Interviewreihe

Seit 250 Tagen im Shutdown - Stimmen aus dem Münchner Nachtleben

Im zweiten Teil unserer Interviewreihe aus dem Münchner Nachtleben haben wir einen Club- und einen Barbetreiber befragt: Oliver Reif vom Crowns Club und Barbetreiber Max Gradl (Ory, Herzog, Kubaschewski).

Crowns Club / Oliver Reif

Oliver Reif (Crowns Club) und Max Gradl (Ory, Herzog, Kubaschewski)

Seit fast genau 250 Tagen ist das Münchner Nachtleben coronabedingt nahezu zum Erliegen gekommen. Am Freitag den 13. März gaben die meisten Clubs ihre vorübergehende Schließung bekannt und Veranstaltungen wurden abgesagt. Zeit für uns die Betreiber und Veranstalter aus dem Münchner Nachtleben zu ihrer Situation, aber auch zu ihren Gefühlen und Hoffnungen zu befragen.

Interviewreihe: Seit 250 Tagen im Shutdown - Stimmen aus dem Münchner Nachtleben

Hier gehts zum ersten Teil mit Michi Kern von der Eventlocation Utopia in Schwabing und Peter Wacha vom Club Rote Sonne am Maximiliansplatz / Hier gehts zum dritten Teil mit World League-Veranstalter Tom Hilner (Greenfields, u.a.) und Call me Drella-Head Martin Putz / Hier gehts zum vierten Teil mit Harry Klein-Macher Peter Fleming und Eventveranstalter von Wild Warehouse und Betreiber der Krake Bar, Dominic Mölzl und André Resch / Hier gehts zum fünften Teil mit Michael Perlinger von der Milchbar und Alexander Kaufmann vom Bar-Restaurant Jams

Crowns Club / Oliver Reif

Oliver Reif betreibt den Crowns Club in der Rosenheimer Straße

Seit etwa 250 Tagen hat uns Corona fest im Griff. Welche Gefühle löst das bei dir aus?
Es sind gemischte Gefühle. Zum einen hat uns allen die Zeit seit dem ersten Lockdown sehr viel abverlangt. Ich glaube aber, dass sie uns nicht nur Schlechtes gebracht hat. Die Welt dreht sich langsamer und gibt den Blick frei auf die Dinge, die wir vielleicht manchmal in der Hetze des Alltags vergessen hatten. So bleibt auf einmal Zeit, sich zu besinnen auf das Wesentliche, und oft eröffnet uns eine neue Sichtweise auch neue Möglichkeiten. Ich freue mich auf neue Aufgaben und alte Bekannte, wenn sich bald alles wieder normal anfühlt, auch wenn es vielleicht eine völlig neue Normalität sein wird.

Wie habt ihr die Lockdown-Zeiten bisher überstanden? Was hat euch über Wasser gehalten?
Durch eine sofortige Kostenreduzierung und die staatlichen Hilfen, gepaart mit der Unterstützung der Industriepartner, konnten wir gut gegensteuern. Zusätzlich haben wir die Flächen zwischenvermietet. Vom Yogastudio über Streaming Sessions bis zum gesunden Take-away-Konzept von Malibu Nation war alles dabei.

Plant ihr zusätzlich eine Konzeptänderung für euren Club (z.B. reinen Barbetrieb o.ä.), um noch besser über die Runden zu kommen?
Nein, das Konzept bleibt das Alte, aber wir werden uns mit Sicherheit im ein oder anderen Bereich neu erfinden. Aber dazu in ein paar Monaten mehr.

Wie bewertest du das bisherige Vorgehen der Politik, speziell auch die aktuellen Hilfsangebote?
Ich denke, in Bezug auf die Gastronomie versucht die Politik so gut wie möglich zu unterstützen. Man sieht die Hilfe natürlich immer nur aus den Augen dessen, der sie benötigt. Wenn man aber einen Vergleich zieht mit anderen Sparten, dann schneiden wir im Grunde ganz gut ab und gehören sicher zu dem Wirtschaftsbereich, der nach dem Lockdown am schnellsten wieder Fahrt aufnehmen kann.

Was wünschst du dir für die nächsten Monate von der Exekutive?
Die Corona-Krise hat nicht nur Schlechtes mit sich gebracht. München ist eine tolle Stadt, die Behörden haben es der Gastro vor Corona aber immer schwerer gemacht, neue Konzepte umzusetzen. Es wäre schön, wenn die Innovationen mit Pop-up-Außenflächen und das teilweise offene Ohr für die Nöte der Gastronomen Bestand hätten. Einfach ein bisschen weniger Bürokratie und wieder mehr Weltstadt mit Herz.

Was hast du in der Corona-Krise für dich persönlich gelernt?
Mehr Zeit damit zu verbringen, mich selbst zu hinterfragen und auch mal einfach nur zu atmen und Dinge aus einigem Abstand zu betrachten. Gerade wir in der Gastro sind es gewohnt, immer auf 120 Prozent zu laufen und werden dadurch oftmals betriebsblind oder haben nicht genug Zeit, auf Dinge zu reagieren. Durch Corona wurde uns eine Zwangspause auferlegt, die uns am Ende vielleicht sogar über uns selbst hinauswachsen lässt.

Wird das Münchner Nachtleben jemals wieder so werden wie früher?
Natürlich wird es spätestens im zweiten Halbjahr 2021 wieder bunt und vielfältig. Leider werden mit Sicherheit einige Objekte wegfallen, und es wird auch den ein oder anderen Betreiberwechsel geben. Aber am Ende werden auch wieder neue Läden eröffnet und unsere lieb gewonnenen Gäste werden genauso zurückkommen wie die perfekte Party.

Wie können euch eure Stammgäste momentan am besten unterstützen?
Wir haben bereits bei der sogenannten ersten Welle eine Hilfsaktion gestartet und verfolgen das gleiche Modell auch jetzt. Unsere Gäste haben hier für Reichweite gesorgt und alle Aktionen unterstützt, so konnten wir vielen Menschen gemeinsam eine Freude machen und uns dadurch auch selbst beschenken. Mehr Unterstützung geht nicht …

Bars Ory, Herzog, Kubaschewski / Max Gradl

Max Gradl betreibt die Münchner Bars Ory, Herzog und Kubaschewski

Seit etwa 250 Tagen hat uns Corona fest im Griff. Welche Gefühle löst das bei dir aus?
Ich fühle mich sehr limitiert und nachdenklich.

Wie habt ihr die Lockdown-Zeiten bisher überstanden? Und wie bewertest du das bisherige Vorgehen der Politik, speziell auch die aktuellen Hilfsangebote?
Wir haben die Lockdown-Phasen dank unserer Regierung sehr gut überstanden und konnten sie nutzen, um uns neu zu strukturieren und unsere Konzepte zu überdenken. Wir sind also sehr dankbar, denn die Pakete haben uns geholfen zu überleben. Es ist traurig zu sehen, wie manche Gastronomen immer wieder weitere Forderungen stellen und Ihren Frust an den Politikern auslassen. Das Virus ist schuld für unsere Lage, nicht die Politik.

Was wünschst du dir für die nächsten Monate von der Exekutive?
Dass sie so weiter machen wie bisher und noch die restlichen Lücken im System füllen, damit allen geholfen wird.

Was hast du in der Corona-Krise für dich persönlich gelernt?
Dass es wichtig ist, seine Kosten immer im Blick zu haben und ständig zu hinterfragen, ob Konzepte noch zeitgemäß sind. Und immer am Ball zu bleiben.

Wird das Münchner Nachtleben jemals wieder so werden wie früher?
Ich denke schon und noch besser als je zuvor!

Interviews: Alex Wulkow

Rubriklistenbild: © Privat

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