Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”

Philip Bradatsch: “Aber Hauptsache, die Baumärkte bleiben unter allen Umständen offen ...“

Musiker Philip Bradatsch
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Musiker Philip Bradatsch

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir ziehen Bilanz und wagen einen Ausblick in Interviews mit einigen wichtigen Köpfen der Stadt. Heute an der Reihe: Singer/Songwriter Philip Bradatsch.

Auch die Musikbranche hat es besonders schwer gebeutelt in der Corona-Krise: ein Lockdown folgte auf den anderen, Konzerte wurden zum Teil bis zu fünfmal verschoben. Der Münchner Singer/Songwriter Philip Bradatsch spielte im Frühjahr 2021 mitten im Lockdown sein aktuelles Doppelalbum „Die Bar zur guten Hoffnung“ (Trikont) in Hamburg ein – im November ist es nun erschienen und die Kritiken überschlugen sich, feierten Bradatsch als „deutschen Bob Dylan“ und verglichen ihn mit Tom Petty.

Wie fällt deine persönliche Bilanz fürs Jahr 2021 privat und aus Unternehmersicht aus?
Nun ja, die private und die berufliche Seite lässt sich bei meinem Beruf ja nicht so richtig streng trennen – und da gab es auch dieses Jahr großartige und wunderschöne Momente. Allerdings war die Zeit natürlich auch von großer Sorge geprägt. Planungssicherheit ist zwar nichts, was bei mir so wirklich groß buchstabiert wird, aber ein bisschen weniger bangen hätte es auch getan.

Weitere Beiträge zur Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”:

Holger Stromberg: “Ich glaube, Corona ist nur ein Vorgeschmack”, Christian Schottenhamel: “Gefühlt hat ‘trial and error’ die Verwaltung bestimmt”, Chris Lehner: “Ich hoffe auf eine Entspannung der Lage”, Danny Kufner: „Sich davon zu erholen wird eine anstrengende und langwierige Aufgabe“, Steffen Harning: “Habe die Zeit genutzt, um noch kreativer zu sein”, Jesper Munk: “Mehr Empathie.“, Daniel Lazak: “Wie ich ‘nen Moshpit vemisse...”, Niko Strnad: “Und ich vertraue auf die Einzigartigkeit des Erlebens von Livemusik-Konzerten!“, Rüdiger Linhof: “Ich will sehen dass endlich was vorwärts geht.“, Tobi Ranzinger: “Der gechillte und respektvolle Umgang miteinander hat gelitten”, Christian Kiesler: “Ich würde mir hier ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Realismus, Reflexion und Fairness wünschen...“, Mirca Lotz: “Ich rechne erstmal gar nicht sondern nehme es wie es kommt...“, Markus Naegele: “Die Freude am Leben eben nicht zu verlieren, klingt oft einfacher als es ist.“, Thomas Bohnet: “Dass wenigstens der nächste Herbst nicht wieder so ein Desaster wird.“

Was hat dich besonders genervt oder beeinträchtigt?
Dass die Kulturbranche immer das leichteste und erste Opfer einer offensichtlich vollkommen planlosen Pandemiepolitik war. Wenn man bedenkt, wie klaglos da gerade aus Veranstaltersicht wirklich jede Maßnahme mitgetragen wurde, macht es einen schon fassungslos, was da abging. Zumal man Hilfen hinterherrennen musste, wenn man sie denn überhaupt bekam oder nutzen durfte. Man stelle sich vor, die gleichen Maßstäbe wären an die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes angelegt worden. Aber Hauptsache, die Baumärkte bleiben unter allen Umständen offen ...

Welche Lichtblicke hast du 2021 erlebt?
Die Studioarbeit am aktuellen Album und dessen Veröffentlichung – sowie die fast schon überwältigenden Reaktionen darauf.

Was erhoffst du dir vom Jahr 2022?
Ab Frühjahr würde ich gerne die Konzerte nachholen, die zum Albumrelease nicht möglich waren. Außerdem ist eine Soloplatte in Planung.

Was erwartest du konkret von der neuen Bundesregierung?
Meine Erwartungen sind schon ziemlich weit runtergeschraubt, allein aus Selbstschutz. Trotzdem muss man der neuen Regierung natürlich die Chance geben, ihre Versprechen zumindest teilweise einzulösen. Und wenn alles nichts wird, wird ja immerhin legalisiert. Was wiederum dabei hilfreich sein könnte, die Scholzschen Einlassungen mit mehr Gleichmut zu ertragen.

Wann rechnest du wieder mit einer Rückkehr zur Normalität, zu Umständen wie vor Corona?
Im besten Fall im Frühjahr. Die Frage ist nur: 2022 oder 23...

Interview: Rainer Germann/Alex Wulkow