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2020: Münchens kreative Köpfe fordern mehr Sex, Subkultur und Offenheit

5 kreative Köpfe für München

München steht 2020 so einiges bevor, denn wer rastet, der rostet - und so haben Münchens kreative Köpfe einiges geplant im neuen Jahr. Ob neue Partyreihe oder ein innovatives Kunstprojekt. Wir haben mit fünf Machern gesprochen und stellen Euch die spannenden Projekte vor.

Florian Schönhofer - München braucht mehr Subkultur!

Florian Schönhofer

München platzt aus allen Nähten – ob als Veranstalter oder Anwohner - jeder bekommt das zu spüren. Umso unverständlicher ist es für Florian Schönhofer, dass das Areal unter der Autobahnbrücke der A9 in Freimann nicht genutzt wird. Das Areal ist nur ein paar Gehminuten von der U-Bahn-Haltestelle Studentenstadt entfernt, derzeit siedeln sich immer mehr urbane Projekte dort an. „Seit Jahren gibt es in München keine Szene mehr!“ – ist seine klare Aussage an die Stadt. Projekte wie früher in Riem und dem Kunstpark gäbe es schon lange nicht mehr.

Für sein genossenschaftliches Projekt, den Tatzelwurm, will er eine langfristige Nutzung für die Fläche bekommen – fernab von nicht nachhaltigen Zwischennutzungsprojekten, die letztendlich nur die Wegwerf-Mentalität weiter fördern. Unterstützer hat er bereits mit dem Harry Klein und dem 404 – nun sollen weitere Gesellschafter gefunden werden. Derzeit muss auch noch die Autobahndirektion ins Boot geholt werden – doch die stellt sich noch quer. Unverständlich für Florian, gibt es doch nachweislich vergleichbare Projekte aus Prag mit dem Manifesto und Lissabon mit der LX Factory. Auch hier wurden Offlocation-Projekte unter Autobahnbrücken erfolgreich gestartet.

2000 Quadratmeter Nutzfläche umfasst das riesige Areal in Freimann, auf dem er sich unter anderem eine alternative Sauna vorstellen kann. Einfach nur zwei große Clubs sollen es nicht werden, dass ist klar. Am 20.01. geht es dann beim großen Kick Off im Harry Klein Club in die nächste Runde und es wird sich zeigen, ob München 2020 ein offeneres Ohr für Subkultur zeigt als in den letzten Jahren. Erfahre mehr!

Eva Schatz und Emine Capartas - Fair Fashion für alle!

Emine Capartas und Eva Schatz

Wege neu gemeinsam gehen – dafür steht Kuniri, das Münchner Fair-Fashion-Modelabel. Eva Schatz und Emine Capartas sind die zwei Powerfrauen hinter dem Projekt, welches 2014 zunächst als ehrenamtliche Initiative startete.

Seit 2016 haben sie sich als gemeinnützige Firma etabliert. „Wir machen Mode, sind aber auch einfach ein Ort zum Treffen für Menschen mit Fluchthintergrund“, erzählt Eva. Viele Flüchtlinge kamen und kommen ohne Perspektive nach Deutschland, doch darunter sind viele Menschen mit einem professionellen Hintergrund. Ob Designer oder Schneider – bei Kuniri bekamen und bekommen sie einen Ort und Platz zum Arbeiten und um sich auszutauschen.

Die Designs sind mutig, alles andere als 08/15. Die verschiedenen Kulturen fließen bewusst in die Kleidungsstücke ein. Im neuen Jahr wollen sie sich nun stärker auf einzelne Teile konzentrieren, wie ihre Festivaltasche. Die war nämlich schon im letzten Jahr ein echter Renner und der Frühling steht ja, wenn man so aus dem Fenster schaut, quasi schon vor der Tür. Erfahre mehr!

Das Lovers-Kollektiv - München liebt bunt!

Lovers-Kollektiv

Bunt, schrill, anders – seit Ende 2019 bringt das Lovers-Kollektiv frischen Wind in die Veranstaltungsszene Münchens. Einmal im Monat kommen Lesben, Schwule, Transgender, Dragqueens – und -kings usw. bei der bunten Partyreihe im Folks Club zusammen, um die freie Liebe zu zelebrieren und die Ballroom-Szene bei uns auferleben zu lassen.

Damit bringen sie ein wenig Glitzer und Peng-Peng in die doch sonst etwas prüde Veranstaltungsszene, die die Stadt sonst so zu bieten hat. Ja, sogar Sex-Positive-Partys sind 2020 geplant – denn die Veranstaltungen des Lovers-Kollektivs waren bereits im letzten Jahr ein echter Erfolg! „Wir wollen eine Plattform, wo sich jeder so ausleben und präsentieren kann wie er sein möchte oder sich vielleicht manchmal nicht traut zu sein“, erzählen uns Jan Waizenhöfer und Julia Röhl im Interview. Sie sind zwei der vier Mitglieder des Orga-Teams. Tatkräftige Unterstützung bekommen sie von Lorand Lajos und Tobias Brenninger.

Ob fehlender Aktionismus oder vielleicht einfach nur ein wenig Faulheit - in den letzten Jahren hat sich ihrer Meinung nach viel zu wenig in dieser Richtung in München getan. Und das wollen sie nun ändern. Nicht ganz, wie einst in Troja, aber so viel sei verraten: Es wird trotzdem tierisch - denn ein riesiger Pudel wird eine Rolle spielen...  Erfahre mehr!

Mariah Freya und Phil Steinweber - Für mehr Liebe im Schlafzimmer!

Phil Steinweber und Mariah Freya

Wo wir gerade beim Thema Liebe wären – München braucht mehr Sex! Das finden zumindest Mariah Freya und Phil Steinweber vom Tech-Startup Beducated. Das junge Ehepaar ist seit 12 Jahren zusammen - doch lange Zeit waren sie enttäuscht vom eigenen Liebesleben. Eine anstrengende Arbeit und ein hektischer Lebensstil trugen nur weiter negativ dazu bei.

Doch anstatt sich mit der Situation abzufinden, machte Mariah eine Ausbildung zum Sex Coach und setzte sich intensiv mit dem Thema auseinander. Klar, diesen Weg können so nicht alle gehen - ob Single oder in einer Beziehung - obwohl es doch viele gibt, bei denen das Sexleben so einige Wünsche offen lässt. So entstand die Idee für Beducated - dem Netflix für Sexualbildung.

Heute haben Mariah und Philipp bereits ein 9-köpfiges Team hier in München, ihre Online-Kurse, für die sie mit Sexualtherapeuten und anderen Experten zusammenarbeiten, kommen super an. Auch wenn einige weiterhin skeptisch sind: „Für 2020 wünschen wir uns in München, dass die Leute etwas zeitgenössischer denken. Viele haben doch noch einen Stock im Arsch.“ Passend zum Thema wird’s demnächst einen Kurs zum Thema BDSM geben.

Wie sagte schon Woody Allen: „Liebe ist die Antwort, aber während man auf sie wartet, stellt der Sex ein paar ganz gute Fragen.“. Wir dürfen also gespannt sein!  Erfahre mehr!

Daniel Hahn - Boarding? Completed!

Daniel Hahn

Geht nicht? Gibt’s nicht! Das scheint wohl das Lebensmotto von Daniel Hahn zu sein. Gib ihm ein Schiff - er setzt es dir auf eine Brücke und macht einen kreativen Begegnungsort draus. Gib ihm ein Zirkuszelt und er zaubert dir eine wunderbare Fabelwelt. Gib ihm Container und er macht daraus einen der coolsten Clubs der Stadt. Und jetzt will er auch noch hoch hinaus!

Naja - er nutzt zumindest mal wieder die Teile eines Fortbewegungsmittels, diesmal eines der Lüfte, für sein neuestes Projekt. Diesmal soll es ein Flugzeug sein. Um genau zu sein: Zwei Boardingstationen, zwei Fluggastbrücken und ein Fluggaststeg. Ob mit den Teilen eine kurz- oder langfristige (Zwischen-)Nutzung geplant ist, kann Daniel derzeit noch nicht sagen: „Es ist eine Art begehbare Installation geplant, allerdings sind wir derzeit noch auf der Suche nach einem geeigneten Ort“, erzählt er uns im Interview.

Doch auch Daniel hat als Veranstalter mit der schwierigen Raumsituation in München zu kämpfen. Auch der Märchenbazar, der uns im Dezember noch fleißig mit heißem Glühwein versorgt hat, sucht 2020 eine neue Bleibe. „Immerhin bei der Minna Thiel wurde die Kooperation um ein Jahr verlängert“, erzählt er, „wir dürfen also weiterhin vor der HFF bleiben.“.

Und man munkelt: Im Hause Hahn tut sich noch mehr! Denn auch Daniels Bruder startet nach dem Gans am Wasser sein nächstes Projekt: Das Hexenhäuschen wird ab 2020 den Kolumbusplatz verschönern. Erfahre mehr!

Autorin: Anna Pauels

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