Heimspiel

Neue Alben aus München

Martin Kälberer, Chris Mayer & The Rockets, Kraut Jazz Futurism, Eisbrecher und MS Flinte
+
Martin Kälberer, Chris Mayer & The Rockets, Kraut Jazz Futurism, Eisbrecher und MS Flinte

Mit dabei im März sind Eisbrecher, MS Flinte, Martin Kälberer, Blaues Wunder, Chris Mayer & The Rockets sowie der brandneue Kraut Jazz Futurism Vol. 2-Sampler mit Münchner Beteiligung

Eisbrecher - Liebe Macht Monster

Dreieinhalb Jahre nach dem 2017er Nummer 1-Album „Sturmfahrt“ haben Sänger Alex Wesselsky und Gitarrist, Produzent, Programmierer Noel Pix sämtliche Stellschrauben des unverwechselbaren Eisbrecher-Sounds neu justiert und jedes noch so kleine Detail auf den Prüfstand gestellt. Ziel war es definitiv und endgültig nichts mehr dem Zufall zu überlassen und demzufolge ein packendes und vielseitiges neues Album zu konstruieren. Und so kommt es, wie es kommen musste: Die gewaltig aufproduzierten Songs sind von Metal und Disco genauso beeinflusst wie von gradlinigen Deutschrock-Produktionen, die man locker auch mal im Top 40-Radio spielen kann. Dazu Bandleader Wesselsky: „Für uns galt immer schon: Nur was einen selbst umhaut, kann auch andere wegpusten! Und so ging es einfach los... Bämm! Die ersten Schritte: Zigarette an, Hirn an, Herz an, Computer an, Telefon an, Tür auf, Zigarette an, Zigarette aus, Mikro an... nächster Song!“ So einfach, so genial.

MS Flinte - Tiere kommen!

So einfach, so genial auch der Flo Weber, seines Zeichens malernder und schriftstellernder Schlagzeug-Hallodri der – wie es die Spatzen bereits von Dächern pfeifen – sich langsam wieder ans Licht der Öffentlichkeit herantastenden Sportfreunde Stiller. Zusammen mit seinem Brüder Jörg nutze er den Lockdown und den Dauerschlaf seiner Lohn-und-Brot-Kombo für ein, , nach den Bolzplatz Heroes, zweites gemeinsames Musikprojekt. Die ersten Singleauskopplungen (allesamt mit einfallsreichen, wirklich sehenswerten Videos verfilmt) „Summa Cum Laude“, „Weil es immer so traurig ist, wenn der Sommer geht“, „Einen Scheiß muss ich“ und „Je dunkler die Nächte, desto heller die Sterne“ haben es bereits angedeutet, dass der Flo es einfach drauf hat: Überdurchschnittlich gute Songs mit mal sinnigen, mal witzigen, mal nachdenklichen, mal dadaistischen Texten, dazu eine charmante und durch und durch ausgetüftelte Homerecording-Produktion sowie ausgefeilte Arrangements, denen man die Handschrift von Jazz-Bruder Jörg deutlich anhört. Digital only, Stream unter: https://t1p.de/msflintespotify

V / A - Kraut Jazz Futurism Vol. 2

Nein, kein „Heimspiel“ im klassischen Sinne, denn eigentlich sind nur Produzent Matthias Modica (Munk, Gomma, Toy Tonics), die Formationen GTA Hofmann und Ark Noir sowie Matthias Götz alias Le Millipede als waschechte, lupenreine Münchner auszumachen. Modica hat eben mal wieder 15 herausragende Tracks aus dem weiten Feld des Art Jazz mit reichlich Einflüssen aus den Bereichen Electronica, Afro, Krautrock und HipHop zusammengetragen. Aber anstatt die aktuellen Hipster-Jazz-Trends aus London zu kopieren, haben die hier verewigten Künstler, wie bereits erwähnt nicht nur aus München sondern auch aus Frankfurt, Darmstadt, Berlin, Leipzig und anderswo her, einen ganz eigenen, oft am Krautrock orientierten Sound, der darüber hinaus Einflüsse aus der ganzen Welt verarbeitet. Haufenweise hörenswerten Sound- und Klangexperimenten irgendwo zwischen New-Dance- und Psychedelic-Jazz wird hier ein Denkmal gesetzt, ganz famos.

Blaues Wunder - november zwanzigzwanzig

Die drei eindringlichen Songs dieser Mini-EP sind ganz und gar auf die ebenso klare wie ausdrucksstarke Stimme von Dagmar Aigner und den minimalistischen Electrosound von Jochen Scheffter ausgerichtet. Drei sogenannte „Traditionals“, mithin also alte musikalische Volksweisen aus Irland („The Last Rose Of Summer“), den USA („Johnny Has Gone For A Soldier“) und Wales („All Through The Night“). Aus diesen werden dann – allesamt umgetextet auf Deutsch, versteht sich – drei stimmungsvoll und eigenständig bearbeitete und alles in allem wirklich bewegende Minimal-Elektro-meets-Analog-Balladen, die einem gar nicht mehr aus dem Kopf gehen mögen. CD-Bestellung unter: aigner@kontinent-stimme.de

Martin Kälberer - InSightOut

Zur Ruhe gekommen oder vielmehr aktuell in sich ruhend auch der kongeniale Werner Schmidbauer-Sidekick Martin Kälberer. Dieser wagt einen bemerkenswerten Schritt, oder vielmehr einen, wie sich das Info ausdrückt „tiefen Blick nach innen“. Einen tiefen Blick also als „Möglichkeit der Reduktion, der Konzentration auf das Wesentliche in dieser seltsamen Zeit der Stille.“ Und genauso klingt der Kälberer 2021 dann auch: Kontemplativ, entspannt, nachdenklich, sinnlich, aber alles in allem gar nicht so deprimiert wie man das jetzt vielleicht vermuten möchte. Eher klingt das hoffnungs- und verheißungsvoll, vielleicht sogar neugierig, neugierig auf das, was dann kommen mag, nach der ewigen Pandemie. Eingespielt wurde all dies fast ausschließlich auf einem Flügel, der, manchmal pur und unglaublich nahe, manchmal präpariert und verfremdet, manchmal mit Händen und Besen auf den Saiten bespielt, immer die jeweilige Stimmung wiedergibt. Dabei kann man sie hören, die schwebenden, manchmal auf flirrenden Klanglandschaften, teils auf kleinen Miniaturen basierend, die an Minimal Music und moderne Klassik erinnern, teils aber halt eher auch schon wieder dem Ambient-Genre zugehörig.

Chris Mayer & The Rockets - In One Room

Kraftvoll klingt auch die erste Singleauskopplung von Chris Mayer und seinen Rockets „You Are“. Das relativ frische Quartett aus München hat sich dem pop-rockigen Folk oder folk-poppigen Rock verschrieben, wie herum man es halt grad möchte. Getextet wird, dem internationalen Anspruch des Genres folgend, freilich auf Englisch, und das gar nicht mal so ungeschickt, zudem ist Chris Mayers gute, akzentfreie Aussprache unbedingt förderlich. Klar sind Vorbilder wie The Decemberists und Death Cab For Cutie ebenso hörbar wie – zumindest bis auf weiteres – höchstwahrscheinlich unerreichbar, dennoch „In One Room“ ist ein wirklich starkes Debüt von einer Band, von der man in Zukunft ganz bestimmt noch sehr viel hören wird.

Auch interessant

Workshop

Feierwerk Fachstelle Pop: Girls‘Day online

Feierwerk Fachstelle Pop: Girls‘Day online

Verlosung

München: Kultrezepte & Küchenschätze

München: Kultrezepte & Küchenschätze

Meine Platte

Druckfrisch-Regisseur Andreas Ammer über „Le Millipede“

Druckfrisch-Regisseur Andreas Ammer über „Le Millipede“

Earth Week

Treedom und Ecosia: Bäume pflanzen, Kritik ernten

Treedom und Ecosia: Bäume pflanzen, Kritik ernten