Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”

Steffen Harning: “Habe die Zeit genutzt, um noch kreativer zu sein”

Musikproduzent und DJ Steffen Harning
+
Musikproduzent und DJ Steffen Harning

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir ziehen Bilanz und wagen einen Ausblick in Interviews mit einigen wichtigen Köpfen der Stadt. Heute an der Reihe: Musikproduzent und DJ Steffen Harning. 

Steffen Harning ist Teil des House-Duos Milk & Sugar und hat während der Pandemie Licht- und Schattenseiten erlebt – je nachdem, ob man ihn in seiner Rolle als Produzent oder als DJ befragt. Für die Studioarbeit blieb deutlich mehr Zeit, während die DJ-Kanzeln in den Clubs zwangsläufig eine ganze Zeit lang verwaist blieben.

Wie fällt deine persönliche Bilanz fürs Jahr 2021 privat und aus Unternehmersicht aus?
Steffen Harning: Dieses Jahr war komplett durchwachsen, beginnend mit dem kompletten Shutdown im Winter hin zur Normalität und schließlich der – vorübergehenden – Wiedereröffnung aller Clubs, was zu einem regelrechten Explodieren des Nachtlebens geführt hatte. Im Sommer konnten wir sogar schon wieder im europäischen Ausland einige Auftritte absolvieren, die definitiv beste Party war aber hier in München im Pacha zu Halloween. Nimmt man mal das Auf und Ab bei den Live-Auftritten heraus, war es kein schlechtes Jahr für die Musikbranche, die in allen anderen Bereichen zugelegt hat. Als Produzent, Artist-Manager oder Label war ich dieses Jahr an über 40 Veröffentlichungen beteiligt, was definitiv rekordverdächtig ist! Außerdem lagere ich 2022 meine Social-Media- Aktivitäten in eine neue Firma aus, die sich ausschließlich mit digitalem Marketing befassen wird.

Weitere Beiträge zur Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”:

Holger Stromberg: “Ich glaube, Corona ist nur ein Vorgeschmack”, Christian Schottenhamel: “Gefühlt hat ‘trial and error’ die Verwaltung bestimmt”, Chris Lehner: “Ich hoffe auf eine Entspannung der Lage”, Danny Kufner: „Sich davon zu erholen wird eine anstrengende und langwierige Aufgabe“, Jesper Munk: “Mehr Empathie.“, Daniel Lazak: “Wie ich ‘nen Moshpit vemisse...”, Philip Bradatsch: “Aber Hauptsache, die Baumärkte bleiben unter allen Umständen offen ...“, Niko Strnad: “Und ich vertraue auf die Einzigartigkeit des Erlebens von Livemusik-Konzerten!“, Rüdiger Linhof: “Ich will sehen dass endlich was vorwärts geht.“, Tobi Ranzinger: “Der gechillte und respektvolle Umgang miteinander hat gelitten”, Christian Kiesler: “Ich würde mir hier ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Realismus, Reflexion und Fairness wünschen...“, Mirca Lotz: “Ich rechne erstmal gar nicht sondern nehme es wie es kommt...“, Markus Naegele: “Die Freude am Leben eben nicht zu verlieren, klingt oft einfacher als es ist.“, Thomas Bohnet: “Dass wenigstens der nächste Herbst nicht wieder so ein Desaster wird.“

Was hat dich besonders genervt oder beeinträchtigt?
Ehrlich gesagt das Auf und Ab mit den Regelungen. Ständig musste man sich über die aktuellen Veränderungen informieren, wann man mit was wie lange wohin darf etc. Gestern musste ich noch vor dem Fitnessstudio einen Schnelltest machen, heute kann ich als Geboosterter wieder ohne rein. Anfang des Jahres war es außerdem mit dem Reisen zu den Auftritten noch schwierig, weswegen wir viele absagen mussten. Ansonsten bin ich persönlich ganz gut zurechtgekommen und habe die Zeit genutzt, um noch kreativer zu sein.

Welche Lichtblicke hast du 2021 erlebt?
Ich habe es tatsächlich als nicht unangenehm empfunden, etwas ausgebremst zu sein, und dass sich das Leben verlangsamt hat. Zwischenmenschliche Kontakte im Freundeskreis haben zugenommen, weil man nicht mehr jedes Wochenende irgendwo auf der Welt unterwegs war. Glücklicherweise ist aber auch niemand in unserem direkten Familien- und Freundeskreis schwer erkrankt oder gar an Corona gestorben.

Was erhoffst du dir vom Jahr 2022?
Ich hoffe für mich und auch für alle, die in der Gastronomie oder im Eventbusiness tätig sind, auf eine baldige und vollständige Normalisierung der Situation, und dass wir dieses Virus so schnell wie möglich loswerden. Unternehmerisch erwarte ich eigentlich ein gutes Jahr, vor allem mit der Neugründung meiner Digitalagentur.

Was erwartest du konkret von der neuen Bundesregierung?
Ich glaube, dass vor der Bundestagswahl zu lange mit unpopulären Corona-Maßnahmen gezögert wurde, um keine Wähler zu verprellen. Das hat die jetzige Pandemie-Situation vermutlich verschlimmert, aber ich sehe, dass die neue Regierung die Aufgaben schnell angeht und richtige und wichtige Entscheidungen trifft. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass wir uns in einer Klimakrise befinden, und schnellstens die erneuerbaren Energien ausbauen müssen, um unser Land nicht nur zukunftssicher zu machen, sondern um auch wieder eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Wann rechnest du wieder mit einer Rückkehr zur Normalität, zu Umständen wie vor Corona?
Ich hoffe, dass wir gut durch die aktuelle Welle kommen und sich alle impfen und boostern lassen, dann haben wir einen vielversprechenden Sommer vor uns. Und an alle, die es bisher noch nicht getan haben: Lasst euch impfen, dann braucht es nämlich auch keine Impfpflicht.

Interview: Alex Wulkow