Interview

Harte Zeiten auch für Hotels - Innegrit Volkhardt vom Bayerischen Hof

Innegrit Volkhardt vom Bayerischer Hof
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Innegrit Volkhardt vom Bayerischer Hof

Das Team vom Barguide München hat in einer neuen Interviewreihe betroffene Gastronomen und Künstler aus München in harten Corona-Zeiten zu Wort kommen lassen.

Bleibt München auch in Zukunft eine Stadt, die dem Genussmenschen alles zu bieten hat? Die Covid-19-Pandemie stellt das bunte Münchner Leben auf eine harte Bewährungsprobe. Viele Bars, Restaurants, Hotels, Clubs, Kneipen und Künstler kämpfen momentan ums blanke Überleben. Mit ihrer neuen Interview-Serie wollen Amadeus Danesitz und Alex Wulkowvom Barguide München so viele Betroffene wie möglich zu Wort kommen lassen und damit der Politik die Dringlichkeit vor Augen führen, schnell zu handeln.

Das erste Gespräch der Reihe führte Amadeus Danesitz mit Innegrit Volkhardt, der Chefin des Hotels Bayerischer Hof: Münchens ältestes First-Class-Hotel (1841) ist weltberühmt für seinen besonderen Charme. Längst ist es mit all seinen Restaurants, Bars und Events zu einem festen Bestandteil des Münchner Lebens geworden. 1992 übernahm Innegrit Volkhardt, in der vierten Generation, die Führung der Gruppe, zur der auch noch das Hotel Tenne in Kitzbühel und die Volkhardts Weinhandlung in Pasing gehören.

Wie hat sich das angefühlt, plötzlich zusperren zu müssen?
Innegrit Volkhardt: „Die Situation ist schwierig und traurig. Ich vermisse meine Mitarbeiter und die persönlichen Begegnungen mit unseren Gästen. Das Hotel Bayerischer Hof mit seinen vielen Restaurants und Bars lebt von der Lebendigkeit, diese fehlt ganz schrecklich.“

Mindestens zwei Monate keinen Umsatz, trotzdem die Kosten, wie überlebt man das?
Innegrit Volkhardt: „Es hält mich zuversichtlich, wenn ich mir überlege, wie es meinem Vater ging. Dieser war im Krieg und die Situation um ein Vielfaches schlimmer. Die totale Zerstörung des Hotels und kein Geld. Der unbedingte Wille wieder aufzubauen trieb ihn und viele der Nachkriegsgeneration zu außergewöhnlichen Leistungen an. Dennoch belastet mich die Schließung des Hotels emotional wie natürlich finanziell. Viele meiner Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die monatliche Lohnsumme von knapp zwei Millionen Euro wäre ansonsten bedrohlich.“

Was erwartet Ihr von der Politik, sprich der Stadt, dem Land oder dem Bund?
Innegrit Volkhardt: „Vom Bund und Land eine klare und rechtzeitige Kommunikation, sowie noch weiter verbesserte Hilfen ab Anbeginn der Kurzarbeit (z.B. von 60% Kurzarbeitergeld auf 80%) für die Mitarbeiter, aber auch deutliche Hilfen für die Unternehmer. Die Schließung ist behördlich bedingt, so müssen auch die vielfältigen Umsatzeinbußen in meiner Auffassung vom Staat zumindest anteilig mitgetragen werden. Da lobe ich mir z.B. Österreich, beides wird dort aktuell deutlich besser gehandelt und mit dem Hotel zur Tenne in Kitzbühel betrifft mich dies natürlich auch. Die Situation in Ischgl und das zu späte Reagieren war dort natürlich mehr als fahrlässig. Von Seiten der Stadt würde ich mir in dieser schweren Zeit mehr öffentliche Sichtbarkeit unseres Oberbürgermeisters wünschen.“

Was nehmt ihr persönlich für euren Betrieb mit aus dieser Krise?
Innegrit Volkhardt: „Das Erkennen, wer mitmacht zu helfen und wer nicht.“

Wie kann man euch aktuell unterstützen?
Innegrit Volkhardt: „Uns gewogen bleiben, wenn wir hoffentlich bald wieder zumindest kleine Bereiche öffnen dürfen.“

Weitere Interviews: https://www.barguide-muenchen.com/im-gespraech

Weitere Infos zur Münchner Bar- und Gastroszene bekommt ihr bei www.barguide-muenchen.com.

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