Interview

Was macht eigentlich Tonio Barrientos? Reis und Bohnen statt Chaca Chaca

Tonio Barrientos

In unserer neuen Reihe präsentieren wir in regelmäßigen Abständen prägende Figuren des Münchner Nachtlebens, um die es in letzter Zeit ruhiger geworden ist. Als erstes lüften wir den Schleier des drohenden Vergessens bei DJ und Ex-Clubbetreiber Tonio Barrientos.

Der Münchner mit honduranischen Wurzeln gab dem hiesigen Nightlife zusammen mit Domenic D‘Agnelli Anfang der Nullerjahre mit Events wie „Record Club“ oder „Friendly Feier“ frische Impulse. 2009 eröffneten die beiden Freunde auch zusammen ihren ersten eigenen Club, das Chaca Chaca, das zunächst in der Landwehrstraße und später am Maximiliansplatz beheimatet war.

In dieser Phase machte sich Tonio Barrientos, der hoch offiziell eigentlich Antonio heißt, auch als DJ national und international immer mehr einen Namen und spielte regelmäßig in Club-Institutionen wie „The Egg“ in London, dem „Hive“ in Zürich, der „Bar 25“ oder dem „Watergate“ in Berlin sowie auf den Partysanen-Festivals „Rave on Snow“ und „Thaibreak“ und bei diversen World-League-Events.

Doch dann gab es einen Break. 2012 wurden Tonio und seine Freundin Vanessa ein Paar, zwei Jahre später heirateten die beiden, und inzwischen genießen sie Elternfreuden und das Landleben in der Nähe vom Ammersee. Dadurch haben sich auch die Prioritäten etwas verschoben, wobei das Faible fürs Nachtleben nie gänzlich verschwand. Im Gegenteil: Inzwischen spielt es wieder eine wichtigere Rolle – fast so wie früher.

Tonio und Vanessa Barrientos haben vor knapp einem Jahr zusammen mit Alma Gold die Bookingagentur „Rice and Bean“ gegründet. Außerdem organisiert Tonio monatliche Events im Circle of Trust-Privatklub im Hearthouse. Und mit der gänzlich neuen Reihe „Ambiosa“, die am Samstag im Prygoshin Backroom Premiere feiert, hilft er wieder mal einen neuen Club in München bekannt zu machen. Was sich sonst aktuell in seinem Leben abspielt, verriet uns Tonio Barrientos in einem Interview.

Hallo Tonio, was hast du genau mit dem Prygoshin Backroom zu tun?
Ich bin für die Ambiosa-Party gewissermaßen so was wie der Booker. Zum Auftakt der Reihe kommt gleich mal Mathias Kaden, den ich auch schon einige Jahre kenne. Ich selber werde auch auflegen, back to back mit den Jungs von Variance. Außerdem spielt noch Babou, der auch bei uns in der Bookingagentur gelistet ist. Das Prygoshin ist eine sehr schöne Location, die mit 200 Leuten schon gut voll ist. Wir haben vor, diesen Event etwa alle zwei Monate zu machen.

Die Agentur Rice and Bean ist dein neues Ding. Erzähl doch bitte mal ein bisschen!
Ganz genau. Wobei wir uns eher auf den südamerikanischen und asiatischen Markt spezialisiert haben, wie sich schon am Namen erahnen lässt. Wir hatten schon ein paar Bookings in Vietnam und Hongkong, wo ein enger Freund von mir lebt, der dort eine eigene Bar hat. Da unten ist letztlich auch die Idee zu der Bookingagentur entstanden. Unter den Künstlern sind aber natürlich auch ein paar Münchner, DJ Linus und Michael Nowak beispielsweise.

Die Agentur ist aber nicht deine einzige Baustelle, richtig?
Ja, ich helfe auch noch einigen Veranstaltern bei deren Projekten. Ich gebe da gerne mein Know-how weiter und spiele den Connector, wenn‘s ums Kontakte knüpfen geht. Am 6. Juli mische ich beim „Berlin, Beats & Boats“-Festival mit, wir gehen dort mit einem eigenen Agentur-Boot ins Rennen. Am Vorabend lege ich noch im Club der Visionäre auf.

Apropos Berlin, wie entwickelt sich dort gerade das Nachtleben?
Ach, da gibt‘s ein Verbot nach dem anderen. Die Politik versucht, dem Nachtleben einen Riegel vorzuschieben. Die Stadt lebt aber nun mal auch vom Disco-Tourismus, das ist meines Erachtens der falsche Weg.

Und wie beurteilst du die Entwicklung in München?
Es gibt viele gute Sachen, aber auch vieles, was mir arg kopiert von Berliner Vorbildern vorkommt, z.B. der Bahnwärter Thiel. Trotzdem ist es natürlich toll, was der Daniel Hahn mit seiner Truppe dort aufstellt. Ich frag mich nur, wenn das dann auch irgendwann weg ist, wo soll‘s dann in München überhaupt noch solche Flächen geben? Das MMA fand ich auch cool. Nur die Subkultur-Leier vorm Closing hätten sie sich sparen können. Wenn die Gäste das machen, ist es okay, aber die Betreiber sollten nicht so rumweinen. Es stand ja lange genug fest, dass es irgendwann vorbei ist.

Mit dir und deinen Events in München ist dagegen noch lange nicht Schluss. Was hast du noch in der Pipeline?
Ich kann noch nicht so richtig viel verraten, aber ein neues Projekt zusammen mit DJ Cambis ist gerade in der Mache. Wenn alles klappt, wird‘s ein richtig geiles Ding mit Rooftop-Party und Spa-Bereich. Außerdem organisiere ich in Barcelona in diesem Jahr eventuell noch eine coole Veranstaltung.

Bist du aktuell eigentlich auch im Studio und produzierst neue Sachen?
Ja, bin ich tatsächlich, und zwar mit Pascal Feos, wobei es gar nicht so einfach ist Termine zu finden, an denen wir beide können. Und wir wissen auch noch nicht, welchen Projektnamen wir uns geben.

Und wie lebt es sich so auf dem Land?
Gut, vor allem als Familie. Zugegeben, schnell mal ums Eck was zum Essen holen oder so, das geht nicht so leicht. Aber dafür ist die Luft schön sauber und ich bin in fünf Minuten am Ammersee.

Interview: Alex Wulkow

Prygoshin Backroom, Dachauer Str. 14
Sa, 1. Juni, 23 Uhr, prygoshin.bar

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