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Neue Alben von Billie Eilish, Son Volt, Grizfolk und Lauran Hibberd

Neue Alben von Billie Eilish, Son Volt, Grizfolk und Lauran Hibberd
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Neue Alben von Billie Eilish, Son Volt, Grizfolk und Lauran Hibberd

Billie Eilish endlich glücklich? In jedem Fall aber gewohnt gut, während Lauran Hibberd mit ihrer EP die Slacker-Pop-Sensation der Saison ist

Billie Eilish - Happier Than Ever

Selten konnten sich alle so einhellig darauf verständigen, wer der größte weltweite Popstar der Gegenwart ist. Billie Eilish, klar! So gehörte sie auch dieses Jahr wieder zu den glücklichen Grammy-Gewinner*innen, denn die Vorjahressiegerin erhielt für „everything i wanted“ in der Kategorie „Record Of The Year“ die begehrte Auszeichnung. Zudem heimste sie gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas für ihren James Bond Titelsong „No Time To Die“ den Sieg in der Kategorie „Best Song Written For Visual Media Category“ ein. Womit Billie Eilish die erste Solo-Popkünstlerin in diesem Jahrhundert wäre, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren den Grammy erhielt. Aber, olle Kamellen quasi, denn jetzt steht schon ihr neues Album mit dem verheißungsvollen Titel „Happier Than Ever“ an. Und man wünscht es ihr so sehr, - ihr, die so viel Positives bewegt hat, für die Gleichberechtigung und das Selbstvertrauen und -bewusstsein vieler Millionen junger Frauen und Mädchen quer über den Erdball - dass sie sich toll fühlt, vielleicht sogar so etwas ähnliches wie Glück empfinden kann… auch trotz oder gerade wegen der fast schon getrockneten Tränen auf ihrer Wange auf dem Cover. Wunderschön die zweite Singleauskopplung „Your Power“ mit der unaufgeregten sorgsam geschlagenen Lagerfeuergitarre, über die sie ihr unnachahmliches Vibrato erzittern lässt. Großartig auch das minimal-elektronische „NDA“, bei dem auch das altbekannte Sounddesign ihres kongenialen Bruders wieder voll und ganz zum Tragen kommt. Extrem lässig groovt auch „Lost Cause“ daher und auch hier braucht es nur minimale Programmings und Editings um Billie Eilish in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Starke Frau, starkes Album!

Son Volt - Electro Melodier

Jay Ferrar, soviel sei als biofaktisches Intro in aller Kürze erlaubt, gründete Son Volt kurz nachdem er 1994 bei Uncle Tupelo ausschied. Von da an mauserte er sich mit seiner neuen Formation zu einer festen Größe in der Alternative-Country- und Americana-Rock-Szene. Schon ihr Debüt „Trace“ wurde seinerzeit euphorisch über den grünen Klee gelobt, was sich nun bei ihrem hier vorliegenden 21er Werk durchaus wiederholen könnte. Mir zumindest gefällt es ausgezeichnet, dieses Ehrlich, Unverstellte, Direkte, Authentische, gleichzeitig aber auch durchaus Innovative und Zeitgemäße. Ferrar hat Ahnung, etwas zu erzählen und kompositorische Fähigkeiten, für die sich manch andere den kleinen Finger abschneiden würden, um an ihn heranzureichen. Man kann Ferrar und seine Son Volt gerne auch in einem Atemzug mit Willy Vlautins Formation Richmond Fontaine nennen, musikalisch sowieso und aufgrund der kritischen Texte über ein gespaltenes Amerika und mangelnde Gleichberechtigung allenthalben auch inhaltlich.

Grizfolk - Dito

Eins gleich mal vorweg: Rich Costey ist genau der richtige Mann am Mischpult und als produzierender Strippenzieher für dieses US-amerikanisch-schwedische Quartett sowieso, hat er doch bereits Bands wie Muse oder Death Cab For Cutie in den Pop-Olymp gemischt und produziert. Jetzt versucht er es also mit Grizfolk und die Zeichen stehen gut, dass es ihm gelingen könnte. Opulent schon der Opener „Fumes“, ganz großes Indie-Folk-Rock-Besteck. Es folgt das herzzerreißende, natürlich an John Lennon gemahnende „Be My Yoko“, was für ein großartiges Liebeslied. „California High“ eröffnet gleich mal mit einer kantigen Westcoast-Rockgitarre, während „Not That I Know“ dann mit einer feinen Electro-Basis tatsächlich auch mal an Benjamin Gibbard und seine Death Cab erinnert. „Gone“ dann ist ein wenig enttäuschend, erinnert es doch ein klein wenig an die tendenziell eher, nun ja, vielleicht etwas zu lieblichen, gelegentlich sogar sorglos naiven Folk-Hits wie man sie eher hierzulande bei Radiobands wie den Mighty Oaks oder früher auch Fools Garden erwarten würde. Doch Schwamm drüber, denn schon „The Ripple“ verspricht Besserung im Country-Roots-Stil und auch „Money“ lässt ein wenig den Mississippi-Delta-Blues erahnen. „Queen Of The Desert“ rockt dann wieder kräftiger, wenngleich auch dies relativ simple gestrickt, während „Howlin“ mit sanften Akustikgitarrenklängen entspannt ausfadet. Schöne Platte, wenngleich durchaus noch ausbaufähig…

Lauran Hibberd - Goober

Herrlich! Endlich mal wieder eine Künstlerin, die sich im Geiste der ganz Großen, also von Kim Deal (Pixies, Breeders) über PJ Harvey bis hin zu Kim Gordon (Sonic Youth) an den Alternative-Rock herantraut. Klar kommen auch gleich wieder gute Erinnerungen an die 90er Jahre und female-fronted Bands wie Veruca Salt, Belly, Echobelly, Lush usw. usf. auf. All das mischt Lauran Hibberd ganz vorzüglich mit der Intension des Bubblegum-Pop, des Fuzzy-Grunge-Rock, DIY-Indie und einer ebenso selbstbewussten wie selbstverständlichen Jugendlich- und Weiblichkeit. Das macht so viel Freude, dass man um Worte gleich ganz verlegen ist… Obwohl: „Augenzwinkernden Slacker-Pop“ nennen sie das beim NME, und gar die „Queen“ des selben, wollen sie beim Magazin Dork entdeckt haben. Und fürwahr, Hibberd ist so fantastisch, dass es schon ein großes Wunder wäre, wenn sie nicht ähnlich Großes zu leisten im Stande wäre, wie es Billie Eilish für den Mainstream-Pop erreicht hat. Produziert hat’s übrigens ebenfalls eine Frau, und zwar keine geringere als Suzy Shinn (Weezer, Panic! At The Disco, Fall Out Boy, Dua Lipa, Katy Perry). Ein weiteres unumstößliches Statement für mehr Frauen auf den (Festival-)Bühnen dieser Welt. Best female rockartist of the year! Grammy verdächtig!

Autor: Gerald Huber

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