Ortsgespräch

Graffiti-Star Loomit: „Malen, ohne Fragen zu beantworten“

Fühlt sich als eine Art „Hausmeister“ des Graffiti-Festivals: LOOMIT
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Fühlt sich als eine Art „Hausmeister“ des Graffiti-Festivals: LOOMIT

Leere Straßen, kaum Stress, Arbeit mit Maske: Loomit, Partner des Festivals „Hands Off the Wall“, erzählt, warum er im Lockdown soweit gut klar kam.

Hallo Loomit, jetzt sieht es ja doch ganz danach aus, dass wieder Leben in eine Stadt zurückkommt, in der es zuletzt ungemütlich ruhig war. Wie viel Aufbruch und Freude, sich wieder treffen und zeigen zu können, steckt in Ihnen?
Da ich schon seit langer Zeit mit Maske und Handschuhen arbeite, war ich wenig eingeschränkt, meine Bilder in dieser Zeit zu malen und hatte vielleicht weniger Belastung als der Durchschnitt. Außerdem war es sehr angenehm, große Bilder zu malen, ohne viele Fragen von Passanten beantworten zu müssen.

Das soll sicher nicht zynisch klingen. Aber konnten man also als sprayender oder malender Künstler zuletzt eher verwaisten Straßen und wie leergefegten Locations, zumindest was die Arbeitsbedingungen angeht, auch etwas Gutes abgewinnen?
Auf alle Fälle. Viele meiner jüngeren Kollegen hatten den ersten Lockdown exzessiv genutzt, was sich auch an den Verkaufszahlen der Sprühdosen gezeigt hatte.

Sie sind auch in diesem Jahr einer der prägenden Köpfe beim „Hands Off the Wall“-Festival: Wie wichtig ist es denn für Sie, sich mit so vielen Künstlern auszutauschen?
Na ja, ich bin da eher der Hausmeister und sorge mich darum, dass jede Künstlerin ideale Bedingungen zum Malen ihres Bildes vorfindet. Da ich ja schon eher zu den alten Hasen gehöre, habe ich dabei viel Erfahrung.

Sie kennen natürlich Trends meist schon viel länger: Aber wie viel Inspiration springt am Ende auch für Ihr eigenes Arbeiten aus solchen Treffen ab?
Da ich im Werksviertel die Position eines Kurators der Streetart vertrete, freut es mich sehr, so verschiedene Arbeiten im Gelände entstehen zu sehen. Was dann die eigene Arbeit angeht, würde ich es mit dem Chuck- Close-Zitat beschreiben, dass Inspiration für Amateure ist, und der Künstler einfach an die Arbeit geht .

Das Festival macht sie explizit für Diversität und Gleichberechtigung stark. Warum gibt es denn überhaupt auf den ersten Blick einmal weniger Künstlerinnen und Frauen-Truppen bei der Urban Art?
Der erste Blick täuscht, denn kein Bild verrät das Geschlecht oder sexuelle Orientierung des Malenden. In den 80ern und 90ern waren es durch die meist illegalen Aktionen hauptsächlich junge Männer, die Graffiti malten - aber nicht nur. Der Anteil von Frauen ist in den letzten 15 Jahren enorm gestiegen.

In der öffentlichen Wahrnehmung hatte es Urban Art ja nicht immer leicht: Wie viel Rückenwind geben Festivals, die Ihre Kunst öffentlich feiern?
Unsere Bilder sind ja schon in der öffentlichen Wahrnehmung sehr präsent. Den Rest machen soziale Medien, denn wir produzieren ja jede Menge schöne Hintergründe für Selfies.

So kann man das – mit Augenzwinkern – natürlich auch sehen. Das Werksviertel, vielen Szenegängern ja schon lange unter immer wieder neuen Namen bekannt, wandelt sich permanent. Ein guter Ort für Urban Art – oder geht es auch dort schon wieder vieles zu schnell mit der Veränderung?
Nein, denn Graffiti und Streetart sind es ja auch.

Ein bisschen Fernweh kriegt man ja auch: Wie hart war es für Sie, der sonst viel bei befreundeten Künstlern unterwegs war, zuletzt notgedrungen etwas „häuslicher“ zu bleiben?
Nicht so sehr. Ich hatte ja schon viel von der Welt gesehen und kann mich auch sehr an der Heimat freuen.

Letzte Frage: Gibt es schon so etwas wie einen künstlerischen Einschlag oder ein wiederkehrendes Stilmerkmal oder Thema, das die zuletzt so harten Zeiten auch bei vielen Straßenkünstlern hinterlassen haben?
Die Maske.

Loomit ist natürlich einer der bekanntesten und weltweit bestens vernetzten Künstler seiner Zunft. So hatte er einst auch daran mitgewirkt, dass „Hands Off The Wall“-Festival, das von 30. Juli bis 1. August im Werksviertel mit vielen Vor-Ort-Künstlern und –Aktionen steigt, in die Stadt zu holen. Alle Infos gibt’s bei www.handsoffthewall.com und unter www.loomit.de. Kuratorin und Festival-Organisatorin von „Hands Off the Wall“ ist Caroline Taschler aka Chinagirl Tile. Ihre Arbeiten sieht man hier: www.chinagirltile.com

Interview: Rupert Sommer

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