Ortsgespräch

Neustart im Substanz: „In der Werft kurz aufpoliert“

Stefan Schröder (links) und Fabian Rauecker
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Freuen sich, wenn sich feine Pinkel wie Biertrinker benehmen: Stefan Schröder (links) und Fabian Rauecker

Die Pizza-Fans und Seebären Fabian Rauecker und Stefan Schröder eröffnen mit Urgestein Jürgen Franke am morgigen Donnerstag das Substanz wieder. Höchste Zeit!

Liebes Substanz-Team, durch unruhige See sind Sie ja schon immer wieder in der so schön langen Substanz-Geschichte geschippert. Aber wie stark ging die lange Schließphase an die Nieren, ja tatsächlich an die Substanz: Gab’s Phasen, an der gar kein Horizont (für Wiedereröffnungen) in Sicht war?
Stefan Schröder: Es gab eine Phase, in der die komplette Gastronomie und bis heute die meisten Clubs keinen und wenn nur einen sehr verschwommenen Horizont gesehen haben. Wir haben versucht, diesen Silberstreif am Horizont mit möglichst viel Baustaub zu vernebeln, um nicht zu oft enttäuscht zu werden.

Dass sich das Substanz immer wieder behutsam neu in den Wind stellt, gehört ja dazu. Was muss man sich unter Deutschlands südlichster Hafenkneipe vorstellen?
Stefan: Am besten einfach mal vorbei schaue ... Ihr Landratten!!! Wir haben die Getränkekarte mit dem ein oder anderen nordischen Getränk erweitert und die Deko und das Logo des Ladens unseren anderen Projekte angeglichen, ohne die/das „Substanz“ zu verlieren. Wir hoffen, dass die Stammgäste und auch das neue Publikum damit einverstanden sind.

Fabian Rauecker: Wir sind ja schon seit Jahren der Seefahrt und dem Maritimen sehr zugeneigt, da war dann die Hafenkneipe naheliegend. Es ist und bleibt aber immer noch das Substanz. Mit allen Besonderheiten, die in den über 30 Jahren Geschichte in der Ruppertstraße 28 stecken. Wir waren einfach mal kurz in der Werft und haben ein bisschen aufpoliert.

Zuletzt haben Sie die Decks geschrubbt: Wie viel Ballast musste raus, wie muss man sich das neue Substanz optisch vorstellen?
Stefan: Wenn es nur Schrubben gewesen wäre… Man hat dem Karren schon 31 Jahre Dauerparty angemerkt. Viele Dinge sieht man als Gast aber Gott sei Dank nicht (es gibt eine komplett neue Lüftungsanlage/eine neue Zapfanlage und einige andere infrastrukturelle Modernisierungen - das sieht man nicht), und es gibt Dinge, die man sieht - wie z.B. die neuen Toiletten.

Fabian: Um ehrlich zu sein, hat dem Substanz die lange Pause dann auch in gewisser Weise gut getan. Es war wohl nach all den Jahren der erste Zeitraum, an dem mal an mehr als zwei Tagen hintereinander was gemacht werden konnte. Alle Stammgäste werden an diversen Stellen etwas wiedererkennen - unser wunderbares Flaschenregal an der Theke beispielsweise. Aber so eine Seereise regt ja auch immer zum Entdecken an. Und es gibt dann einfach auch wieder viel Neues zu entdecken. Aber das Erscheinungsbild im Substanz ist trotz der turbulenten vergangenen Monate optisch etwas ruhiger geworden als vor der Schließung.

Eine kleine Kombüse gab es ja immer wieder mal: Aber wie kam es zu der leckeren Pizza-Idee?
Stefan: Der Platz in der Kombüse ist ja eingeschränkt. Und die Anforderungen an Küchen (vegetarisch/vegan/glutenfrei/regional etc.) steigen. Die Pizza hat für uns die meisten Anforderungen erfüllt. Sowohl um 18.00 Uhr als auch (wenn es mal wieder geht) später in der Nacht.

Fabian: Wir haben einige Ideen durchgespielt, was wir aus der bestehenden Kombüse machen können. Am Ende kamen wir immer wieder auf den Konsens, dass unsere Pizza-Idee für den gesamten Laden die beste Entscheidung ist. Egal ob zu Weggehen & Trinken, zur Kultur-& Konzertveranstaltung, die hoffentlich auch bald wieder regelmäßiger bei uns stattfinden können, als auch zum entspannten Abendessen ab 18:00 Uhr erfüllt eine Gute Pizza unserer Meinung nach für alle Gäste ihren Zweck!

Biertrinker wissen ja: Kreisförmige Unterlagen sind wichtig. Soll aber wohl nicht heißen, dass für einen Substanz-Besuch künftig Feine-Pinkel-Tischmanieren erforderlich sind?
Stefan: Auf der Karte steht Pizza... Ich glaube das ist die Antwort darauf. Feine Pinkel sind willkommen (aber nur, wenn sie sich wie Biertrinker benehmen)

Fabian: Es gibt Besteck, aber ehrlicherweise isst ein richtige Meerjungfrau bzw. Ein Seemann dann seine Pizza doch eher mit den Fingern. Aber das überlassen wir jedem selbst! Das Substanz Stand schon immer für Offenheit und Vielfältigkeit - da machen wir dann bei der Frage, wie man sein Essen zu essen hat, keine Ausnahme.

So sehr man sich aufs gute Essen (und die Schätze der Getränkekarte) freut: Üblicherweise ist man ja auch aus ganz anderen Gründen ins Substanz gekommen. Wie viel vom alten Irrsinn wird fürs erste schon wieder möglich sein?
Stefan: Aufgrund dieser Fledermaus-/Delta-/Söder-Variante ist der Irrsinn von fFrüher durch den Wahnsinn von heute leider nur anders und eingeschränkter möglich. Aber wir wollen, so gut es geht, daran festhalten.

Fabian: Der Wahnsinn passt sich an. Wir haben ja bereit vor der Schließung ein paar Dinge ausprobiert (beispielsweise unser Substanzielles Pub-Quiz). Und das funktioniert auch unter den aktuellen Umständen sehr gut. Wir werden einfach immer wieder auf Neue versuchen, das Beste aus den aktuellen Umständen zu machen, und haben viele weitere Ideen, um den Irrsinn bei uns im Substanz gebührend fortzuführen.

Man fragt ja nicht nur nach dem Holzmichl, aber steht auch der alte Kickertisch noch? Und darf man ihn vielleicht sogar nicht nur bestaunen, sondern auch bespielen?
Stefan: Er steht (aber vorerst nur ein Tisch), und er darf bespielt werden. Die genauen Regeln erklären wir dann vor Ort.

Was sagt der Mann im Ausguck: Auf welche Konzerte darf man sich jetzt schon freuen?
Stefan: Wir starten mit Johnny Mafia aus Frankreich (8. September) Zudem freuen wir uns auf Ja & Weiter (München älteste Stand Up Comedy Open Mic - 15. & 29. September) und The Great Bingo Night mit Glitzer Gischi (22. September). Weitere Termine mit Bands/DJ’s und Lesungen sind in Vorbereitung.

Wie lange wird es dauern, bis wieder Festland in Sicht ist und auch mal wieder freudengetanzt, geschwitzt und geküsst werden darf?
Stefan: Von uns aus ab 12. August 2021… Aber wir werden uns mit den Vorschriften arrangieren müssen.

Fabian: Ins Schwitzen kommt aktuell erstmal schon mal unser Pizzabäcker, hoffentlich dann auch ab der Wiedereröffnung unsere Bedienungen und unser ganzes Team. Beim Tanzen werden wir wohl noch warten müssen. Und zum Thema Küssen: Uns ist nicht bekannt dass das aktuell durch irgendeine Verordnung verboten wäre…

Letzte Frage: Seebären kennen ja sicher gute Hausmittel gegen Seekrankheit. Wie und mit Hilfe welcher Substanzen erholt man sich am schnellsten wieder vom Lagerkoller der vergangenen langen Monate?
Stefan: Zum Start 1 Tegernseer 1806 aus dem gekühlten Steinkrug darauf 1 Pizza Vulcano mit einem weiteren Bier. Zur Verdauung ein Espresso Dopio und ein Friesengeist und dann den Abend mit XY Gin Tonics ausklingen lassen - und am besten am nächsten Tag wieder kommen.

Fabian: Und für diejenigen die schon ein bisschen aus der Übung sind: Auch unsere Weinkarte hat Zuwachs bekommen! Wir haben einen wunderbaren Grünen Veltliner, den wir nicht umsonst „Substantielle Flaschenpost“ genannt haben. Am Ende entscheidet wahrscheinlich nicht mal das Getränk über die Erholung, sondern viel mehr, mit wem man sich gemeinsam bei uns im Substanz zusammentut, um nach der langen Zeit mal wieder einen Substanziellen Kneipenabend zu verbringen.

Interview: Rupert Sommer

Substanz, Ruppertstraße 28
Alle Infos und Termine unter: www.substanz-club.com

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