Kulturveranstaltungen

Es geht wieder los – aber wie?

Ab dem 15. Juni können wieder unter strengen Auflagen kleine Kulturveranstaltungen in München stattfinden

Theater, Konzerte, Kabarett, Tanztheater, Kino – langsam geht es wieder los mit Kulturveranstaltungen, vorerst aber nur für maximal 50 Personen im Innenbereich und 100 Personen im Freien unter strengen Auflagen des Staatministeriums für Wissenschaft und Kunst, versteht sich.

Und die schauen unter anderem so aus: Die Veranstalter müssen Konzepte zur Belüftung und Reinigung vorlegen und die Besucher über die Hygienevorschriften und Abstandsregeln per Aushang informieren. Das Hygienekonzept muss auf Verlangen der zuständigen Kreisverwaltungs-, bzw. Gesundheitsbehörde vorgelegt werden. Jede Veranstaltung über 10 Personen müssen die Verantwortlichen eine Woche vor Beginn bei der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde anmelden.

Es gilt nach wie vor 1,5 Meter Abstand zwischen den Besuchern während der Veranstaltung und auf dem Gelände, ausgenommen sind Personen aus einem Haushalt wie Familien, die dürfen auch zusammensitzen bzw. -stehen.

Wie der Seite des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst zu entnehmen ist, müssen Gäste in Innenräumen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, das Personal und Mitwirkende ebenfalls, soweit sich in den Räumlichkeiten Gäste aufhalten und der Sicherheitsabstand nicht gewahrt werden kann. „Ausnahmen sind möglich, zum Beispiel wenn die künstlerische Darbietung mit dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung unvereinbar ist“.

Auch die Künstler sollen diese Abstandsregeln untereinander wenn möglich einhalten, für Blasmusiker und Sänger gilt sogar ein Mindestabstand von zwei Metern, wegen einer möglichen verstärkten Tröpfchen-Verbreitung.

Tickets dürfen nur mit Zuordnung von festen Sitzplatznummern sowie personalisiert ausgestellt werden.

Für Kinos wurde unter der Digitalministerin Judith Gerlach ein eigenes Hygienekonzept erstellt, das sich an dem für kulturelle Events orientiert. Wie die website des Royal Filmpalast informiert, werden „nach jedem Buchungsvorgang automatisch zwei Sitzplätze links/rechts und vorne/hinten blockiert. Somit würde der gesetzliche Mindestabstand sichergestellt werden“ - das heißt aber auch, dass man für zwei Besucher, acht frei Plätze drum herum braucht, was die Kapazität auf 20 Prozent minimiert. Bei kleinen Kinos dürften das äußerst überschaubare Vorstellungen werden, die natürlich wie in den kleinen Theatern höchst unrentabel ausfallen dürften. Kein Wunder, dass viele Betreiber kleiner Kinos ihre Öffnung in Richtung Juli oder darüber hinaus verschoben haben, in der Hoffnung, dass sich die Entwicklung der Pandemie bis dahin neu bewerten lässt.

Großveranstaltungen mit mehr als 50 im Innenbereich bzw. 100 Personen im Außenbereich bleiben bis zum 31. August weiterhin verboten. Ob Veranstaltungen mit mehr Besuchern erlaubt werden können, würde von den Erfahrungen mit der vorläufigen Öffnung und der Entwicklung der Pandemie abhängen, so die Behörde.

Das nächste Wochenende könnte dabei keine unwesentliche Rolle spielen – zwei Wochen Inkubationszeit nach der großen Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt mit rund 25 000 Teilnehmern am Königsplatz sollten Aufschluss über eine Entwicklung der Infektionszahlen geben. Gehen diese weiterhin zurück, wird es schwierig sein, Veranstaltern zu erklären, warum Demos, praktisch un- bis wenig kontrolliert, stattfinden können, Kulturveranstaltungen unter den bereits aufgeführten umfassenden und strengen Hygieneregeln aber nicht.

Fest steht auch, dass ohne weitere Hilfsmaßnahmen für freie Kulturstätten, ein Überleben nichtstaatlicher Theater und Kulturbühnen unter diesen Bedingungen nur schwer vorstellbar ist. Die hatten es oft schon schwer unter den „normalen“ Verhältnissen, haben sich oft über die Gastronomie mitfinanziert, was jetzt nur noch minimiert, wenn überhaupt, zum Tragen kommt. Und: haben die Besucher, das Publikum, überhaupt Lust sich diesem Prozedere zu unterziehen, um mit 50 bzw. 100 Gleichgesinnten in einen Kulturgenuss zu kommen?

Man kann es den freien Theatern und Konzertbühnen nur wünschen, denn irgendwie muss es weitergehen und zwar auch mit der finanziellen Förderung, sonst werden hier viele Künstler*innen, Veranstalter*innen und Kulturbetriebe auf der Strecke bleiben.

Autor: Rainer Germann

Auch interessant

TV-Tipps

Unsere TV-Tipps am 13.07.2020

Unsere TV-Tipps am 13.07.2020

Hofspielhaus

Theater und Musik für alle

Theater und Musik für alle

Eisgenuss

UnterhaltungsreederEis

UnterhaltungsreederEis

Einkaufen

Plastikfrei im Westend

Plastikfrei im Westend