Kolumne

Belästigungen von Michael Sailer

Michael Sailer

Luft ist nicht alles, aber … na ja, fast alles

Ein zentraler Aspekt des „Corona“-Mythos ist: Luft. Nicht die heiße Luft, als die sich die meisten Theorien, Spekulationen und Horrorvisionen vermeintlicher Fachleute und offiziöser Verschwörungstheoretiker erwiesen haben, sondern frische Luft. Luft, die der Mensch und jedes andere Lebewesen atmet und atmen muß, um nicht zu ersticken. Tatsächlich hat nichts die Hysterie und Massenpanik, den Gehorsam gegenüber unsinnigen Zwangsmaßnahmen so wirksam angeheizt wie die Vorstellung, wenn man sich dem Regime von Merkel, Spahn, Söder und Gates nicht beuge und unterwerfe, werde man elend ersticken müssen.

Das ist etwas ganz anderes als zum Beispiel das Verhungern: Da braucht man nur in eine Wurst zu beißen, schon geht’s wieder. Daß irgendwann einmal keine Wurst mehr da sein könnte, kann sich der westliche Wohlstandsmensch buchstäblich nicht vorstellen. Angst macht ihm das jedenfalls nicht. Um so erstaunlicher, daß in dem allgemeinen Gerede über die zunehmende Erwärmung (auch) der Stadt München, die in den nächsten Jahren so richtig loslegt, von Luft kaum die Rede ist. Luft, meint man, ist einfach da.

Die werden wir auch dann noch schnaufen, wenn der Winter kürzer, wenn die Sommer länger, heißer, tropischer werden. Daß sie zum Beispiel am Mittleren Ring nicht immer ganz frisch ist – ja mei, dafür haben wir ja einen Filter im Auto. Hauptsache, die Luft ist da, und das wird sie immer sein. Das ist ein Irrtum. Und zwar einer, der sich für viele Menschen als tödlich erweisen wird. Daß man die Luft in München noch atmen kann, daß sie vorläufig für eineinhalb Millionen Menschen reicht und sie am Leben erhält, liegt daran, daß es selbst in der maximalverdichteten, zubetonierten, asphaltierten und auf jede denkbare Weise versiegelten Monsterstadt München immer noch ein paar Schneisen und Korridore gibt, durch die frische Luft von außen hineingelangt in den tobenden Heiz- und Hexenkessel.

Eine dieser Schneisen, nein, eigentlich gleich zwei führen durch den Eggarten am nördlichen Rand der Stadt, der – das haben größenwahnsinnige Spekulanten und Baukonzerne beschlossen, und die gewählten Vertreter der Münchner Bürger haben es abgenickt – in den nächsten Jahren in ein „Modellquartier“, das heißt: Betonghetto mit Discounter verwandelt und mit meterhohen Lärmschutzwällen umstellt werden soll. „Ein robustes Konzept für eine vielfältige Stadtstruktur, die sehr fein aus dem bestehenden Ort herausgearbeitet wurde“ erkannte ein „Preisgericht“ in dem Entwurf einer Berliner Architektenfirma mit monströsen Riesenriegeln, zwölf Stockwerke hoch. Daß die 5.000 „Neumünchner“ (Zitat des Projektleiters), die dort einquartiert werden sollen, kilometerweit fahren müssen, um in Clubs, Discos, Theater, Kaschemmen, Kabarett- und Musiklokale, zu Bands, Konzerten, Parties und zu Ausstellungen zu gehen, daß sie sich in jetzt schon restlos überfüllten Seen in der Nachbarschaft suhlen und auf jetzt schon restlos überfüllten Straßen zu ihren Schlaf- bzw. Arbeitsplätzen fahren sollen (wobei ein besonders pfiffiger Mittäter meint, das müßten sie ja gar nicht, wenn zukünftig „Home Office“ die Regel werde), daß für diesen kriminellen Unsinn Biotope vernichtet, diverse Fledermaus-, Vogel- und Molcharten sowie alle möglichen anderen Pflanzen und Tiere ausgerottet, uralte Bäume gefällt und die gesamte Gegend außen rum zur Müllhalde umgewidmet werden muß, soll uns heute mal nur am Rande interessieren. Das ist dem Münchner wie jedem anderen Menschen in der Regel egal.

Höchstens verdrückt er ein Mitleidstränchen und tröstet sich damit, daß es ja anderswo noch Viecher und Gestrüpp gibt. Wird schon nicht so schlimm werden. Doch. Das wird es. Denn da ist ja noch die Luft, die dann eben nicht mehr da ist, zumindest nicht frisch, nicht sauber und nicht kühl. Die ist dann – man kann es nicht oft genug sagen – nicht mehr da. Die wird nicht mehr von Bäumen und feuchten Moosböden gekühlt, strömt nicht mehr in die Stadt, sondern bleibt an den Betonboliden hängen, wird von Autoarmeen in Giftgas umgewandelt und wabert als trübe Seichglocke irgendwo rum. Und in der Stadt, wohin die frische Luft bislang noch strömt, da wabert dann eine noch trübere Seichglocke. Weil gleichzeitig weitere Frischluftschneisen im Hachinger Tal, in Feldmoching und anderswo zugebaut werden, wird sich diese Seichglocke dort festhängen und nicht mehr wegziehen. Sie wird von Millionen röhrenden Motoren und vom entgleisten Klima aufgeheizt, bis die Lungen verkleben und die Hirne glühen, und daß die Baumafia im Obergeschoß eines notorischen Zeitungsturms mit Alpenblick mit ihren Propagandisten zusammensitzt und deshalb weder die Schreiber noch die Betonierer mitkriegen, was da drunten passiert, macht die Sache kaum besser.

Und jetzt werden wir mal drastisch, liebe Münchner. Das darf man in diesen Zeiten. Daß man uns im Frühling derart massiv mit Horrorbildern von erstickenden „Coronaopfern“ bombardiert hat, könnte abstumpfend gewirkt haben, und drum muß man das sogar. Ihr werdet, wenn ihr älter werdet, ersticken. Ihr werdet förmlich ersticken. Wenn ihr nicht erstickt, kriegt ihr einen Herzinfarkt, immer früher, immer öfter. Ihr kriegt Schlaganfälle, Aneurysmen, Kreislaufschwächen, Allergien und Unverträglichkeiten; ihr werdet Kopfschmerzen haben, euch wird beim Joggen schlecht, eure Augen werden Tag und Nacht tränen. Ihr werdet Krebs kriegen, von Lösungsmitteln, Aerosolen und Dreck aus Fabriken und vom Autoverkehr, weil keine frische Luft mehr kommt, um den Seich wegzublasen. Ihr werdet sterben – viele Jahre bevor ihr eigentlich sterben müßtet. Ihr werdet vorher eine Streß-Existenz in Gestank, Giftstaub und stickender Hitze fristen. Weil einige Leute das so wollen. Weil die Profit machen wollen. Profit, den sie nicht brauchen. Diese Leute, die das alles wollen, sind schon reich. Reicher als wir alle je sein werden.

Diese Leute ersticken in Geld. Wir werden in dem Dreck ersticken, den ihr Profit hinterläßt. Ihr, liebe Münchner, müßt euch eine wichtige Frage stellen: Will ich zehn, zwanzig oder dreißig Jahre früher sterben, damit die Erben dieser Leute noch reicher werden? Die Erben, jawohl. Die meisten dieser Leute, die Milliarden damit verdienen, unsere Welt zu zerstören und uns die Frischluftzufuhr abzuschneiden, sind sechzig, siebzig Jahre alt. Die tun das aus Gewohnheit. Das Geld kassieren die, die sie gezeugt haben, per Zufall. Die legen dann erst richtig los, wenn sie merken, daß ihr Geld von selber nicht mehr ständig mehr wird. Hier also ist die Frage: Wollt ihr das? Wollt ihr euer Leben damit verbringen, recht und schlecht dahinzuvegetieren, damit die Profite von Milliardären weiter fließen und ihre Erben noch reicher machen? Wollt ihr ersticken, damit ein paar Leute in Geld ersticken können?

Das müßt ihr nicht wollen. Ja, ihr habt in den letzten Jahren und insbesondere den letzten Monaten gelernt, daß man wollen muß, was diese Leute planen. Daß man nichts tun kann, weil es eben so ist. Daß der „Fortschritt“ in die Apokalypse weitergeht und ihn niemand aufhalten kann. Und so weiter, der ganze Schmarrn. Das stimmt alles nicht. Ihr müßt das nicht wollen. Ihr dürft was dagegen tun. Strenggenommen müßt ihr sogar was dagegen tun. Und sei es nur, daß ihr an euren Stadtrat beziehungsweise eure Stadträtin schreibt (egal ob ihr sie gewählt habt, die sind für euch zuständig) und sie oder ihn zur Verantwortung zieht: indem ihr zum Beispiel fragt, was sie oder er dagegen zu tun gedenkt. Und wenn er oder sie nicht antwortet, dann müßt ihr beharrlich sein. Die müssen antworten, dafür sind sie gewählt worden. Wichtig ist: Ihr müßt es jetzt tun. Wenn die Luft erst mal weg ist und man „offiziell“ feststellt, woran das liegt, ist es zu spät.

Autor: Michael Sailer

Noch viel mehr von Michael Sailer und den Schwabing Schaumschlägern findet Ihr hier sailersblog.de

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