Interview

Champagner-Spezialistin Nicola Neumann - Keine Plattform zur Ansteckung bieten

Nicola Neumann

Sommeliere und Champagner-Spezialistin Nicola Neumann ließ ihre Weinhandlung aus Solidarität geschlossen, wie sie dem Barguide-Team im Interview verriet.

In Sachen Champagner zählt sie zu den absoluten Koryphäen ihrer Zunft. Die Rede ist von Nicola Neumann, die Deutschlands einzige Champagner-Boutique führt. Mit derselben Leidenschaft, wie sie einst als diplomierte Jazz-Sängerin durch die Lande reiste, besucht sie heute die Vielzahl der Champagnerwinzer, um den Münchner in ihrem Wohnzimmer, sprich Laden, besondere Produkte präsentieren zu können.

Wie hat sich das angefühlt, als ihr plötzlich zusperren musstet?
Nicola Neumann: „Als Weinhändler hätten wir sogar offen lassen dürfen, allerdings wollte ich das aus Solidarität nicht machen, da wir ein starkes Onlinegeschäft haben und ich deswegen keine Plattform zur Ansteckung bieten wollte.“

Welche Maßnahmen habt ihr direkt danach ergriffen?
Nicola Neumann: „Mir war es wichtig in meinen Newslettern an die Kunden nicht die Situation auszuschlachten, um möglichst viel zu verkaufen, sondern ich habe mir überlegt, was die Menschen jetzt inspirieren könnte. Zum Beispiel habe ich Inspirationskarten angeboten, die ich gratis per Post versendet habe. Außerdem hatte ich das Glück, einen guten Kollegen in derselben Straße unterstützen zu können, dem es nicht so gut ergangen ist wie uns. Das hat sich sehr gut angefühlt, etwas tun zu können. Ich habe ihn beraten, wie er Weinpakete schnüren und vermarkten kann und habe ihm die Kartonagen und Versandlabels dazu geschenkt. Im Gegenzug habe ich unfassbar guten Wein bekommen. Und dann habe ich in dieser Zeit sehr viel persönlich ausgeliefert. Das war ganz schön anstrengend, da merkt man, welche harte Arbeit unsere Paketboten jeden Tag leiste müssen.“

Was erwartet Ihr von der Politik, sprich der Stadt, dem Land oder dem Bund?
Nicola Neumann: „Ehrlich gesagt bin ich nicht der Meinung, dass der Staat immer für alles aufkommen oder für alles eine Lösung haben muss. Das rührt vielleicht daher, dass ich schon als Schülerin gearbeitet und mich unzählige Male neu erfunden habe, wenn einmal etwas nicht geklappt hat, wie geplant. Es gibt Szenarien, die kann man nicht vorhersehen. Ich finde, es wird bereits wahnsinnig viel getan, was ich hoffe, ist, dass die Mittel gerecht verteilt werden, dass am Ende nicht nur die großen Konzerne überleben.“

Was erhofft ihr euch vom restlichen Jahr?
Nicola Neumann: „Ich bin unglaublich froh, dass wir spüren konnten, wie viele treue Stammkunden wir haben, das macht mich sehr zuversichtlich, dass wir auch gegen Krisen gewappnet und nicht einfach austauschbar sind.“

Weitere Interviews: https://www.barguide-muenchen.com/im-gespraech

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