Meinung

Und wieder die Kultur…

Die Bayrische Staatsoper
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Eins der wenigen Häuser, das im Dezember Programm machen kann: Die Bayrische Staatsoper

Ärgerlich und erwartbar zugleich: Erneut ist die Kultur der Leidtragende der aktuellen Corona-Politik.

Jetzt sitzen wir wieder da, auf der heimischen Couch. Diesmal auf eine komische halberzwungene Art. „Es gibt schon kulturelle Events, aber es wäre wirklich viel besser, wenn sie da nicht hingehen“, so die Botschaften aus den Ministerien leicht süffisant zusammengefasst. Um das sicherzustellen, gilt die Regelung zur maximalen 25 Prozent-Auslastung im Zuschauerraum. Die Botschaft an die Veranstaltenden ist also: „Ihr dürft noch, aber ihr seht selbst, dass das nicht mehr wirtschaftlich durchführbar ist. Zumachen wär doch auch ´ne Option.“ Wieder mal ist also die Live-Kultur mit all ihren Institutionen, Theatern, großen Häusern, kleinen Kaschemmen, Konzertbühnen, Off-Locations und Veranstaltungsreihen, den Mimen, Musiker*innen, Stage-hands, kurz denen, die all das auf und hinter den Bühnen erst möglich machen, die Leidtragende. Und natürlich auch wir Interessierte, die wir uns gerne vor der Bühne sitzend begeistern lassen wollten.

(Nacht-)Kultur als Sündenbock

Das Gemeine: Was bei den bisherigen Lockdowns noch Vermutung war, ist inzwischen traurige, enervierende Gewissheit. Kultur fungiert trotz anders zu interpretierender Datenlage und leichter Durchführbarkeit von Sicherheitsabständen etc. als Sündenbock der Politik. Beispiel Nachtkultur: Aktuell kursiert in der Presse die Meldung „Clubs sind Corona-Hotspots“. Das habe man anhand einer Auswertung von Daten aus der Luca-App erkannt. Dabei ist sehr leicht nachzuvollziehen, dass in den Clubs und Bars die Check-In-Modalitäten schlichtweg besonders konsequent durchgeführt wurden. Ja, hier ist eine Registrierung, anders als bspw. im Einzelhandel sogar Pflicht. Aus der Scene liegen somit einfach am meisten Daten vor. Die aus der Luca-App abzulesende Zahl der Ansteckungen im Nachtleben ist also nicht relativ, sondern lediglich in ihrer Gesamtheit am höchsten. Der Soziologe nennt das eine Scheinkorrelation. Aus vorhandenen, nicht repräsentativen Daten werden falsche Schlüsse gezogen.

Falsche Schlüsse von Seiten der Regierung

Die Regierung Söder nutzt das leider nur zu gern aus und schiebt den schwarzen Peter einer Szene zu, die der (CSU-)Kernwählerschaft ohnehin nicht sonderlich am Herzen liegen dürfte. Das sei hier behauptet, ohne es mit soziologischen Studien zu belegen. Das Portal Clubcommission schreibt dazu: „Dass eine Pressemitteilung der Luca App so leicht von der fehlenden Impfbereitschaft in Teilen der Bevölkerung ablenken kann, ist enttäuschend.“ Wir stimmen zu. Das alles bedeutet nicht, dass es aktuell vernünftig wäre, die Clubs offen zu lassen, der absolute Sündenbockstatus, den man ihnen zuschreiben will, ist aber definitiv nicht gerechtfertigt. Besonders wenn man beachtet, dass bereits Anfang Oktober, als das Nachtleben öffnen durfte, einige Clubbetreiber direkt 2G forderten und Zahlen veröffentlichten, die belegten, dass die Impfquote unter den registrierten Besucher*innen bei ca. 80 Prozent und somit weit über dem bundesdeutschen und bayrischen Durchschnitt lag. Und jetzt? Ring frei für die Diskussion, die Schlacht, den Grabenkampf, ob die ungetesteten Geimpften oder die Ungeimpften die Pandemietreiber sind… Nein, lieber nicht. Frohe Vorweihnachtszeit, liebe Leser*innen!

Franz Furtner

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