Ortsgespräch

DOK.fest-Macher Daniel Sponsel - Absage war keine Option

+

Noch bis zum 24. Mai läuft das DOK.fest als Online-Festival. Geschäftsführer Daniel Sponsel hat schnell reagiert und holt die weite Welt in Münchner Wohnzimmer.

Herr Sponsel, schlimme Zeiten, kreative Lösungen: Wie groß war Ihre Erleichterung, dass das diesjährige DOK.fest München wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen doch nicht ausfallen musste, sondern sich komplett ins Netz verlagern konnte?

Uns fielen tonnenschwere Steine vom Herzen. Aber es geht ja eigentlich nicht um uns, es geht um die Filme und das Publikum, die jetzt auf diese Weise auch zueinander finden. Die meisten Filme, die wir präsentieren, sind in Deutschland nur auf dem Festival zu sehen, sie wären in diesem Jahr ansonsten gar nicht mehr zu sehen gewesen. Das ist jetzt auf diesem Weg möglich.

Lassen Sie uns doch mal kurz hinter die Kulissen blicken: Wie liefen die vergangenen vier Wochen für Ihr Planungsteam konkret ab?

Zentral war die Aufgabe, die Rechte jedes einzelnen Films für die Online-Edition zu verhandeln. Das waren viele Telefonate und Mails, die da hin und her gingen. Die Arbeit mit unserem Technikanbieter war ebenfalls intensiv, wir haben als Festival ja deutlich weiterführende Anforderungen als ein Streamingdienst. Und, das Rahmenprogramm, das ein Festival ja erst zu einem Festival macht, muss online auch neu gedacht und umgesetzt werden.

Auf der einen Seite dürfte die Erleichterung groß sein, das Festival durchführen zu können. Wie sehr schmerzt andererseits den Netzwerker in Ihnen, dass sich Ihre Filmgemeinde nun nicht „in echt“ austauschen kann?

Wir können in der Online-Edition gewisse Dinge nicht bieten: das Erlebnis eines Films in einem vollen Saal, der Austausch zwischen Publikum und Macherinnen und Machern und auch innerhalb der Branche. Dieser Verlust schmerzt natürlich sehr.

Wie wohl oder wie ungemütlich fühlen Sie sich eigentlich in einer Art Vorreiter-Rolle?

Viele Ihrer Kollegen – nicht zuletzt das Team vom Filmfest München - haben große Veranstaltungen ja absagen müssen. Das wichtigste ist, dass Kultur überhaupt stattfindet. Darum war die Absage des Festivals keine Option für uns. Ich kann jetzt schon sagen, dass wir aufgrund unserer Aktivitäten viel positives Feedback bekommen.

Letzte Frage: Üblicherweise wird Popcorn-Geraschel oder Zwischen-Ratschen von gestandenen Kinogängern ja im Saal streng geahndet. Wie viel Libertinage lassen Ihre etwas toleranteren Regeln für Dokumentarfilmnachmittage oder -abende im Heimkino zu?

Wir schauen da jetzt nicht so genau hin. Spaß beiseite, ich würde sagen, das kommt ganz auf den Film an. Wir haben durchaus Filme im Programm, die Sie mit Popcorn genießen können. Die größere Anzahl jedoch ist eher nicht Popcorn-Kino. Wir machen keine Hausbesuche, es steht unseren Zuschauerinnen und Zuschauern selbstverständlich völlig frei, in welcher Weise sie die Filme zu Hause sehen, das ist ja die neue Freiheit der Online-Edition unseres Festivals.

Interview: Rupert Sommer

Auch interessant

Kolumne

Belästigungen von Michael Sailer

Belästigungen von Michael Sailer

TV-Tipps

Unsere TV-Tipps am 28.05.2020

Unsere TV-Tipps am 28.05.2020

Ortsgespräch

Trikont-Chefin Eva Mair-Holmes: „Kultur ist Lebensmittel“

Trikont-Chefin Eva Mair-Holmes: „Kultur ist Lebensmittel“

TV-Tipps

Unsere TV-Tipps am 27.05.2020

Unsere TV-Tipps am 27.05.2020