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Sexuelle Belästigung im Nachtleben - Achtsamkeit braucht Aufmerksamkeit

Sexuelle Belästigung, Nachtleben, München
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Am 28. und 29. Februar findet in einem Münchner Hotel ein „Verführungsseminar“ für Männer statt. Die Teilnehmer ziehen abends durch Clubs, um Erlerntes anzuwenden. Wie Veranstalter und Feministinnen gegen Sexismus und für ein sicheres und angenehmes Feiern mobilisieren.

„Man muss Frauen isolieren, wenn man sie knutschen will“. Solche und ähnliche Strategien und Methoden der „Frauenverführung“ vermittelt Matthias Pöhm, Rhetoriktrainer und Schriftsteller, in seinem Seminar „Männlich wirken – natürlich flirten“. Pöhm vermittelt Methoden sogenannter „ Pick-Up-Artists “ (PUA), die seinen Schülern die „Kunst des Verführens“ näher bringen möchte. 

Nach Angaben auf seiner Website findet der Kurs am 28. und 29. Februar in einem namentlich nicht genannten Münchner Hotel statt. Es ist zu erwarten, dass Teilnehmer die gelernte Theorie im Anschluss an das Seminar in Münchner Clubs in die Praxis umsetzen werden.

Was auf den ersten Blick daherkommt wie ein harmloses Training, um das Selbstbewusstsein zu steigern, ist in Wahrheit ein Seminar zum Erlernen höchst manipulativer Strategien, mit deren Hilfe Frauen systematisch verunsichert und herabgewürdigt werden.

Die Antisexistische Aktion München (ASAM) kündigt daher an diesem Wochenende verstärkt ihre Präsenz an: „Wir stehen ab Freitagabend mit unseren Flyern vor den Clubs, um die Besucher*innen und auch die Türsteher*innen zu informieren und zu sensibilisieren“, so Nina Stern, Sprecherin von ASAM.

Der Aktion geht es nicht nur darum ein Zeichen gegen Sexismus und Frauenfeindlichkeit zu setzen: „Wir möchten, dass das Thema an sich mehr Aufmerksamkeit erfährt, denn es wird leider noch immer von einem großen Teil der Gesellschaft akzeptiert.“

„Ist Luisa hier?“

Dem stimmt auch Lily Felixberger, Projektleiterin des feministischen Münchner Clubfestivals Marry Klein, zu: „Es ist für die betroffene Person eben nicht immer so einfach ‚Nein’ zu sagen.“ Häufig kommt die Scham dazu, wenn aus einer angenehmen Situation plötzlich eine unangenehme wird. Das Selbstbewusstsein zu besitzen, sich selbst daraus zu befreien, schwindet.

Das Hilfsangebot des Frauennotrufs setzt daher auf Unmittelbarkeit: Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich Frauen an das Clubpersonal wenden und bekommen diskrete Hilfe. Auch erste ‚Awareness’-Konzepte (a.d.R. engl. für Bewusstsein/Wahrnehmung/Achtsamkeit) gegen sexuelle Belästigung und für ein sicheres und angenehmes Feiern werden bereits in der Praxis umgesetzt.

Lily Felixberger: „Auf den Partys des WUT-Kollektivs gibt es zum Beispiel die ‚auffordernde Awareness’. Bestehend aus Leuten, die sich frei im Club bewegen und die Möglichkeit haben, kommunikativ und mit einem lösungsorientierten Ansatz in die Situation eingreifen zu können.“ Auch das Prinzip der ‚stationären Awareness’ hat sich bereits bewährt: „Ein Stand mit einem Team, an das man sich als Gast immer wenden kann – wenn man etwas gesehen hat, aber auch wenn man selbst betroffen ist“, so Felixberger weiter.

Kommunikation ist der Schlüssel

Dabei geht es nicht darum, einen Kontrollmechanismus zu etablieren, sondern um Achtsamkeit. Felixberger: „Wir arbeiten bei unseren Partys ganz eng mit Türsteher*innen, Barkeeper*innen und der Abendleitung zusammen, um für die Gäste einen sicheren Rahmen zu gestalten.“

Doch auch die Stadt sieht sich in der Pflicht: Das Allparteiliche Konfliktmanagement in München (AKIM), bislang tätig bei Konflikten rund um das nächtliche Feiern, hat ein Arbeitsgremium für den geplanten Nachtbeauftragten geschaffen. Zum Thema ‚Club-Awareness’, also der Präsenz und Aufklärung auf Veranstaltungen und Partys, gibt es jedoch bisher noch keine öffentliche Positionierung.

Lily Felixberger: „Die immer lascher werdenden Türen der Münchner Clubs machen die Thematik nicht einfacher, daher mein Appell an die Veranstalter: Schult euer Personal mit bestimmten Nachfragen an die Gäste, um herauszufinden, wer zum heutigen Abend passt und wer nicht.“

Autorin: Sabrina Witte

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