Meine Platte

Jermabelle Westner (Matulong e.V.) über The Beatles

Abbey Road von The Beatles
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Abbey Road von The Beatles

… deren Musik sie – nach eigenem Bekunden „aus der Hölle rettete“…

„Yesterday, all my troubles seem so far away …” ist ein Zitat aus einem Song, der wohl jedem bekannt ist. Der Song „Yesterday“ von The Beatles hat für mich eine große Bedeutung. Mit ihm verbinde ich meine schwere Kindheit, die ich nun endlich als „gestern“ betrachten kann.

Der Weg dahin war allerdings alles andere als leicht. Die Musik hat mich schon immer begleitet und heilt nach wie vor meine Wunden aus der Vergangenheit.

Bis zu meinem elften Lebensjahr waren die Slums auf den Philippinen mein Zuhause, bevor ich durch eine Adoption nach Deutschland kam. Wie man sich gut vorstellen kann, hatten wir nicht die Möglichkeit, uns jeden Wunsch zu erfüllen und so begannen wir, kreativ zu werden. Aus Kronkorken und Abfällen bastelte ich mir eine Rassel und eine Trommel. Es war nicht viel, aber allein damit konnte ich wenigstens für einige Zeit meiner persönlichen Hölle entfliehen und andere Menschen glücklich machen. In der Weihnachtszeit zog ich mit anderen Kindern aus meinem Slum um die „Häuser“ und brachte Licht und Liebe in die gottverlassenen Straßen. Diese besonderen Momente gaben mir für kurze Zeit Hoffnung auf ein besseres Leben. So entwickelte ich bereits als Kind eine starke Beziehung zur Musik und sie wurde zu einem unverzichtbaren Teil meines Lebens. Es war nicht nur die Armut, die mir mein Leben schwer machte. Ich erlebte auch Gewalt und musste lernen mit Verlusten umzugehen. Schon in sehr jungen Jahren verlor ich meine Eltern und war von heute auf morgen mit meinen Geschwistern allein. Neben den Musikinstrumenten, bastelte ich auch Spielzeuge, die ich auf den Straßen verkaufte um uns mit Essen zu versorgen. Es war für uns die einzige Möglichkeit zu überleben. Egal wie schlimm die Momente dort waren oder wie aussichtlos die Situation war, nie habe ich die Hoffnung verloren und wurde letztendlich durch die Adoption gerettet.

Ich erinnere mich daran, wie mein Adoptivvater mir die Schallplatte „Abbey Road“ von den Beatles schenkte. Ich hörte die Platte rauf und runter und verliebte mich in die Band. Daraufhin brachte ich mir selbst das Gitarrespielen bei und kurze Zeit später folgte das Klavier. Heute spielt Musik nach wie vor eine bedeutende Rolle in meinem Leben. Durch Benefizkonzerte sammle ich mit meiner Hilfsorganisation Matulong Spenden für sozial benachteiligte und kranke Kinder auf den Philippinen. Musik hat mich auf der Reise zu mir selbst begleitet und mich dazu ermutigt, den großen Schritt zu wagen, zusammen mit Freunden eine eigene Organisation zu gründen und Menschen dazu zu inspirieren, Gutes zu tun. Vor einem Jahr begab ich mich auf eine kleine Weltreise, die mich nach Südamerika, Afrika, Neuseeland, Japan und auf die Philippinen brachte. Ich sammelte wunderschöne Erinnerungen und fand Freunde fürs Leben. Ich erinnere mich besonders gerne an die tollen Abende, an denen ich gemeinsam mit Menschen aus aller Welt musizierte und das Leben feierte. Ich sah Musik nun als Art Konfrontation mit meinen Gefühlen und Erinnerungen. Somit fand ich den Weg zu mir selbst und lernte, dass Musik Menschen verbinden kann.

“Ob-La-Di, Ob-La-Da, life goes on …“ von den Beatles vermittelt die Nachricht, dass alles so kommt, wie es kommt und das Leben trotz allem weitergeht. Heute kann ich sagen: Musik heilt.

Jermabelle Westner … ist Vorstandvorsitzende von Matulong e.V., einer Hilfsorganisation die sozial benachteiligte und krebskranke Kinder auf den Philippinen unterstützt. Ostern ist zwar nicht Weihnachten, aber bitte, helfen sie mit und spenden sie an: Matulong-hilfreich e.V., VR Raiffeisenbank eG, IBAN:  DE30 7106 1009 0003 3328 96

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