Interview

P1-Geschäftsführer Sebastian Goller im Interview

Leitet seit fast vier Jahren das P1: Sebastian Goller

Am Donnerstag feiert das P1 seinen 33. Geburtstag – wir haben Geschäftsführer Sebastian Goller im Interview zu den Feierlichkeiten und zu seiner Vision für das P1 befragt.

Keine Frage, das P1 polarisiert. Jeder Münchner kennt es und jeder hat wohl auch eine Meinung dazu. Und das nun bereits seit über 30 Jahren. Hier feierten nationale und internationale Größen, hier wütete Blitzlichtgewitter, hier fingen viele Geschichten an und hörten wahrscheinlich ebenso viele auch auf.

Die Vergangenheit hat das P1 zu einer Art Mythos gemacht, manchmal geradezu unantastbar. Die Zeiten haben sich inzwischen natürlich etwas geändert – auch ein Club mit einem so großen Namen muss sich dem Wandel anpassen. Die Gäste wünschen sich kurzweiligere Nächte und Abwechslung.

Auf den Punkt bringt man das in diesem Jahr bereits mit dem ersten großen Event – dem 33. Geburtstag. Dieser wird am kommenden Donnerstag im gewohnt ausschweifenden Stil mit vielen Überraschungen begangen.

Wir haben uns mit Geschäftsführer Sebastian Goller getroffen und ihn zu seinen Gedanken rund um die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des P1 befragt.

Es steht die Feier zu 33 Jahren P1 an – den Geburtstag feiert ihr, anders als andere Clubs, erst seit ein paar Jahren, warum und was ist geplant?
Deutschlandweit gibt es wenige Läden, die so lange schon existieren und vom gleichen Betreiber geführt werden. Diese 30 Jahre gilt es zu würdigen und neben unseren anderen großen Highlights Terrasseneröffnung und Sommerfest, fanden wir das ein schönes Thema, um ein besonderes Konzept daraus zu machen. Wir haben uns einiges überlegt, was noch nicht verraten wird, eines der Highlights ist der Live-Gig der Münchener Band „The Charles“.

Inwiefern spielt die umfangreiche Geschichte des P1 für dich und deine Arbeit eine Rolle?
Das P1 war immer ein Bestandteil meines Lebens, ich bin familiär mit dem Laden verbunden. Franz Rauch, einer der Gesellschafter, ist ja mein Vater. Das erste Mal, wo ich mich wissentlich an den Laden erinnern kann, war das P1 noch oben im Haus der Kunst. Die Erinnerung ist zwar etwas verschwommen, aber ich weiß noch, dass ich als kleines Kind, während er die Abrechnung gemacht hat, Flipper gespielt habe. Ich bin jetzt 28, demnach kann man sagen, dass ich alle Veränderungen des P1 der vergangenen 20 Jahre letztendlich immer vor Augen habe.

33 Jahre P1 Club - Geburtstag am 23.03.2017

Du bist jetzt seit fast vier Jahren der Geschäftsführer des P1, wie blickst du auf diese Zeit zurück?
Als ich angefangen habe, habe ich natürlich gedacht, man kann die Welt verändern. Dass man die Welt, beziehungsweise das Ausgehverhalten, nicht so leicht verändern kann, das habe ich aber relativ schnell gemerkt.

Prinzipiell orientiere ich mich immer sehr stark an dem, was mir selber gefällt, und dann überlege ich, könnte das den Gästen auch gefallen? Das ist eigentlich mein Credo. Jeder Gast, der reinkommt, soll sich direkt wohlfühlen, wenn er bei uns ist, egal ob er 18 oder 64 ist.

Sebastian Goller und Autorin Antje Seidel

Das P1 hat einen relativ einschlägigen Ruf, was sein Publikum angeht - wie bekommt ihr neue Menschen auf eure Tanzflächen?
Der Mythos um das P1 und sein Publikum ist natürlich Fluch und Segen zugleich – denn jeder möchte natürlich sein Publikum erweitern und nicht in einer bestimmten Nische feststecken. Es gibt viele Gäste, die wir gerne bei uns hätten, die sich aber durch den Ruf des P1 abschrecken lassen und sich gar nicht trauen zu uns zu kommen. Niemand kommt gerne nicht „rein“ – das ist natürlich ein Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen. Durch unsere Social-Media-Auftritte und die neuen Konzepte, die wir da fahren, senken wir hier die Hemmschwelle und machen das P1 zu mehr als nur einer „harten Tür“, hinter die man erst gucken kann, wenn man drin ist.

Inwiefern muss sich vielleicht auch der Club wandeln, um bei einem Social-Media-affinen Publikum anzukommen?
Unsere Gäste sind inzwischen auch unsere Markenbotschafter und das darf man nicht vergessen. Früher war es Mund-zu-Mund-Propaganda, jetzt sehen die Leute ein Bild, das die Stimmung und den Style einer Location einfängt und sie dazu bewegt auch mal vorbeizuschauen. Der Laden muss also eine gute Bühne sein und es sollte Punkte im Club geben, die jeder wiedererkennt, wenn er sie online sieht.

Bevor du die Führung des P1 übernommen hast, bist du viel rumgekommen, inwiefern beeinflusst sich das? Reist du viel und schaust du dir immer noch andere Clubs an, um dir Inspiration zu holen?
Ich reise immer noch sehr viel und schaue mir viel an. Ich habe in Spanien studiert und in London und Berlin gelebt eine Zeit lang, dort auch gearbeitet, und die internationale Szene zu beobachten, hat nie an Bedeutung verloren. Es ist spannend, wie das Nachtleben sich länderabhängig unterscheidet, in Spanien geht man vor vier in keinen Club, davor ist da einfach nichts los. Das andere Extrem ist in London, weil da dann um 23 Uhr die Läden bereits voll sind.

Bist schon einmal in einen Club gegangen und alles hat gepasst und du hast zu dir selbst gesagt – genau so soll es sein?
Es gibt tausend Bruchstücke von ebenso vielen Läden, die mich begeistern. Man kann aber natürlich nicht überall alles machen. Ein prägnantes Beispiel gibt es zum Beispiel in Tarifa – einem ganz kleinen Fischerdorf in Andalusien – da gibt es einen Club, in dem das DJ-Pult wie ein Catwalk über den Köpfen der Gäste entlang gebaut ist. Dadurch ist eine ganz eigene Dynamik entstanden - die Leute sind immer über den Köpfen der Gäste zum DJ gelaufen und zurück und haben da oben getanzt. Das fand ich toll.

Gehst du in München selbst auch regelmäßig weg? Gibt es in dieser Stadt etwas, das dir fehlt?
München ist eine internationale Stadt - wenn man verreist, trifft man eigentlich auch überall einen Münchner. Dass die Münchner allgemein gerne reisen und sich im Ausland inspirieren lassen, macht sich auch im Nachtleben bemerkbar, denn es werden immer wieder internationale Konzepte in die Stadt gebracht. Dadurch wandelt sich das Nachtleben eigentlich stetig und bleibt spannend. Was mir persönlich fehlt, wüsste ich nicht - ein richtig geiler Hot-Dog-Laden – wie Fat Dog in Amsterdam – wäre stark.

Was ist deine Vision für die Zukunft des P1?
In erster Linie wollen wir unsere aktuellen Konzepte weiter entwickeln, um mit der allgemeinen Schnelllebigkeit mitzuhalten. Das Ausgehverhalten wandelt sich in immer kürzeren Abständen, und da muss man sich anpassen können – das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung. Die Leute haben nicht mehr klassische Fixpunkte – Restaurant, Bar und anschließend Club, sondern besuchen teilweise drei bis vier Clubs pro Abend.

Das Ziel ist natürlich, die eigenen Nächte so zu gestalten, dass die Gäste bei uns bleiben wollen. Mein persönlicher Anspruch ist es daher, diesem Wandel offen gegenüber zu sein, sich tagtäglich neu erfinden zu können und entsprechende Konzepte zu kreieren.

Interview: Antje Seidel

33. Geburtstag, P1, Prinzregentenstraße 1
Donnerstag, 23.03., ab 21 Uhr

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