowie die Gäste Mulatu Astatke, Brandee Younger, Charles Tolliver (Strata East) - öffnet Horizonte fern ab jeglicher Vorstellungskraft und lässt einen für die gesamte Spieldauer an das Schöne im Leben und eine intakte Weltgemeinschaft, mithin also an das Paradies auf Erden, denken und ernsthaft davon tagträumen. Funktioniert übrigens auch ganz ohne irgendwelche stimulierenden und bewusstseinserweiternden Hilfsmittel. Ehrlich, ich hab’s probiert. Fantastisch! Meisterwerk!! Danke!!!

All My Monsters - Higher Ground

Bandleader Yeti Teutsch und seine Formation All My Monsters stehen für eine durch und durch, na ja, nennen wir es mal authentische Mischung aus Indie, Folk und Rock. Der Sound der Band ist eine Hommage und Huldigung an die großen Momente der analogen Rockmusik, angefangen bei den 60er und 70er-Jahren über 90s-Grunge und Westcoast bis hin zum von Haus aus schon mal zeitlosen Garage-Rock. Dabei ziehen All My Monsters live ihr Publikum mit direkten und rauen Gitarrenklängen in ihren Bann, die sich immer wieder prächtig mit dem gefühlvollem Gesang ergänzen. Und all das kommt im klassischen Rocktrio-Format daher, denn Teutsch wird auf der Bühne lediglich von einer kraftvollen Rhythmussektion unterstützt, die sich aus Seppo Schöne (Bass) und Schlagzeuger Ben Esen (Ex-Freaky Fukin’ Weirdoz, Pearls For Pigs, M.E.M. u.a.) zusammensetzt. Der musikalische Bogen spannt sich von knackigen-kantigen Gitarrenriffs über soulige Countrysongs, verträumt poetische Balladen bis hin zu ungestümen Surfrock. Erinnerungen werden dabei wach, an die ganz Großen, angefangen bei den Black Crows bis hin zu den Altmeistern Tom Petty & The Heartbreakers und Neil Young, mit oder ohne Crazy Horse, versteht sich. Die Texte von Singer/Songwriter Yeti erzählen häufiger von Liebe, die mal glückt, mal weniger, vom ungebrochenen Mut und von vielerlei Passionen, aber auch vom Abenteuer des Lebens und der puren Macht der Fantasie. „Higher Ground“ erschien bereits im August als limitierte Vinyl-Edition. Am 25. September wird dieses im Cafe Schaumamoi, Tegernseer Landstraße 82, live präsentiert.

Krohn Band - the missing link

Nun, von der inhaltlichen Grundausrichtung und der musikalischen Geisteshaltung her sind Hans-Peter Krohn und seine Musiker Agostini Catanzaro/Alfons Hefter (dr, perc), Christoph Famulier (b), Otto Staniloi (sax, fl) und Peter Bornkessel (key) gar nicht so weit von All My Monsters entfernt. Auch sie huldigen einem Mix aus Rock und Pop und Blues und Folk und Westcoast, gehen dabei aber schon sehr viel behutsamer, fast übervorsichtig zu Werke. Die leider allzu glatte Produktion verstärkt zudem den Eindruck, dass ihre Vorlieben allem Anschein nach eher im Mainstream- als im Alternative-Genre wurzeln. Nichtsdestotrotz, musizieren hier allsamt engagierte und handwerklich wirklich ausgezeichnete Musiker, die mit ihren Soft-Rock-Eigenkompositionen auf „the missing link“ zwar das Rock-Pop-Rad nicht neue erfinden, jedoch MOR-Fans durchaus ein paar schöne Momente bereiten können.

Autor: Gerald Huber

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