Kommentar

Denkanstoß: Ein Pieks für die Kultur

Bis die Muffathalle wieder so voll sein darf, braucht es noch eine höhere Impfquote
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Bis die Muffathalle wieder so voll sein darf, braucht es noch eine höhere Impfquote

Wer im Herbst Kultur erleben will, kommt wohl nicht drum rum: Ein Plädoyer für die Vernunft und auch ein bisschen für die Impfung

2G oder 3G? Mit Vorzeigepflicht des digitalen Nachweises oder ohne? Kommt sogar die dritte Auffrischungsimpfung in absehbarer Zeit? Derzeit herrscht leider viel Unklarheit über die nahe Zukunft der Impfpolitik in Bezug auf das Coronavirus. Obendrein bedauerlich: Während des Schreibens dieser Zeilen liegt der Inzidenzwert, der Monate lang unseren Alltag formte bei über 60. Obwohl in Bayern und München ca. 60 Prozent der Menschen mindestens einmal geimpft sind. Vor der Impfung wäre dieser Wert in seiner steigenden Tendenz Grund für Einschränkungen gewesen. Jetzt: irgendwie nicht. Alles scheint normal und der Wert ohne Praxisbezug.

Aber machen wir uns nichts vor: Das Leben, das wir draußen bei einem Blick aus dem Fenster oder einem Spaziergang durch die Innenstadt sehen, ist in all seiner Vielfalt doch nur die Light-Version. Nach 1,5 Jahren Corona mag das alles lebhaft und bunt erscheinen, das entspricht aber leider nicht der Wahrheit. Kultur in der Pandemie findet draußen statt. Daher scheint es derzeit so, als wäre eventuell sogar mehr los als bspw. im Sommer 2019. Das trügt aber, da die zahlreichen Live-Clubs, Kabarett- und Theater-Bühnen etc. zum Großteil immer noch geschlossen vor sich hindümpeln müssen. Spätestens wenn sich im Oktober die Temperaturen der regnerisch-herbstlichen Witterung dieses Sommers angleichen und Inzidenz und Impfquote weiterhin unvorhersehbar bleiben, werden wir erkennen, was in der Stadt grad geht: Leider nicht so viel.

Impfmöglichkeiten

„Soll I mia jetzat a Gift in Arm schiassn lossn, dass irgendwelche Indie-Kletzen auf der Bühne im Strom zoang dürfen, wia guad, dass‘s Power Chords spuin?“ Nein, so ist es nicht gemeint. Wer aus welchem Grund auch immer Angst davor hat, sich etwas in den Körper spritzen zu lassen, dass er*sie da partout nicht haben will, sollte es wohl lassen. Der Zustand des gefühlten Übels im eigenen Körper ist niemandem zuzumuten.

Wer aber kulturell interessiert ist, in Puncto Impfung bisher vor sich hingesandelt hat und schon weiß, dass er*sie einen zweiten Herbst ohne Konzerte, Ausstellungen und Theater nicht aushält, kann sich langsam mal am Riemen reißen und -inzwischen ganz ohne Termin, mit Rundumberatung und unter freier Wahl des Impfstoffs.

Zum Thema:

Noch heute geimpft werden: Alle Infos zu Impfzentren und Pop-Up-Stationen auf einen Blick

Vernunft von beiden Seiten

Ich kann Ihnen sagen: Man fühlt sich danach gut. Man hat sich selbst gegen diese Scheißkrankheit, die in kurzer Zeit weltweit 4,4 Millionen Menschen dahingerafft hat, gewappnet und kann somit bald guten Gewissens mit weniger Abstand im Etablissement der Wahl steil gehen, auch wenn die 2G-Regel (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) kommt. Man hat aber auch der gesamten Kulturbranche einen Dienst erwiesen. Als Solidarität bekundender, coronasicherer Teil des potenziellen Publikums darf man sich da schon mal auf die Schulter klopfen. Tipp: Am besten auf die nicht frisch geimpfte.

Aber: Als Geimpfte*r sollte man sich nach dem Schulterklopfen moralisch nicht permanent auf dem hohen Ross wähnen, da es auch Leute gibt, die verständliche Gründe dafür haben, sich nicht zu impfen. Genauso sollte man als Ungeimpfte*r aber auch vorsichtig sein, die Krankheit nicht potenziell zu verbreiten und die Geimpften nicht als fremdgelenkte Schafe darstellen. Solange jede*r verantwortungsvoll mit der Entscheidung umgeht, die er*sie für sich getroffen hat, kommen wir durch den Winter. Und an die, die es bislang einfach verschludert, aber sonst keine Angst haben: Impft euch doch bitte. Ein toller Kulturherbst winkt als Belohnung!

Autor: Franz Furtner

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